Fris­ten­kon­trol­le und Akten­vor­la­ge

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass ein Rechts­an­walt den Ablauf der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist eigen­ver­ant­wort­lich zu prü­fen hat, wenn ihm die Hand­ak­ten kurz vor Frist­ab­lauf zur Anfer­ti­gung die­ses bestim­men­den Schrift­sat­zes vor­ge­legt wer­den 1. Der Rechts­an­walt darf sich dabei nicht dar­auf beschrän­ken, die Frist der Hand­ak­te zu ent­neh­men.

Fris­ten­kon­trol­le und Akten­vor­la­ge

Die Hand­ak­te muss auch erken­nen las­sen, dass die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist zur Gegen­kon­trol­le im Fris­ten­ka­len­der ein­ge­tra­gen wor­den ist. Dem hat der Rechts­an­walt eigen­ver­ant­wort­lich nach­zu­ge­hen, wobei er sich im Regel­fall dar­auf beschrän­ken kann, die Voll­stän­dig­keit der Hand­ak­ten­ver­mer­ke fest­zu­stel­len 2.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist schon nicht glaub­haft gemacht wor­den, dass die zur Bear­bei­tung vor­ge­leg­te Hand­ak­te einen Ver­merk über die Ein­tra­gung der dort rich­tig notier­ten Beru­fungs­be­grün­dungs­frist im Fris­ten­ka­len­der ent­hielt. War die­ser Ver­merk unter­blie­ben, muss­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te per­sön­lich die Ein­tra­gung der Frist im Fris­ten­ka­len­der über­prü­fen, um sicher zu gehen, dass der am sel­ben Tag dro­hen­de Frist­ab­lauf für den Schrift­satz nicht bei abend­li­cher Kon­trol­le des Kalen­ders über­se­hen wur­de 3 und der Schrift­satz infol­ge­des­sen bis zum nächs­ten Tag lie­gen blieb.

So will der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beklag­ten nach sei­ner ergän­zen­den Stel­lung­nah­me vom 24.03.2010 auch ver­fah­ren sein. Uner­klär­lich ist aber dann, wie­so ihm trotz vor­he­ri­ger Unter­zeich­nung der Beru­fungs­be­grün­dung und Vor­la­ge der Hand­ak­te mit der rich­tig berech­ne­ten Begrün­dungs­frist die im Kalen­der am rich­ti­gen Tag feh­len­de Notie­rung ent­gan­gen ist und er kei­ne Rich­tig­stel­lung ver­an­lasst hat. Zusätz­lich hät­te er die unmiss­ver­ständ­li­che Wei­sung ertei­len müs­sen, den Schrift­satz noch heu­te in den Gerichts­brief­kas­ten ein­zu­wer­fen, weil die ursprüng­li­che Frist­no­tie­rung im Kalen­der nicht stim­me. Eine sol­che – recht­lich gebo­te­ne – Vor­ge­hens­wei­se hat das Beru­fungs­ge­richt für nicht glaub­haft gemacht erach­tet. Dar­an ist das Rechts­be­schwer­de­ge­richt gebun­den. Die behaup­te­te Ein­zel­wei­sung wür­de sich tat­säch­lich auch nicht mit dem vor­ge­tra­ge­nen Gesche­hen des nächs­ten Tages in Ein­klang brin­gen las­sen, auf das es ansons­ten nicht mehr ankommt. So gese­hen hat das Beru­fungs­ge­richt mit Recht ein per­sön­li­ches Ver­schul­den ihres Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bejaht, wel­ches sich die Beklag­te nach § 85 Abs. 2 ZPO zurech­nen las­sen muss und die Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Not­frist hin­dert.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2012 – IX ZB 124/​10

  1. BGH, Beschluss vom 06.02.2007 – VI ZB 41/​06, NJW 2007, 1599 Rn. 6; vom 03.05.2011 – VI ZB 4/​11, Rn. 6 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.01.2008 – VI ZB 46/​07, NJW 2008, 1670 Rn. 6; vom 26.01.2009 – II ZB 6/​08, NJW 2009, 1083 Rn. 11; vom 08.02.2010 – II ZB 10/​09, MDR 2010, 533 f; vom 22.09.2011 – III ZB 25/​11 Rn. 8[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.2007 – VI ZB 5/​06, NJW 2007, 1597 Rn. 12[]