Ein Ten­nis­ball zuviel auf dem Spiel­feld

Im Rah­men sei­ner Schutz- und Für­sor­ge­pflich­ten hat ein Ten­nis­trai­ner dafür Sor­ge zu tra­gen, dass sich beim Ball­wech­sel kei­ne Ten­nis­bäl­le im Bewe­gungs­ra­di­us des Ten­nis­schü­lers befin­den. Dies ist auch im Hin­blick auf die erfor­der­li­che Sicher­heit für den Trai­nings­all­tag im Ten­nis zumut­bar.

Ein Ten­nis­ball zuviel auf dem Spiel­feld

Mit die­ser Begrün­dung hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Ten­nis­leh­rer für die Ver­let­zung sei­nes Schü­lers nach einem Sturz zur Zah­lung von 4.669,33 Euro ver­ur­teilt und damit die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Bre­men abge­än­dert. Der kla­gen­de, zum Zeit­punkt des Unfalls 42-jäh­ri­ge Ten­nis­schü­ler war Anfän­ger und nahm beim Beklag­ten Ten­nis­un­ter­richt. In der 4. oder 5. Trai­nings­stun­de spiel­ten die Par­tei­en zunächst eini­ge Zeit lan­ge Bäl­le. Der Klä­ger soll­te dann kur­ze Bäl­le anneh­men. Als ein Ball nicht ganz gera­de kam, muss­te der Klä­ger eini­ge Schrit­te rück­wärts lau­fen, um den Ball zu bekom­men. Er trat auf einen auf dem Spiel­feld lie­gen­den Ball und stürz­te. Bei dem Sturz erlitt der Klä­ger eine Patel­lar­seh­nen­rup­tur im rech­ten Knie, die eine ope­ra­ti­ve Behand­lung erfor­der­lich mach­te. Der Klä­ger ver­klag­te den Beklag­ten vor dem Land­ge­richt Bre­men auf Zah­lung von 4.500,00 Euro Schmer­zens­geld und 254,00 Euro mate­ri­el­len Scha­dens­er­satz (Attest­kos­ten, Rei­se­stor­no­kos­ten etc.). Das Land­ge­richt Bre­men hat die Kla­ge [1] mit der Begrün­dung abge­wie­sen, dass ein Ten­nis­spie­ler beim Trai­ning nicht erwar­ten kön­ne, vor jedem Risi­ko geschützt zu wer­den. Eine Pflicht des Trai­ners, das Spiel­feld von Bäl­len frei­zu­hal­ten, sei auch mit dem Trai­nings­all­tag nicht zu ver­ein­ba­ren. Ein nor­ma­ler Trai­nings­ab­lauf wäre dann nicht mehr mög­lich. Dage­gen hat der Klä­ger Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung ist das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men nach Ein­ho­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten (unter ande­rem eines Bun­des­trai­ners beim Deut­schen Ten­nis­bund) zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass der Ten­nis­trai­ner im Rah­men sei­ner Schutz- und Für­sor­ge­pflich­ten dafür Sor­ge zu tra­gen hat, dass sich beim Ball­wech­sel kei­ne Ten­nis­bäl­le im Bewe­gungs­ra­di­us des Ten­nis­schü­lers befin­den. Danach war der Beklag­te ver­pflich­tet, bei Übun­gen am Netz sicher zu stel­len, dass sich kei­ne Bäl­le im Spiel­feld neben oder hin­ter dem Klä­ger befin­den. Er hät­te jeden­falls den Klä­ger anwei­sen müs­sen, den Ball aus dem Spiel­feld zu ent­fer­nen. Dies ist im Hin­blick auf die erfor­der­li­che Sicher­heit auch für den Trai­nings­all­tag im Ten­nis als zumut­bar anzu­se­hen. Es ist nicht ersicht­lich, dass damit der Trai­nings­ab­lauf in unan­ge­mes­se­ner Wei­se gestört wird.

Das Gericht hat aber ein Mit­ver­schul­den des Klä­gers von einem Drit­tel ange­nom­men. Das führ­te indes­sen zu kei­ner Kür­zung des begehr­ten Schmer­zens­gel­des, weil das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men den gefor­der­ten Betrag ange­sichts des erlit­te­nen gesund­heit­li­chen Dau­er­scha­dens auch unter Berück­sich­ti­gung eines Mit­ver­schul­dens noch für ange­mes­sen hielt.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Urteil vom 13. März 2013 – 1 U 13/​12

  1. LG Bre­men, Urteil vom 01.02.2012 – 8 O 1806/​11[]