Kon­klu­den­te Abnah­me durch Zah­lung

Einer Zah­lung wohnt in der Regel nur dann eine still­schwei­gen­de Abnah­me­er­klä­rung inne, wenn der Bestel­ler zuvor die Gele­gen­heit hat­te, das Werk auf sei­ne voll­stän­di­ge und ver­trags­ge­rech­te Her­stel­lung zu unter­su­chen. Ohne die Mög­lich­keit einer Prü­fung des Werks durch den Bestel­ler kann der Auf­trag­neh­mer red­li­cher­wei­se nicht erwar­ten, dass sein Werk mit der Zah­lung abge­nom­men sein soll [1].

Kon­klu­den­te Abnah­me durch Zah­lung

Eine Abnah­me kann nicht nur aus­drück­lich, son­dern auch kon­klu­dent, d.h. durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, erklärt wer­den. Kon­klu­dent han­delt der Auf­trag­ge­ber, wenn er dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ohne aus­drück­li­che Erklä­rung erken­nen lässt, dass er des­sen Werk als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­mäß bil­ligt. Erfor­der­lich ist ein tat­säch­li­ches Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, das geeig­net ist, sei­nen Abnah­me­wil­len dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ein­deu­tig und schlüs­sig zum Aus­druck zu brin­gen. Ob eine kon­klu­den­te Abnah­me vor­liegt, beur­teilt sich grund­sätz­lich nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les [2]. Bei einem Bau­werk liegt eine kon­klu­den­te Abnah­me vor, wenn der Bestel­ler die­ses ent­ge­gen­nimmt und dem Unter­neh­mer gegen­über zu erken­nen gibt, er wol­le die Leis­tung als in der Haupt­sa­che dem Ver­trag ent­spre­chend bil­li­gen. Eine kon­klu­den­te Abnah­me wird im Regel­fall aller­dings erst nach einer ange­mes­se­nen Prü­fungs­frist ange­nom­men wer­den kön­nen, vor deren Ablauf eine Bil­li­gung des Werks red­li­cher­wei­se nicht erwar­tet wer­den kann [3].

Einer Zah­lung wird nur dann eine still­schwei­gen­de Abnah­me­er­klä­rung inne­woh­nen kön­nen, wenn der Bestel­ler zuvor die Gele­gen­heit hat­te, das Werk auf sei­ne voll­stän­di­ge und ver­trags­ge­rech­te Her­stel­lung zu unter­su­chen. Ohne eine Prü­fung des Werks durch den Bestel­ler kann der Auf­trag­neh­mer red­li­cher­wei­se nicht erwar­ten, dass sein Werk mit der Zah­lung abge­nom­men sein soll.

Einer kon­klu­den­ten Abnah­me durch die Scheck­über­ga­be steht hier schon ent­ge­gen, dass der Scheck wäh­rend der Aus­füh­rungs­ar­bei­ten und damit vor Fer­tig­stel­lung über­ge­ben wur­de. Es ist nicht fest­zu­stel­len, dass dabei eine Bege­hung der Anla­ge im Hin­blick auf ihre Abnah­me­fä­hig­keit statt­ge­fun­den hät­te.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 15. Novem­ber 2011 – 10 U 66/​10

  1. Abgren­zung zu OLG Stutt­gart, Urteil vom 21.04.2009 – 10 U 9/​09, juris RN 83 ff.[]
  2. BGH BauR 2010, 795[]
  3. vgl. BGH a.a.O. []