Die gericht­li­che Zustän­dig­keit einer Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen eine Zeit­schrift

Für die Kla­ge über eine Ver­let­zung von Per­sön­lich­keits­rech­ten durch eine Bericht­erstat­tung in einer im gan­zen Bun­des­ge­biet ver­trie­be­nen Zeit­schrift kann nach § 32 ZPO jedes Gericht zustän­dig sein, in des­sen Bezirk die Hand­lung began­gen wor­den ist. Dies kann zum einen der Ort sein, an dem der Rechts­ver­let­zer gehan­delt hat, und zum ande­ren der Ort, an dem die Rechts­ver­let­zung ein­ge­tre­ten ist. Unter den ver­schie­de­nen ört­lich zustän­di­gen Amts­ge­rich­ten im gan­zen Bun­des­ge­biet hat­te der Klä­ger die Wahl (§ 35 ZPO) und braucht grund­sätz­lich weder den Gerichts­stand aus­zu­wäh­len, an dem gerin­ge­re Kos­ten ent­ste­hen, noch muss er auf die Belan­ge des Beklag­ten Rück­sicht neh­men.

Die gericht­li­che Zustän­dig­keit einer Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen eine Zeit­schrift

So das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Zustän­dig­keits­streit über die Kla­ge eines Mit­glieds der mone­gas­si­schen Fürs­ten­fa­mi­lie wegen behaup­te­ter Ver­let­zung von Per­sön­lich­keits­rech­ten durch die Bild­be­richt­erstat­tung in der bun­des­weit ver­trie­be­nen Zeit­schrift "Die Aktu­el­le" zwi­schen dem Amts­ge­richt Lübeck und dem Amts­ge­richt Ham­burg.

Nach­dem in der Zeit­schrift "Die Aktu­el­le" im April 2013 ein soge­nann­tes Papa­raz­zi-Foto vom Klä­ger erschie­nen war, ließ er über sei­nen Ham­bur­ger Anwalt den Zeit­schrif­ten­ver­lag abmah­nen. Der Ver­lag gab eine Unter­las­sungs­er­klä­rung ab, zahl­te jedoch nur einen Teil der vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Rechts­an­walts­kos­ten. Dar­auf­hin ver­lang­te der Klä­ger vor dem Amts­ge­richt Lübeck von dem in Bay­ern ansäs­si­gen Zeit­schrif­ten­ver­lag Zah­lung der rest­li­chen Anwalts­kos­ten. Das Amts­ge­richt Lübeck erklär­te sich jedoch für unzu­stän­dig und ver­wies das Ver­fah­ren an das Amts­ge­richt Ham­burg mit der Begrün­dung, dass es an einem ört­li­chen Bezug zu Lübeck feh­le und in Ham­burg der Kanz­lei­sitz des klä­ge­ri­schen Anwalts sei. Das Amts­ge­richt Ham­burg sah sich eben­falls als nicht zustän­dig an und leg­te den Zustän­dig­keits­streit dem Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt zur Ent­schei­dung vor.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt aus­ge­führt, dass die Zeit­schrift "Die Aktu­el­le" im gan­zen Bun­des­ge­biet ver­trie­ben wird. Sie wen­det sich nicht nur an einen loka­len oder regio­na­len Markt, son­dern spricht Leser im gan­zen Bun­des­ge­biet an und damit auch im Bezirk des Amts­ge­richts Lübeck. Damit ist dort eine gericht­li­che Zustän­dig­keit als Ort der uner­laub­ten Hand­lung gege­ben (§ 32 ZPO). Dies kann zum einen der Ort sein, an dem der Rechts­ver­let­zer gehan­delt hat, und zum ande­ren – wie hier – der Ort, an dem die Rechts­ver­let­zung ein­ge­tre­ten ist.

Unter den ver­schie­de­nen ört­lich zustän­di­gen Amts­ge­rich­ten im gan­zen Bun­des­ge­biet hat­te der Klä­ger die Wahl (§ 35 ZPO). Grund­sätz­lich ist ein Klä­ger bei der Aus­übung die­ser Wahl frei und braucht weder den Gerichts­stand aus­zu­wäh­len, an dem gerin­ge­re Kos­ten ent­ste­hen, noch muss er auf die Belan­ge des Beklag­ten Rück­sicht neh­men. Indem der Klä­ger das Amts­ge­richt Lübeck – und nicht das Amts­ge­richt Ham­burg – ange­ru­fen hat, han­del­te er auch nicht rechts­miss­bräuch­lich. Dass das Amts­ge­richt Lübeck ver­hält­nis­mä­ßig weit vom Sitz des beklag­ten Ver­la­ges ent­fernt liegt, ist dem nach­voll­zieh­ba­ren Umstand geschul­det, dass der klä­ge­ri­sche Anwalt in Ham­burg ansäs­sig ist und sich offen­sicht­lich für Gerich­te in der Nähe sei­nes Kanz­lei­sit­zes ent­schie­den hat. Aus wel­chem Grund gera­de das Amts­ge­richt Lübeck gewählt wur­de, ist dabei nicht von Bedeu­tung. Es steht dem Klä­ger im Rah­men des flie­gen­den Gerichts­stan­des jeden­falls frei zu tes­ten, wel­ches der Amts­ge­rich­te im Umfeld der Kanz­lei sei­ner Bevoll­mäch­tig­ten etwa beson­ders zeit­nah oder am ehes­ten in sei­nem Sin­ne ent­schei­det.

Der Ver­wei­sungs­be­schluss des Amts­ge­richts Lübeck an das Amts­ge­richt Ham­burg ist nicht bin­dend. Er ent­hält nur eine Kurz­be­grün­dung in Form eines Klam­mer­zu­sat­zes. Es fehlt eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den hier maß­geb­li­chen Fra­gen des Bege­hungs­or­tes der uner­laub­ten Hand­lung und des mög­li­chen Rechts­miss­brauchs. Dazu bestand Anlass, nach­dem bei­de Par­tei­en aus­führ­lich ihre Stand­punk­te dazu dar­ge­legt hat­ten.

Das Amts­ge­richt Lübeck ist zur Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Scha­dens­er­satz­kla­ge wegen Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts zustän­dig.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 21. Janu­ar 2014 – 2 AR 4/​14