Die Zulas­sung der Revi­si­on – und ihre Beschränkung

Hat das Beru­fungs­ge­richt eine Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung nicht im Tenor sei­nes Urteils aus­ge­spro­chen, kann sich eine sol­che auch aus den Urteils­grün­den ergeben.

Die Zulas­sung der Revi­si­on – und ihre Beschränkung

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass die Ent­schei­dungs­for­mel im Lich­te der Urteils­grün­de aus­zu­le­gen und des­halb von einer beschränk­ten Revi­si­ons­zu­las­sung aus­zu­ge­hen ist, wenn sich dies aus den Grün­den des Urteils klar ergibt.

Das ist regel­mä­ßig dann anzu­neh­men, wenn sich die vom Beru­fungs­ge­richt als zulas­sungs­re­le­vant ange­se­he­ne Fra­ge nur für einen ein­deu­tig abgrenz­ba­ren selb­stän­di­gen Teil des Streit­stoffs stellt, der Gegen­stand eines Teil­ur­teils oder eines ein­ge­schränkt ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels sein kann1.

Eine sol­che Beschrän­kung der Zulas­sung ist auch wirk­sam. Zwar ist eine Beschrän­kung der Revi­si­on auf ein­zel­ne Rechts­fra­gen oder Anspruchs­ele­men­te unzu­läs­sig. Aner­kann­ter­ma­ßen hat das Beru­fungs­ge­richt jedoch die Mög­lich­keit, die Revi­si­on nur hin­sicht­lich eines tat­säch­lich und recht­lich selb­stän­di­gen und abtrenn­ba­ren Teils des Gesamt­streit­stoffs zuzu­las­sen, auf den auch die Par­tei selbst die Revi­si­on beschrän­ken könn­te2.

Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt, denn bei den Anfor­de­run­gen an das Bestehen eines Nach­lie­fe­rungs­an­spruchs nach § 439 Abs. 1 Alt. 2 BGB und eines damit dem Grun­de nach ein­her­ge­hen­den Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruchs nach § 439 Abs. 2 BGB han­delt es sich um einen selb­stän­di­gen Teil des Streit­stoffs in dem Sin­ne, dass die­ser in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht unab­hän­gig von dem übri­gen Streit­stoff, näm­lich der Höhe der ersatz­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen, beur­teilt wer­den und auch im Fal­le einer Zurück­ver­wei­sung ein Wider­spruch zum nicht anfecht­ba­ren Teil des Streit­stoffs nicht auf­tre­ten kann3.

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Zwangsversteigerung einer Eigentumswohnung - Streitwert und Beschwer

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2021 – VIII ZR 118/​20

  1. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 05.12.2018 – VIII ZR 67/​18 17; vom 11.12.2019 – VIII ZR 361/​18, BGHZ 224, 195 Rn. 24; vom 29.04.2020 – VIII ZR 355/​18, NJW 2020, 1947 Rn. 15, jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 15.03.2017 – VIII ZR 295/​15, NJW 2017, 2679 Rn. 13; vom 10.11.2017 – V ZR 184/​16, NJW 2018, 1309 Rn. 6; vom 29.04.2020 – VIII ZR 355/​18, aaO Rn. 16; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 16.01.2019 – VIII ZR 173/​17, NJW-RR 2019, 787 Rn. 11; vom 11.12.2019 – VIII ZR 361/​18, aaO[]