Kei­ne Prä­k­lu­si­on im ers­ten Ver­hand­lungs­ter­min

§ 282 Abs. 1 ZPO ist nur dann ein­schlä­gig, wenn inner­halb einer Instanz meh­re­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne statt­fin­den; ein Vor­brin­gen im ers­ten Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung kann nie­mals nach § 282 Abs. 1 ZPO ver­spä­tet sein 1.

Kei­ne Prä­k­lu­si­on im ers­ten Ver­hand­lungs­ter­min

§ 282 Abs. 1 ZPO betrifft allein Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel, die in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­bracht wer­den. Die Vor­schrift ist nur dann ein­schlä­gig, wenn inner­halb einer Instanz meh­re­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne statt­fin­den; ein Vor­brin­gen im ers­ten Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung kann nie­mals nach § 282 Abs. 1 ZPO ver­spä­tet sein 2. § 282 Abs. 1 ZPO ist hier­nach im Streit­fall offen­kun­dig nicht anwend­bar. Zwar war hier dem Ver­hand­lungs­ter­min vom 22.01.2010 bereits ein Ter­min vor dem Land­ge­richt vor­aus­ge­gan­gen, der am 24.07.2009 statt­fand. In die­sem Ter­min ist jedoch wegen des noch aus­ste­hen­den Ergän­zungs­gut­ach­tens im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren auf über­ein­stim­men­den Antrag der Par­tei­en das Ruhen des Ver­fah­rens ange­ord­net wor­den. Die ers­te münd­li­che Ver­hand­lung ers­ter Instanz, in der die Ladung des Sach­ver­stän­di­gen zur münd­li­chen Erläu­te­rung sei­nes Ergän­zungs­gut­ach­tens bean­tragt wer­den konn­te, war somit die münd­li­che Ver­hand­lung vom 22.01.2010. Der dort gestell­te Antrag kann daher nicht nach § 282 Abs. 1 ZPO ver­spä­tet sein.

Der Umstand, dass der Klä­ge­rin im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren eine Frist zur Stel­lung­nah­me zu dem Ergän­zungs­gut­ach­ten gesetzt wor­den war, ver­mag an die­sem Ergeb­nis nichts zu ändern. Frist­wid­rig ver­spä­te­tes Vor­brin­gen ist nicht Rege­lungs­ge­gen­stand des vom Beru­fungs­ge­richt ange­wen­de­ten Absat­zes 1 des § 282 ZPO. Davon abge­se­hen sind auch die Prä­k­lu­si­ons­vor­aus­set­zun­gen der zwei­ten Alter­na­ti­ve des § 296 Abs. 2 ZPO (in Ver­bin­dung mit § 282 Abs. 2 ZPO) offen­kun­dig nicht erfüllt. Die in § 282 Abs. 2 nor­mier­te Pro­zess­för­de­rungs­pflicht betrifft nur sol­che Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel, auf die der Geg­ner vor­aus­sicht­lich ohne vor­he­ri­ge Erkun­di­gung kei­ne Erklä­rung abge­ben kann; das ist bei dem Antrag, den Sach­ver­stän­di­gen zur münd­li­chen Erläu­te­rung sei­nes Gut­ach­tens zu laden, nicht der Fall.

Ob der Antrag nach § 296 Abs. 1 ZPO hät­te zurück­ge­wie­sen wer­den dür­fen, ist in den Rechts­mit­tel­in­stan­zen nicht zu prü­fen 3.

Bleibt wie im vor­lie­gen­den Fall ein Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel einer Par­tei des­we­gen unbe­rück­sich­tigt, weil der Tatrich­ter es in offen­kun­dig feh­ler­haf­ter Anwen­dung der Prä­k­lu­si­ons­nor­men zu Unrecht zurück­ge­wie­sen hat, so ist zugleich das recht­li­che Gehör der Par­tei ver­letzt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Juli 2012 – VIII ZR 273/​11

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 04.05.2005 – XII ZR 23/​03, NJW-RR 2005, 1007[]
  2. BGH, Urteil vom 04.05.2005 – XII ZR 23/​03, NJW-RR 2005, 1007 unter 2 b aa; Münch­Komm-ZPO/Prüt­ting, 3. Aufl., § 282 Rn. 8; jeweils mwN[]
  3. BGH, Urtei­le vom 04.05.2005 – XII ZR 23/​03, aaO unter 2 b bb; vom 22.02.2006 – IV ZR 56/​05, BGHZ 166, 227 Rn. 12 ff.; jeweils mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 03.11.2008 – II ZR 236/​07, NJW-RR 2009, 332 Rn. 8; Urteil vom 27.01.2010 – XII ZR 148/​07, NJW-RR 2010, 1508 Rn.20[]