Hohe Han­dy­kos­ten bei Pre­paid-Ver­trag

Warnt eine Tele­fon­ge­sell­schaft bei einem Pre­paid-Ver­trag mit auto­ma­ti­scher Auf­la­dung nicht vor dem beson­de­ren Kos­ten­ri­si­ko, liegt ein Ver­stoß gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben242 BGB) vor, der zu einem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Kun­den füh­ren kann.

Hohe Han­dy­kos­ten bei Pre­paid-Ver­trag

So die Ent­schei­dung des Kam­mer­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Kun­den, der Tele­fon­ge­büh­ren von ins­ge­samt 14.698,00 € zu zah­len hat. Der Kun­de hat­te bei Ver­trags­schluss über das Inter­net einen Pre­paid-Tarif mit der Opti­on „Web­shop-Wie­der­auf­la­dung 10“ gewählt. Die­se Wahl führ­te dazu, dass dem Kun­den auf dem ver­meint­li­chen Pre­paid-Kon­to nach Ver­brauch des vor­aus­be­zahl­ten Betra­ges auto­ma­tisch immer wie­der neu 10,00 EUR „gut­ge­schrie­ben“ wur­den, er also sozu­sa­gen auf Kre­dit tele­fo­nier­te. Die Kla­ge des Mobil­funk­an­bie­ters auf Zah­lung der Tele­fon­ge­büh­ren ist vom Land­ge­richt Ber­lin [1] abge­wie­sen wor­den. Vor dem Kam­mer­ge­richt ver­folgt der Anbie­ter sein Ziel wei­ter.

Nach Auf­fas­sung des Kam­mer­ge­richts in Ber­lin ist die Kla­ge unab­hän­gig davon, ob durch die Nut­zung einer Daten­ver­bin­dung tat­säch­lich Tele­fon­kos­ten in Höhe der Kla­ge­for­de­rung ent­stan­den sind, unbe­grün­det. In die­sem Fall muss sich die Tele­fon­ge­sell­schaft einen Scha­dens­er­satz­an­spruch des Kun­den in glei­cher Höhe ent­ge­gen­hal­ten las­sen, weil sie unter Ver­stoß gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) nicht vor die­sem beson­de­ren Kos­ten­ri­si­ko gewarnt hat. Dar­über hin­aus ist der Kun­de nicht dar­über infor­miert wor­den, dass er kei­nes­wegs stets vor einer neu­en Auf­la­dung durch einen SMS- und E‑Mail-Hin­weis gewarnt wird, also kei­nes­wegs eine vol­le Kos­ten­kon­trol­le hat.

Kam­mer­ge­richt, Urteil vom 28. Juni 2012 – 22 U 207/​11

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 18.07.2011 – 38 O 350/​10[]