Der Ver­trag zur Was­ser­ver­sor­gung aus dem Jahr 1930

Lässt ein Was­ser­ver­sor­gungs­ver­trag nicht erken­nen, dass das Was­ser­be­zugs­recht nur dem Ver­trags­part­ner per­sön­lich zugu­te­kom­men soll, hat der neue Eigen­tü­mer des betrof­fe­nen Grund­stücks mit dem Erwerb auch das Recht auf die Was­ser­ver­sor­gung aus dem Was­ser­ve­s­or­gungs­ver­trag erhal­ten. Für eine Kün­di­gung des Ver­tra­ges ist die Mög­lich­keit der Anschlie­ßung des Grund­stücks an die öffent­li­che Was­ser­ver­sor­gung kein aus­rei­chen­der Grund.

Der Ver­trag zur Was­ser­ver­sor­gung aus dem Jahr 1930

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen beklag­ten Papier­her­stel­ler dazu ver­pflich­tet, auf­grund einer Ver­ein­ba­rung aus dem Jahr 1930 wei­ter­hin das Nach­bar­grund­stück mit Was­ser zu belie­fern. Gleich­zei­tig hat es der Kla­ge der Eigen­tü­me­rin des Nach­bar­grund­stücks – ent­ge­gen der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung – statt­ge­ge­ben. Die Klä­ge­rin ist seit 2010 Eigen­tü­me­rin eines Grund­stücks, wel­ches 1930 im Eigen­tum eines Hof­be­sit­zers aus Osna­brück stand. Die Beklag­te betreibt auf dem Nach­bar­grund­stück ein Unter­neh­men zur Her­stel­lung von Spe­zi­al­pa­pie­ren. Die Rechts­vor­gän­ge­rin der Beklag­ten hat­te damals begon­nen in gro­ßem Umfang Grund­was­ser zu ent­neh­men, wodurch die Was­ser­ver­sor­gung über den Haus­brun­nen des Nach­bar­ho­fes erheb­lich beein­träch­tigt wur­de. Zur Bei­le­gung des vor dem Land­ge­richt Osna­brück geführ­ten Rechts­streits schlos­sen der Hof­be­sit­zer und die Fir­ma am 2. Sep­tem­ber 1930 eine Ver­ein­ba­rung. Dar­in ver­pflich­te­te sich die Fir­ma, von ihrem Pump­werk zu dem Hof eine Was­ser­lei­tung anzu­le­gen und das für die Zwe­cke der Haus­hal­tung und Wirt­schaft erfor­der­li­che Was­ser zu lie­fern. Ent­spre­chend die­ser Ver­ein­ba­rung wird das Grund­stück seit­dem lau­fend mit Was­ser ver­sorgt. Im Mai 2013 teil­te die Beklag­te mit, sie wer­de die Was­ser­ver­sor­gung in der Zukunft nicht fort­zu­set­zen und kün­dig­te die Ver­ein­ba­rung zum 31. Dezem­ber 2013. Nach dem Tod des Hof­be­sit­zes war zunächst des­sen Ehe­frau, dann sein Sohn und schließ­lich die Klä­ge­rin Eigen­tü­me­rin des Grund­stücks gewor­den. Sie ver­langt mit der Kla­ge die Fest­stel­lung, dass die Kün­di­gung des Ver­tra­ges unzu­läs­sig und die Fir­ma wei­ter ver­pflich­tet ist, ihr Grund­stück mit Was­ser zu ver­sor­gen. Die Beklag­te hat die Kün­di­gung damit begrün­det, dass die Ver­ein­ba­rung aus dem Jah­re 1930 allein zuguns­ten des dama­li­gen Eigen­tü­mers gegol­ten hat. Im Übri­gen sei es mitt­ler­wei­le ohne gro­ßen Auf­wand mög­lich, das von der Klä­ge­rin erwor­be­ne Grund­stück an die öffent­li­che Was­ser­ver­sor­gung anzu­schlie­ßen. Nach­dem das Land­ge­richt Osna­brück (4 O 1988/​13) die Kla­ge abge­wie­sen hat­te, ver­folgt die Klä­ge­rin ihr Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg aus­ge­führt, dass die Klä­ge­rin das Recht auf die Was­ser­ver­sor­gung aus dem Ver­trag von 1930 mit dem Erwerb des Grund­stücks erhal­ten hat­te. Die Ver­ein­ba­rung las­se nicht erken­nen, dass das Was­ser­be­zugs­recht nur dem dama­li­gen Ver­trags­part­ner per­sön­lich zugu­te­kom­men soll­te. Inso­weit stimm­te die Ent­schei­dung des Land­ge­richts mit der des Ober­lan­des­ge­richts über­ein.

Abwei­chend vom Land­ge­richt sah das Ober­lan­des­ge­richt aber die Mög­lich­keit der Anschlie­ßung des Grund­stücks an die öffent­li­che Was­ser­ver­sor­gung nicht als aus­rei­chen­den Grund für eine Kün­di­gung des Ver­tra­ges an. Hin­ter­grund der Ver­pflich­tung aus 1930 sei erkenn­bar der Umstand gewe­sen, dass dem ursprüng­li­chen Eigen­tü­mer des Grund­stücks infol­ge der erheb­li­chen Was­ser­ent­nah­men durch die Fir­ma der kos­ten­güns­ti­ge Zugang zum Grund­was­ser über eige­ne Brun­nen nicht mehr mög­lich war. Der Ver­ein­ba­rung lagen gut­ach­ter­li­che Fest­stel­lun­gen zugrun­de, wonach die Was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge der Fir­ma das unter­ir­di­sche Was­ser des Nach­bar­grund­stücks ent­zog. Der Grund­was­ser­spie­gel unter dem Grund­stück des dama­li­gen Klä­gers war so tief abge­senkt wor­den, dass die vor­han­de­ne Brun­nen­an­la­ge kein Was­ser mehr zuta­ge brin­gen konn­te. Dass sich an die­sen Umstän­den etwas geän­dert habe, hät­te die Beklag­te im aktu­el­len Pro­zess aber nicht vor­ge­tra­gen, so die Rich­ter. Weder sei durch die Beklag­te nach­ge­wie­sen, dass sich der Grund­was­ser­stand wie­der erhöht habe noch, dass die Was­ser­ent­nah­me mit­tels des Haus­brun­nens der Klä­ge­rin mitt­ler­wei­le wie­der mög­lich wäre. Dass die Klä­ge­rin ihr Grund­stück heu­te ohne den Ein­griff der Beklag­ten nicht mehr mit Grund­was­ser ver­sor­gen könn­te, sei eben­falls nicht erkenn­bar.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 7. August 2014 – 14 U 30/​14