Hin­weis­pflicht und fair play

Wird ein nach § 139 ZPO not­wen­di­ger Hin­weis erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung erteilt und kann nach den kon­kre­ten Umstän­den eine sofor­ti­ge Stel­lung­nah­me der Par­tei nicht erwar­tet wer­den, muss die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­eröff­net wer­den, wenn die Par­tei in einem nicht nach­ge­las­se­nen Schrift­satz auf den Hin­weis hin Erheb­li­ches vor­trägt.

Hin­weis­pflicht und fair play

Das Gericht, so ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof in einem aktu­el­len Beschluss, hat, indem es die münd­li­che Ver­hand­lung trotz des erst in die­ser Ver­hand­lung erteil­ten recht­li­chen Hin­wei­ses geschlos­sen und den Vor­trag des Klä­gers aus dem nicht nach­ge­las­se­nen Schrift­satz bei der Ent­schei­dung nicht berück­sich­tigt hat, den Anspruch des Klä­gers auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 GG) in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­letzt.

In dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg den Hin­weis auf die beab­sich­tig­te Aus­le­gung des Kla­ge­vor­trags erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung erteilt. Das war nach § 139 Abs. 4 ZPO zu spät und hat­te zur Fol­ge, dass die münd­li­che Ver­hand­lung nicht sogleich geschlos­sen wer­den durf­te 1. Jeden­falls muss­te das Beru­fungs­ge­richt nach § 156 Abs. 2 Nr. 1 ZPO die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­eröff­nen, als der Klä­ger in sei­nem nicht nach­ge­las­se­nen Schrift­satz vor­ge­tra­gen hat, dass er die Haf­tung auch aus einer ande­ren Anspruchs­grund­la­ge gel­tend mache und wel­che Ein­zel­for­de­run­gen er inso­weit ein­kla­ge.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Mai 2009 – II ZR 99/​08

  1. BGH, Beschluss vom 18. Sep­tem­ber 2006 – II ZR 10/​05, WM 2006, 2328[]