Der Streit um die Flä­chen­prä­mi­en

Ein Pacht­ver­trag, der vor der Reform der Gemein­sa­men Euro­päi­schen Agrar­po­li­tik (GAP-Reform) abge­schlos­sen wor­den ist, kann so aus­zu­le­gen sein, dass die dem Päch­ter im Jah­re 2005 im Zuge der GAP-Reform über­tra­ge­nen Zah­lungs­an­sprü­che nach dem Betriebs­prä­mi­en­durch­füh­rungs­ge­setz (Flä­chen­prä­mi­en) nicht an den Ver­päch­ter her­aus­zu­ge­ben sind.

Der Streit um die Flä­chen­prä­mi­en

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und damit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Stein­furt bestä­tigt. Die Klä­ge­rin hat­te erfolg­los nach dem Ende eines Pacht­ver­tra­ges vom Beklag­ten die Über­tra­gung der auf die frü­he­ren Pacht­flä­chen ent­fal­le­nen Flä­chen­prä­mi­en begehrt. Die Eltern der Klä­ge­rin aus Rhei­ne hat­ten im Jah­re 1993 in Rhei­ne gele­ge­ne land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­chen in der Grö­ße von ca. 16,5 ha mit den dazu­ge­hö­ri­gen Milch­quo­ten an den Vater des Beklag­ten aus Rhei­ne ver­pach­tet und dabei in einer Ver­trags­klau­sel ver­ein­bart, dass der Päch­ter "auf die Flä­chen" zuge­teil­te "Pro­duk­ti­ons­quo­ten" zu erhal­ten und am Ende der Pacht­zeit kos­ten­los an die Ver­päch­ter zurück­zu­ge­ben habe. Nach der GAP-Reform ließ sich der Beklag­te, der den elter­li­chen Hof zwi­schen­zeit­lich über­nom­men hat­te, Flä­chen­prä­mi­en zuwei­sen. Nach dem Ende des Pacht­ver­tra­ges im Jah­re 2011 hat die Klä­ge­rin, die ihrer­seits den Hof ihrer Eltern über­nom­men hat­te, vom Beklag­ten die Über­tra­gung der auf die frü­he­ren Pacht­flä­chen ent­fal­le­nen Flä­chen­prä­mi­en ver­langt. Sie hat gemeint, die im Jah­re 1993 ver­ein­bar­te Ver­trags­klau­sel zur Rück­ga­be zuge­teil­ter Pro­duk­ti­ons­quo­ten erfas­se auch die im Jah­re 2005 ein­ge­führ­ten Flä­chen­prä­mi­en.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm deut­lich gemacht, dass die dem Betriebs­in­ha­ber zuge­ord­ne­te Flä­chen­prä­mie kei­ne an die ver­pach­te­ten Flä­chen gebun­de­ne Bei­hil­fe sei, die der Päch­ter bereits nach den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten am Pach­ten­de an den Ver­päch­ter her­aus­zu­ge­ben habe. Im vor­lie­gen­den Fall erge­be sich auch aus dem Pacht­ver­trag kein Anspruch auf Über­tra­gung der Zah­lungs­an­sprü­che, weil die­se kei­ne "auf die Flä­chen" zuge­teil­te "Pro­duk­ti­ons­quo­ten" im Sin­ne der ver­trag­li­chen Abspra­che sei­en. Bei den Flä­chen­prä­mi­en han­de­le es sich um eine pro­duk­ti­ons­un­ab­hän­gi­ge, von der Bewirt­schaf­tung kon­kre­ter Flä­chen ent­kop­pel­te För­de­rung, die eine Bei­hil­fe zur Ver­bes­se­rung des Ein­kom­mens des Betriebs­in­ha­bers dar­stel­le. Eine der­ar­ti­ge För­de­rung erfas­se die in Fra­ge ste­hen­de Ver­trags­klau­sel nicht. Die Inter­es­sen­la­ge gebie­te kein ande­res Ver­trags­ver­ständ­nis, weil im vor­lie­gen­den Fall nur land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che und kei­ne Betriebs­ein­heit ver­pach­tet gewe­sen sei. Schließ­lich kön­ne die Ver­päch­te­rin auch kei­ne Über­tra­gung eines antei­li­gen Wer­tes des auf die ver­pach­te­ten Flä­chen bezo­ge­nen Teils der Zah­lungs­an­sprü­che ver­lan­gen. Der Ver­trags­klau­sel feh­le die hier­für not­wen­di­ge Trans­pa­renz, weil sie Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen einer antei­li­gen Über­tra­gung nicht fest­le­ge.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 18. Juni 2013 – 10 U 6/​13