Der Unfal­l­ersatz­wa­gen und die Unfall­re­gu­lie­rung durch den Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer

Lie­gen kei­ne Umstän­de vor, aus denen ohne wei­te­res ersicht­lich ist, dass es sich um einen Unfall han­delt, bei dem die Ein­zie­hung einer abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­for­de­rung durch ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nicht erlaubt ist, ist die Abtre­tung nicht des­halb wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz unwirk­sam, weil noch nicht fest­steht, wie sich der Unfall­geg­ner bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein­lässt.

Der Unfal­l­ersatz­wa­gen und die Unfall­re­gu­lie­rung durch den Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hof ist damit im Regel­fall der Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer aktiv­le­gi­ti­miert, weil er eine jeden­falls nach § 5 Abs. 1 RDG erlaub­te Rechts­dienst­leis­tung vor­ge­nom­men hat.

Die Abtre­tun­gen sind dabei in allen hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len nach dem am 1.07.2008 in Kraft getre­te­nen Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz zu beur­tei­len, weil die vor die­sem Zeit­punkt getrof­fe­nen Abtre­tungs­ver­ein­ba­run­gen im August/​September 2009 erneut abge­schlos­sen wur­den. Die For­de­run­gen, wel­che Gegen­stand der Abtre­tun­gen sind, sind auch hin­rei­chend bestimmt, weil jeweils nur die Scha­dens­er­satz­for­de­rung auf Erstat­tung der Miet­wa­gen­kos­ten nach dem kon­kret benann­ten Scha­dens­er­eig­nis abge­tre­ten wur­de. Eine Bezif­fe­rung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs war im Zeit­punkt der Abtre­tungs­er­klä­rung weder mög­lich noch erfor­der­lich.

Die Abtre­tungs­ver­ein­ba­run­gen sind jeden­falls des­halb wirk­sam, weil die Ein­zie­hung einer an ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­for­de­rung des Geschä­dig­ten auf Erstat­tung von Miet­wa­gen­kos­ten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 RDG grund­sätz­lich erlaubt ist, wenn – wie hier – allein die Höhe der Miet­wa­gen­kos­ten strei­tig ist 1.

Auch ist die Abtre­tung nicht des­halb unwirk­sam, weil die Abtre­tung zu einem Zeit­punkt erfolg­te, zu dem noch nicht geklärt war, ob und wie sich der Unfall­geg­ner bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein­lässt 2. Die Abtre­tung als sol­che ist ein neu­tra­les Geschäft, wel­ches nicht per se gegen ein Ver­bots­ge­setz (§ 134 BGB) ver­stößt. Sie wäre allen­falls unwirk­sam, wenn sie von vorn­her­ein auf eine nicht erlaub­te Rechts­dienst­leis­tung ziel­te. Dies ist bei der Abtre­tung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs auf Erstat­tung von Miet­wa­gen­kos­ten nicht der Fall, weil die Ein­zie­hung die­ses Anspruchs durch das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 RDG grund­sätz­lich erlaubt ist, wenn allein die Höhe der Miet­wa­gen­kos­ten strei­tig ist. Lie­gen mit­hin kei­ne Umstän­de vor, aus denen (objek­tiv) ohne wei­te­res ersicht­lich ist, dass es sich um einen Unfall han­delt, bei dem die Ein­zie­hung einer abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­for­de­rung durch ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nicht erlaubt ist 3, ist die Abtre­tung nicht des­halb wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz unwirk­sam, weil noch nicht fest­steht, wie sich der Unfall­geg­ner bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein­lässt. Sol­che Umstän­de hat die Beklag­te nicht dar­ge­legt.

Die Ein­zie­hung der For­de­rung ist auch nicht nach § 4 RDG unzu­läs­sig. Nach die­ser Vor­schrift sind Rechts­dienst­leis­tun­gen unzu­läs­sig, wenn sie mit ande­ren Leis­tungs­pflich­ten des Erbrin­gers unver­ein­bar sind. Eine sol­che Unver­ein­bar­keit liegt aller­dings nicht bei jeder Form einer mög­li­cher­wei­se bestehen­den Inter­es­sen­kol­li­si­on vor, son­dern nur dann, wenn die Rechts­dienst­leis­tung unmit­tel­ba­ren Ein­fluss auf die Erfül­lung einer ande­ren Leis­tungs­pflicht haben kann. Zudem muss gera­de hier­durch die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der Rechts­dienst­leis­tungs­pflicht gefähr­det sein 4. Eine sol­che Gefähr­dung besteht bei der hier vor­lie­gen­den Ein­zie­hung einer For­de­rung auf Erstat­tung der Miet­wa­gen­kos­ten nicht. Die maß­geb­li­che Rechts­dienst­leis­tung, näm­lich die Durch­set­zung der For­de­rung gegen­über der Ver­si­che­rung, ent­spricht auch dem Inter­es­se des Geschä­dig­ten 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. März 2013 – VI ZR 245/​11

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, BGHZ 192, 270 Rn. 7 ff.; vom 11.09.2012 – VI ZR 296/​11, VersR 2012, 1451 Rn. 12, – VI ZR 297/​11, VersR 2012, 1409 Rn. 16 und – VI ZR 238/​11, SP 2013, 13; vom 18.12.2012 – VI ZR 316/​11[]
  2. BGH, Urtei­le vom 11.09.2012 – VI ZR 296/​11, aaO Rn. 15, – VI ZR 297/​11, aaO Rn.19 und – VI ZR 238/​11, aaO, S. 14[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO Rn. 8 f.[]
  4. vgl. BR-Drucks. 623/​06, S. 105 = BT-Drucks. 16/​3655, S. 39, 51; H. Dreyer/​T. Mül­ler in Dreyer/​Lamm/​Müller, RDG, 2009, § 4 Rn. 1, 18; Gru­ne­wald in Grunewald/​Römermann, RDG, 2008, § 4 Rn. 2, 17; Krenzler/​Teubel, RDG, 2010, § 4 Rn. 24; Unseld/​Degen, RDG, 2009, § 4 Rn. 1, 9 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO Rn. 15, 17; Otting SVR 2011, 8, 12[]