Die GbR im Grund­buch­recht

Im Anwen­dungs­be­reich des § 20 GBO müs­sen dem Grund­buch Exis­tenz und Iden­ti­tät einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts sowie die Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung der für die Gesell­schaft han­deln­den Per­so­nen in der Form des § 29 GBO nach­ge­wie­sen wer­den 1. Nach­träg­li­che Ver­si­che­run­gen der Betei­lig­ten dar­über, dass die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erst aus Anlass des Kauf­ver­tra­ges gegrün­det wor­den sei, genü­gen zur Erfül­lung der Form nicht.

Die GbR im Grund­buch­recht

Etwas ande­res gilt auch dann nicht, wenn der nota­ri­el­le Kauf­ver­trag nach­träg­lich um eine Klau­sel ergänzt wird, wonach die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erst anläss­lich des Kaufs errich­tet wor­den sei.

Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kann auf­grund ihrer Teil­rechts­fä­hig­keit unter ihrem Namen Grund­ei­gen­tum erwer­ben und als sol­che grund­sätz­lich in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wer­den 2. Dies ergibt sich auch aus den gesetz­li­chen Rege­lun­gen des § 899 a BGB sowie von § 47 Abs. 2 GBO und § 15 GBV, die durch das Gesetz zur Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und der elek­tro­ni­schen Akte im Grund­buch­ver­fah­ren 3 ein­ge­führt bzw. geän­dert wor­den sind.

Wenn eine – nach Dar­stel­lung der Betei­lig­ten – bereits exis­tie­ren­de Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts Grund­ei­gen­tum erwer­ben will, müs­sen die Exis­tenz und Iden­ti­tät sowie die Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung der für sie han­deln­den Per­so­nen in der Form des § 29 Abs. 1 GBO nach­ge­wie­sen wer­den 4.

Umstrit­ten ist aller­dings, wie der Nach­weis die­ser Vor­aus­set­zun­gen gem. § 29 GBO geführt wer­den kann, da der nach § 32 GBO durch einen Han­dels­re­gis­ter­aus­zug zu füh­ren­de Nach­weis für die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts nicht eröff­net ist.

Nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung ist jeden­falls dann, wenn in der nota­ri­el­len Erwerbs­ur­kun­de eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erst gegrün­det und namens die­ser die Auf­las­sung ent­ge­gen genom­men wird, der erfor­der­li­che Nach­weis in der Regel mit Vor­la­ge die­ser Urkun­de erbracht 5.

Ob die Ein­tra­gung der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts in das Grund­buch auch dann erreicht wer­den kann, wenn die­se nicht aus­drück­lich und zeit­gleich in der Kauf­ver­trags­ur­kun­de gegrün­det wird, ist dage­gen in Recht­spre­chung und Schrift­tum umstrit­ten:

Nach einer Auf­fas­sung kann der erfor­der­li­che Nach­weis zum Bestehen der Gesell­schaft und zum aktu­el­len Gesell­schaf­ter­be­stand auch durch einen nota­ri­el­len Kauf­ver­trag als öffent­li­che Urkun­de im Sinn des § 29 Abs. 1 GBO erbracht wer­den, auch wenn die­ser selbst die Ver­ein­ba­rung eines Gesell­schafts­ver­tra­ges nicht ent­hält, aber – auch inzi­den­ter – die bestä­ti­gen­den Erklä­run­gen der Gesell­schaf­ter ent­hält, dass es die genann­te Gesell­schaft des bür­ger­li­chen Rechts tat­säch­lich gibt und dass die­se gegen­wär­tig aus den nament­lich genann­ten Gesell­schaf­tern besteht 6. In ande­rem Zusam­men­hang sei es näm­lich all­ge­mein aner­kannt, das auch in der Form des § 29 Abs. 1 Satz 1 GBO abge­ge­be­ne „Bestä­ti­gungs- oder Geständ­nis­er­klä­run­gen“ zum grund­buch­recht­li­chen Nach­weis aus­rei­chend sein könn­ten. Sei eine Ein­tra­gungs­vor­aus­set­zung – hier die posi­ti­ve Tat­sa­che einer Eini­gung ein­schließ­lich der ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­tre­tung der Gesell­schaft – nach­ge­wie­sen, müs­se dem Grund­buch­amt nicht dar­über hin­aus nach­ge­wie­sen wer­den, dass sich die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht geän­dert hät­ten 7. Bei Feh­len sol­cher Bestä­ti­gungs­er­klä­run­gen im Kauf­ver­trag könn­ten die erfor­der­li­chen Nach­wei­se in Form eines beglau­big­ten Gesell­schafts­ver­tra­ges und eides­statt­li­cher Ver­si­che­run­gen der Gesell­schaf­ter über das unver­än­der­te Fort­be­stehen des Gesell­schaf­ter­be­stan­des und die Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung der Han­deln­den erbracht wer­den 8.

Nach ande­rer Auf­fas­sung 9 genügt die Vor­la­ge des nota­ri­el­len Kauf­ver­tra­ges als Nach­weis nicht, da die im Kauf­ver­trag erfolg­te Bestä­ti­gung der Gesell­schaf­ter allein die behaup­te­te Exis­tenz der gegrün­de­ten Gesell­schaft nicht in grund­buch­mä­ßi­ger Form zu bele­gen ver­mag. Aller­dings kön­ne der Nach­weis, dass die im nota­ri­el­len Kauf­ver­trag bezeich­ne­te Gesell­schaft wei­ter­hin exis­tiert und von den han­deln­den Per­so­nen wirk­sam ver­tre­ten wor­den ist, durch die Vor­la­ge des Gesell­schafts­ver­tra­ges und eides­statt­li­cher Ver­si­che­run­gen der Gesell­schaf­ter erbracht wer­den 10.

Auch das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt wen­det sich dage­gen, die Ein­tra­gung einer erwer­ben­den bereits exis­tie­ren­den Gesell­schaft grund­sätz­lich von der Neu­grün­dung im nota­ri­el­len Erwerbs­ver­trag abhän­gig zu machen 11. Die Vor­la­ge eines nota­ri­el­len Erwerbs­ver­tra­ges mit aus­drück­li­chen Erklä­run­gen der Gesell­schaf­ter der erwer­ben­den Gesell­schaft zu deren Iden­ti­tät und Exis­tenz und Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung neben einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung und der Vor­la­ge des kor­re­spon­die­ren­den Gesell­schafts­ver­tra­ges in öffent­lich beglau­big­ter Form hält es als Nach­weis für aus­rei­chend.

Nach Auf­fas­sung der Ober­lan­des­ge­rich­te Mün­chen 12, Hamm 13, Köln 14 und Bam­berg 15 ist – abge­se­hen von der Neu­grün­dung in der Erwerbs­ur­kun­de – ein Erwerb durch eine bereits exis­tie­ren­de Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts der­zeit nicht mög­lich. Exis­tenz und Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kön­nen nach die­ser Auf­fas­sung ledig­lich durch den Abschluss eines nota­ri­el­len Gesell­schafts­ver­tra­ges in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit dem Grund­stücks­ge­schäft nach­ge­wie­sen wer­den.

Danach kon­kre­ti­sie­re § 29 Abs. 1 GBO das grund­buch­ver­fah­rens­recht­li­che Lega­li­täts­prin­zip. Der Grund­buch­in­halt sol­le nach Mög­lich­keit mit der wirk­li­chen Rechts­la­ge in Ein­klang gehal­ten und die dem Grund­buch­sys­tem imma­nen­te Gefahr eines Rechts­ver­lus­tes des sach­lich Berech­tig­ten durch einen red­li­chen Erwerb sei­tens eines Drit­ten auf­grund des von unrich­ti­gen Grund­buch­ein­trä­gen aus­ge­hen­den Rechts­scheins mini­mie­ren. Es ste­he nicht im Belie­ben des Grund­buch­am­tes, ob die Form­vor­schrift bei Ein­tra­gung ein­ge­hal­ten wer­de oder nicht, viel­mehr habe die­ses stets die Beach­tung der in § 29 GBO ver­lang­ten Förm­lich­kei­ten durch­zu­set­zen. Die tat­säch­li­che Erklä­rung von Betei­lig­ten im Erwerbs­ver­trag stel­le kei­nen aus­rei­chen­den Nach­weis dafür dar, dass eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts mit dem kon­kret bezeich­ne­ten Gesell­schaf­ter­be­stand gegrün­det wor­den sei und in die­ser Form auch gegen­wär­tig noch fort­be­stehe. Die Beweis­kraft der nota­ri­el­len Urkun­de umfas­se näm­lich nicht die inhalt­li­che Rich­tig­keit der Erklä­rung.

Es ste­he auch nicht fest, dass die Bestä­ti­gungs­er­klä­rung tat­säch­lich von den aktu­el­len ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Gesell­schaf­tern stam­me.

Der vom Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Beschluss vom 4. Dezem­ber 2008 16 her­vor­ge­ho­be­ne Grund­satz der die­nen­den Funk­ti­on des Grund­buch­rechts im Ver­hält­nis zum mate­ri­el­len Recht kön­ne nicht gesetz­lich ver­an­ker­te grund­buch­recht­li­che Prin­zi­pi­en außer Kraft set­zen. Von der Form­stren­ge des § 29 GBO gebe es zwar seit jeher aner­kann­te Aus­nah­men, der­ar­ti­ge Fäl­le erleich­ter­ter Beweis­wür­di­gung beträ­fe nur tat­be­stand­lich umris­se­ne, zah­len­mä­ßig ver­hält­nis­mä­ßig sel­te­ne Vor­gän­ge, die bei ver­stän­di­ger Anwen­dung den Zweck des § 29 GBO, die Ein­tra­gung auf siche­re Unter­la­gen zu grün­den, nicht gefähr­de­ten.

Von der Form­stren­ge kön­ne hin­ge­gen für Auf­las­sun­gen an die erst von der Recht­spre­chung als teil­rechts­fä­hig erkann­te Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts als im Rechts­le­ben häu­fig vor­kom­men­de Grund­form per­so­nen­recht­li­cher Zusam­men­schlüs­se nicht abge­se­hen wer­den. Dies gel­te umso mehr, als etwa §§ 32, 33 GBO aus­drück­lich regel­ten, in wel­cher Form ande­re natür­li­che Per­so­nen und Gesell­schaf­ten erleich­ter­te Grund­buch­nach­wei­se erbrin­gen könn­ten und damit der sonst grund­sätz­lich not­wen­di­ge Nach­weis in der Form des § 29 GBO abge­schwächt wer­de. Mit einem an sich zum grund­buch­taug­li­chen Nach­weis geeig­ne­ten Gesell­schafts­ver­trag kön­ne zum spä­te­ren Zeit­punkt der Nach­weis der Ver­tre­tung nicht mehr geführt wer­den, auch wenn kei­ne kon­kre­ten Zwei­fel am Fort­be­stand ersicht­lich sei­en 17. Es las­se sich näm­lich nie aus­schlie­ßen, dass wei­te­re – nicht nur von dem­sel­ben Notar beur­kun­de­te – Ände­run­gen statt­ge­fun­den hät­ten. In die­sem Zusam­men­hang kön­ne es auch kei­ne Rol­le spie­len, dass es sich bei der Erwer­be­rin um eine auf Bestand ange­leg­te Fami­li­en­ge­sell­schaft hand­le. Zwi­schen sol­chen und ihr auf Wech­sel ange­leg­ten Gesell­schaf­ten mit Immo­bi­li­en­be­stand sei nicht zuver­läs­sig abzu­gren­zen, wie es auch kein siche­res Kri­te­ri­um bil­de, ob die Gesell­schaft in ihrer Zusam­men­set­zung fami­li­är oder anonym geprägt sei. Die Lücke im urkund­li­chen Nach­weis kön­ne auch nicht durch eine etwa abzu­ge­ben­de eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Gesell­schaf­ter geschlos­sen wer­den. Die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung sei kei­ne im Grund­buch­ver­fah­rens­recht all­ge­mein zuge­las­se­nes Nach­weis­mit­tel 18. Das erge­be sich aus der in § 29 Abs. 1 GBO aus­ge­spro­che­nen Beweis­mit­tel­be­schrän­kung. Aller­dings sei für eng begrenz­te Aus­nah­me­fäl­le aner­kannt, dass auch im Grund­buch­ein­tra­gungs­ver­fah­ren Lücken des urkund­li­chen Nach­wei­ses durch eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung geschlos­sen wer­den könn­ten. Dabei han­de­le es sich ins­be­son­de­re um den Aus­schluss von Nega­tiv­tat­sa­chen bei der Grund­buch­be­rich­ti­gung auf­grund Erb­fol­ge. Eine Über­tra­gung auf die Ein­tra­gung einer erwer­ben­den bereits exis­tie­ren­den BGB-Gesell­schaft wür­de aber die Tür zu einer Ent­wick­lung öff­nen, die unter dem Gesichts­punkt einer Anwen­dung der Grund­sät­ze für ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te in immer wei­ter­ge­hen­dem Umfang in das Grund­buch­ein­tra­gungs­ver­fah­ren nicht urkund­li­che Beweis­mit­tel ein­füh­ren und damit eine Ero­si­on des bewähr­ten, der Sicher­heit des Grund­buch­ver­kehrs die­nen­den Ver­fah­rens­rech­tes ein­lei­ten wür­de. Das Grund­buch­ver­fah­rens­recht kön­ne trotz sei­ner die­nen­den Funk­ti­on nicht die Lücken fül­len, die der Gesetz­ge­ber offen gelas­sen habe, ohne sei­ne Grund­struk­tu­ren auf­zu­ge­ben.

Auch das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he schließt sich der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung auf­grund ihrer über­zeu­gen­de­ren Argu­men­ta­ti­on an. Die Über­le­gun­gen, den Nach­weis durch eides­statt­li­che Ver­si­che­run­gen und vor dem Notar erklär­te Bestä­ti­gungs­er­klä­run­gen zum Fort­be­stand der Gesell­schaft und der Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung sind rein ergeb­nis­ori­en­tiert von der Ziel­set­zung getra­gen, der teil­rechts­fä­hi­gen bereits exis­tie­ren­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts den unpro­ble­ma­ti­schen Erwerb von Grund­ei­gen­tum zu ermög­li­chen. Dabei wird – wor­auf ins­be­son­de­re das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen zutref­fend hin­ge­wie­sen hat – nach Über­zeu­gung auch des Senats eine Ero­si­on des die Sicher­heit des Grund­buch­ver­kehrs – und damit des mate­ri­el­len Rechts – gewähr­leis­ten­den Ver­fah­rens­rechts ein­ge­lei­tet. Dies hin­zu­neh­men, besteht kei­ne Ver­an­las­sung. Die Aner­ken­nung der Teil­rechts­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gebie­tet es nicht, sie natür­li­chen und juris­ti­schen Per­so­nen und den regis­ter­fä­hi­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft in jeder Hin­sicht gleich­zu­stel­len; es gibt Auf­ga­ben mit Anfor­de­run­gen, denen zwar natür­li­che und juris­ti­sche Per­so­nen und auch regis­ter­fä­hi­ge Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten genü­gen kön­nen, wegen ihrer struk­tu­rel­len Unter­schie­de zu die­sen aber nicht die Gesell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts 19.

Ange­sichts der mit der Auf­ga­be for­mel­ler Anfor­de­run­gen im Grund­buch­rechts­ver­kehr ver­bun­de­nen Gefah­ren muss es der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers vor­be­hal­ten blei­ben, ob er die­se zur Erleich­te­rung des Grund­buch­ver­kehrs mit Gesell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts hin­zu­neh­men bereit ist.

Ein Nach­weis kann hier auch nicht durch die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 899 a BGB auf­grund der bereits ein­ge­tra­ge­nen Erwerbs­vor­mer­kung für die Betei­lig­te Ziff. 2 geführt wer­den. Exis­tenz und Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erge­ben sich näm­lich nicht bereits aus der ein­sei­tig bewil­lig­ten Ein­tra­gung der Eigen­tums­vor­mer­kung. § 899 a BGB erlaubt die Ver­mu­tung nur in Anse­hung des ein­ge­tra­ge­nen Rechts, d.h. für Rechts­hand­lun­gen mit unmit­tel­ba­rem Bezug auf den Ein­tra­gungs­ge­gen­stand, also das jeweils ver­zeich­ne­te Grund­stücks­recht. § 899 a BGB gilt zwar auch für die Vor­mer­kung, jedoch wie­der­um nur in Anse­hung der Vor­mer­kung, um z.B. deren Löschung auf­grund von Bewil­li­gun­gen durch die ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter zu ermög­li­chen 20. Dass der Gesetz­ge­ber mit der Ein­füh­rung des § 899a BGB eine begrenz­te Rege­lung zum Grund­buch­ver­kehr der Gesell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts getrof­fen hat, obwohl ihm zum Zeit­punkt des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Teil­rechts­fä­hig­keit seit län­ge­rem bekannt war, kann eher als Indiz dafür gel­ten, dass eine über den § 899a BGB hin­aus­ge­hen­de Erleich­te­rung des Grund­buch­ver­kehrs mit sol­chen Gesell­schaf­ten unter Ver­zicht auf Form­vor­schrif­ten des for­mel­len Grund­buch­rechts nicht beab­sich­tigt war.

Dass ein Erwerb von Immo­bi­li­en durch bereits exis­tie­ren­de Gesell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts deut­lich erschwert wird, bis es dem Gesetz­ge­ber hier gelun­gen sein wird, Klar­heit zu schaf­fen 21, begeg­net auch gemes­sen an Art. 14 Abs. 1 GG kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Im Hin­blick auf Grund­rechts­po­si­tio­nen der Gesell­schaf­ter der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ist dar­auf zu ver­wei­sen, dass es ihnen frei­steht, nach dem Gesetz zwi­schen zahl­rei­chen Gesell­schafts­for­men aus­zu­wäh­len und ggf. eine auf die Ver­wal­tung eige­nen Ver­mö­gens beschränk­te Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft zu grün­den, die dann die für den Grund­buch­ver­kehr erfor­der­li­che Regis­ter­pu­bli­zi­tät erlan­gen kann. Dar­über hin­aus bie­tet der zuge­ge­be­ner­ma­ßen umständ­li­che Weg über eine Neu­grün­dung im Erwerbs­ver­trag eine wei­te­re Mög­lich­keit, der BGB-Gesell­schaft zum Erwerb von Immo­bi­li­en­ei­gen­tum zu ver­hel­fen 22.

Nichts Ande­res gilt, wenn dar­auf abge­stellt wird, dass einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, da sie nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs rechts­fä­hig ist, wie den Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten das Grund­recht auf Eigen­tum zusteht 23. Nach­dem – wie bereits dar­ge­stellt – der Erwerb von Immo­bi­li­en­ei­gen­tum für eine BGB-Gesell­schaft nicht aus­ge­schlos­sen, son­dern de lege lata nur mit etwas grö­ße­rem Auf­wand ver­bun­den ist als etwa bei Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten, und aus Art. 14 Abs. 1 GG nicht abge­lei­tet wer­den kann, dass jeg­li­cher Form von Gesell­schaft, die das Gesetz zulässt, in glei­cher Form und Leich­tig­keit der Zugang zum Erwerb von Immo­bi­li­en­ei­gen­tum ermög­licht wer­den müss­te, kann eine Grund­ge­setz­wid­rig­keit des der­zei­ti­gen Rechts­zu­stan­des nicht fest­ge­stellt wer­den. Der für die Grund­buch­ein­tra­gung einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts zu betrei­ben­de grö­ße­re Auf­wand ist letzt­lich die Kehr­sei­te des­sen, dass für die Grün­dung einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erheb­lich gerin­ge­rer for­mel­ler Auf­wand betrie­ben wer­den muss als etwa für die Errich­tung einer Per­so­nen­han­dels- oder Kapi­tal­ge­sell­schaft.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschlüs­se vom 8.April 2011 – 11 Wx 127/​10 und 11 Wx 128/​10

  1. Anschluss an OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 09.12.2009 – 2 W 168/​09, FGPrax 2010, 123[]
  2. BGH Urteil vom 25.09.2006 – II ZR 218/​05, NJW 2006, 3716; BGH Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102 ff.[]
  3. ERVGBG vom 11.08.2009 – BGBl. I 2713[]
  4. vgl. OLG Frank­furt, Beschluss vom 17.06.2010 – 20 W 194/​10; OLG Nürn­berg, Beschluss vom 08.04.2010 – 10 W 277/​10, ZIP 2010, 1344 f.; OLG Olden­burg Beschluss vom 09.08.2010 – 12 W 158/​10, ZfIR 2010, 723 f.; OLG Köln, Beschluss vom 29.11.2010 – 2 Wx 26/​10; OLG Köln, Beschluss vom 13.12.2010 – 2 Wx 137/​10, FGPrax 2011, 13 ff.; OLG Saar­brü­cken Beschluss vom 26.02.2010 – 5 W 371/​09, DB 2010, 776 f.; OLG Hamm Beschluss vom 02.11.2010 – 15 W 440/​10, ZIP 2010, 2245 ff.; OLG Bam­berg, Beschluss vom 09.02.2011 – 3 W 176/​10; OLG Mün­chen Beschluss vom 20.07.2010 – 34 Wx 63/​10, ZIP 2010, 1496 ff; OLG Schles­wig Beschluss vom 09.12.2009 – 2 W 168/​09, Not­BZ 2010, 296 f.; Bran­den­bur­gi­sches OLG Beschluss vom 07.10.2010 – 5 Wx 77/​10, Not­BZ 2010, 459; Bött­cher NJW 2011, 825 [833.][]
  5. vgl. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 08.04.2010 – 10 W 277/​10, ZIP 2010,1344 f.; OLG Saar­brü­cken Beschluss vom 26.02.2010 – 5 W 371/​09, DB 2010, 776 f., OLG Hamm Beschluss vom 02.11.2010 – 15 W 440/​10, ZIP 2010, 2245 ff.; OLG Mün­chen – Beschluss vom 20.07.2010 34 Wx 63/​10, ZIP 2010, 1496 ff.; Bött­cher NJW 2011, 825 [833.][]
  6. OLG Saar­brü­cken Beschluss vom 26.02.2010 – 5 W 371/​09, DB 2010, 776 f.[]
  7. vgl. OLG Olden­burg, Beschluss vom 19.07.2010 – 12 W 133/​10, ZIP 2010, 1846 f.[]
  8. vgl. OLG Olden­burg, Beschluss vom 09.08.2010 – 12 W 158/​10, ZfIR 2010, 723 f.[]
  9. OLG Nürn­berg Beschluss vom 08.04.2010 – 10 W 277/​10, ZIP 2010,1344 f.[]
  10. vgl. auch OLG Ros­tock, Beschluss vom 14.09.2010 – 3 W 100/​10, ZIP 2011, 473[]
  11. vgl. OLG Frank­furt, Beschluss vom 17.06.2010 – 20 W 195/​10[]
  12. vgl. OLG Mün­chen, Beschluss vom 20.07.2010 – 34 Wx 63/​10, ZIP 2010, 1496 ff.[]
  13. OLG Hamm, Beschluss vom 02.11.2010 – 15 W 440/​10, ZIP 2010, 2245[]
  14. OLG Köln, Beschluss vom 29.11.2010, 2 Wx 26710[]
  15. OLG Bam­berg, Beschluss vom 09.02.2011 – 3 W 176/​10[]
  16. BGH,Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102 ff.[]
  17. vgl. OLG Mün­chen, Beschluss vom 17.08.2010 – 34 Wx 98/​10, ZfIR 2010, 721 ff.[]
  18. vgl. dazu und zum Fol­gen­den OLG Hamm, Beschluss vom 02.11.2010 – 15 W 440/​10, ZIP 2010, 2245 ff.; OLG Köln, Beschluss vom 13.12.2010 – 2 Wx 137/​10, FGPrax 2011, 13 ff.[]
  19. vgl. BGH, Urteil vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102, Rn 10[]
  20. vgl. OLG Mün­chen, Beschluss vom 20.07.2010 – 34 Wx 63/​10, ZIP 2010, 1496 ff.; OLG Schles­wig, Beschluss vom 09.12.2009 – 2 W 168/​09, Not­BZ 2010, 113 ff.; OLG Köln, Beschluss vom 29.11.2010 – 2 Wx 26/​10[]
  21. vgl. auch Krü­ger NZG 2010, 801[]
  22. vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 02.11.2010 – 15 W 440/​10, ZIP 2010, 2245[]
  23. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 02.09.2002 – 1 BvR 1103/​02, NJW 2002, 3533[]