Doch kei­ne Prä­k­lu­si­on im ers­ten Ter­min

Jede Par­tei hat gemäß § 282 Abs. 1 ZPO in der münd­li­chen Ver­hand­lung ihre Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel, ins­be­son­de­re Behaup­tun­gen, Bestrei­ten, Ein­wen­dun­gen, Ein­re­den, Beweis­mit­tel und Beweis­ein­re­den, so zei­tig vor­zu­brin­gen, wie es nach der Pro­zess­la­ge einer sorg­fäl­ti­gen und auf För­de­rung des Ver­fah­rens bedach­ten Pro­zess­füh­rung ent­spricht. Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel, die ent­ge­gen § 282 Abs. 1 ZPO nicht recht­zei­tig vor­ge­bracht wer­den, kön­nen gemäß § 296 Abs. 2 ZPO zurück­ge­wie­sen wer­den, wenn ihre Zulas­sung nach der frei­en Über­zeu­gung des Gerichts die Erle­di­gung des Rechts­streits ver­zö­gern wür­de und die Ver­spä­tung auf gro­ber Nach­läs­sig­keit beruht.

Doch kei­ne Prä­k­lu­si­on im ers­ten Ter­min

Die­se gesetz­li­che Prä­k­lu­si­ons­vor­schrift unter­liegt aber einer wich­ti­gen Ein­schrän­kung, wie der Bun­des­ge­richts­hof in einer aktu­el­len Ent­schei­dung noch­mals betont:

Ein Vor­brin­gen im ers­ten Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung unter­liegt nicht der Zurück­wei­sung nach den Prä­k­lu­si­ons-Vor­schrif­ten der §§ 296 Abs. 2, 282 Abs. 1 ZPO [1].

Aber Ach­tung: Die­se Recht­spre­chung schützt nicht gegen Frist­ver­säum­nis­se, bei denen sich die Prä­k­lu­si­on nach § 296 Abs. 1 ZPO rich­tet, nicht nach dem – laut BGH im ers­ten Ter­min aus­ge­schlos­se­nen – § 296 Abs. 2 ZPO.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. März 2009 – V ZR 30/​08

  1. BGH, Urteil vom 1. April 1992, VIII ZR 86/​91, NJW 1992, 1965; Urt. v. 4. Mai 2005, XII ZR 23/​03, NJW-RR 2005, 1007[]