Der vom Abgas­skan­dal betrof­fe­ne VW mit Audi-Motor

Auch wenn in dem vom Abgas­skan­dal betrof­fe­nen VW Fahr­zeug ein von Audi her­ge­stell­ter Die­sel­mo­tor ver­baut wor­den ist, hat VW Scha­dens­er­satz zu leisten.

Der vom Abgas­skan­dal betrof­fe­ne VW mit Audi-Motor

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall Pkw-Eigen­tü­mers ent­schie­den, der einen VW Toua­reg gekauft hat­te. Gleich­zei­tig ist ein kla­ge­ab­wei­sen­des Urteil des Land­ge­richts teil­wei­se auf­ge­ho­ben worden. 

Vor Bekannt­wer­den der mut­maß­li­chen Die­sel­ma­ni­pu­la­tio­nen im Herbst 2015 hat­te der Pkw-Eigen­tü­mer sei­nen VW Toua­reg mit dem Motor des Typs EA 897 erwor­ben. 2019 reich­te er dann Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen VW ein und for­der­te den Kauf­preis zurück. Der Ver­trieb der Fahr­zeu­ge stel­le, so der Klä­ger, ähn­lich wie beim bekann­ten Motor EA 189, eine vor­sätz­li­che sit­ten­wid­ri­ge Schä­di­gung durch VW dar. Sein Fahr­zeug sei von einem amt­li­chen Rück­ruf des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes betrof­fen. Aus­schlag­ge­bend für die Haf­tung von VW sei, dass die Ent­schei­dung für den Ein­satz des mit einer unzu­läs­si­gen Abschalt­ein­rich­tung aus­ge­stat­te­ten Motors vom VW-Kon­zern aus­ge­gan­gen sei.

Gegen den Vor­wurf der sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung ver­tei­dig­te sich VW mit dem Hin­weis, nicht Her­stel­ler und Ent­wick­ler des Motors zu sein. Her­stel­ler sei die Fir­ma Audi. Im VW Toua­reg sei gera­de nicht der bekann­te Motor EA 189 ver­baut. Die Motor­soft­ware sei dem­entspre­chend nicht vergleichbar.

Nach­dem die Kla­ge vor dem Land­ge­richt kei­nen Erfolg hat­te, wur­de das Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter verfolgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg lie­ge eine unzu­läs­si­ge Abschalt­ein­rich­tung vor und das Inver­kehr­brin­gen der hier­mit ver­se­hen­den Fahr­zeu­ge stel­le eine vor­sätz­li­che sit­ten­wid­ri­ge Schä­di­gung dar. Die Pro­gram­mie­rung der Motor­steue­rung des Motors EA 897 sei zwar nicht iden­tisch mit der im Fal­le des Motors EA 189, aber doch so ähn­lich pro­gram­miert, dass sie recht­lich genau­so zu behan­deln sei.

Außer­dem haf­te VW selbst, obwohl Audi den Die­sel­mo­tor samt Soft­ware ent­wi­ckelt und her­ge­stellt habe, denn VW habe in Bezug auf die Ent­wick­lung und Ver­wen­dung des Motors EA 897 und des­sen Soft­ware die grund­le­gen­den stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen mit­ge­trof­fen und die ent­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten Audi abgesegnet.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 16. Okto­ber 2020 – 11 U 2/​20