Erle­di­gungs­er­klä­rung nicht aller Streit­ge­nos­sen

Die Haupt­sa­che muss nicht von allen Klä­gern für erle­digt erklärt wer­den, auch ein­zel­ne Klä­ger kön­ne die Erle­di­gungs­er­klä­rung abge­ben. In einer aus pro­zes­sua­len Grün­den not­wen­di­gen Streit­ge­nos­sen­schaft kann jeder Klä­ger unab­hän­gig von den ande­ren Streit­ge­nos­sen sei­ne Kla­ge für erle­digt erklä­ren.

Erle­di­gungs­er­klä­rung nicht aller Streit­ge­nos­sen

Dies ent­schied der Bun­des­ge­richs­hof hier im Rah­men einer akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­kla­ge. Die Klä­ger waren, soweit sie sich jeweils gegen den­sel­ben Haupt­ver­samm­lungs­be­schluss wand­ten, not­wen­di­ge Streit­ge­nos­sen. Die­je­ni­gen Klä­ger, die Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen gegen den­sel­ben Beschluss der Haupt­ver­samm­lung einer Akti­en­ge­sell­schaft erhe­ben, sind not­wen­di­ge Streit­ge­nos­sen aus pro­zes­sua­len Grün­den, § 62 Abs. 1 Fall 1 ZPO. Bei der Streit­ge­nos­sen­schaft aus pro­zes­sua­len Grün­den kann jeder Streit­ge­nos­se unab­hän­gig von den ande­ren die Haupt­sa­che für erle­digt erklä­ren 1.

Anders als bei der Streit­ge­nos­sen­schaft aus mate­ri­el­len Grün­den besteht kein Zwang zu einer gemein­sa­men Rechts­ver­fol­gung durch alle not­wen­di­gen Streit­ge­nos­sen. Die Gefahr wider­sprüch­li­cher Sach­ent­schei­dun­gen besteht nicht, wenn ein Teil der Klä­ger die Kla­ge zurück­nimmt oder die Haupt­sa­che für erle­digt erklärt, wäh­rend der ande­re Teil wei­ter die Nich­tig­erklä­rung oder die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit der Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüs­se begehrt. Ver­fah­rens­recht­lich bleibt der für erle­digt erklär­te Anspruch zwar die Haupt­sa­che. Kla­ge­ziel und Gegen­stand der Ent­schei­dung ist aber nach einer Erle­di­gungs­er­klä­rung nur noch die Fest­stel­lung der Erle­di­gung. Die Wir­kung der Nich­tig­erklä­rung oder die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit für und gegen alle Betei­lig­te (§ 248 Abs. 1 Satz 1, § 249 Abs. 1 Satz 1 AktG) steht der Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Kla­ge oder der Abwei­sung des dar­auf gerich­te­ten Antrags nicht ent­ge­gen. Über ein gemein­sa­mes strei­ti­ges Rechts­ver­hält­nis wird nicht mehr ent­schie­den 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Febru­ar 2011 – II ZR 206/​08

  1. vgl. Zöller/​Vollkommer, ZPO, 28. Aufl., § 62 Rn. 25 und § 91a Rn. 58 Stich­wort "Streit­ge­nos­sen­schaft"; Thomas/​Putzo/​Hüßtege, ZPO, 31. Aufl., § 62 Rn. 17; MünchKommZPO/​Schul­tes, 3. Aufl., § 62 Rn. 49; Zim­mer­mann, ZPO, 8. Aufl., § 62 Rn. 10; aA ohne Unter­schei­dung zwi­schen den ver­schie­de­nen For­men der not­wen­di­gen Streit­ge­nos­sen­schaft Baumbach/​Hartmann, ZPO, 69. Aufl., § 62 Rn. 20; Musielak/​Wolst, ZPO, 7. Aufl., § 91a Rn. 60[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.02.2009 – II ZR 185/​07, BGHZ 180, 9 Rn. 55 – Kirch/​Deutsche Bank[]