Mate­ri­ell-recht­li­che Ein­wen­dun­gen im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fa­hen

Mate­ri­ell­recht­li­che Ein­wen­dun­gen gegen den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch kön­nen nur dann im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren berück­sich­tigt wer­den, wenn die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen fest­ste­hen, weil sie unstrei­tig sind oder vom Rechts­pfle­ger im Fest­set­zungs­ver­fah­ren ohne Schwie­rig­kei­ten aus den Akten ermit­telt wer­den kön­nen 1.

Mate­ri­ell-recht­li­che Ein­wen­dun­gen im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fa­hen

Mate­ri­ell­recht­li­che Ein­wen­dun­gen – wie etwa eine Auf­rech­nung – sind außer­halb des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens gel­tend zu machen. Denn die­ses Ver­fah­ren, das mit dem Erlass eines Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses endet, ist eine Umset­zung der zwi­schen den Par­tei­en ergan­ge­nen Kos­ten­grund­ent­schei­dung; es hat allein die Fra­ge zum Gegen­stand, wel­cher Betrag nach der Kos­ten­grund­ent­schei­dung zu erstat­ten ist. Des­halb ist das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren auf eine for­ma­le Prü­fung der Kos­ten­tat­be­stän­de und auf die Klä­rung ein­fa­cher Fra­gen des Kos­ten­rechts zuge­schnit­ten und aus die­sem Grund auf den Rechts­pfle­ger über­tra­gen. Die Klä­rung von zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Tat­sa­chen und von kom­pli­zier­te­ren Rechts­fra­gen ist in die­sem Ver­fah­ren nicht vor­ge­se­hen und man­gels der dafür not­wen­di­gen ver­fah­rens­recht­li­chen Instru­men­te auch nicht sinn­voll mög­lich 2. Mate­ri­ell­recht­li­che Ein­wen­dun­gen gegen den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch sind daher grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen; viel­mehr sind die­se vor­ran­gig mit der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gel­tend zu machen 3.

Aller­dings kann es aus ver­fah­rens­öko­no­mi­schen Grün­den ange­zeigt sein, den Kos­ten­er­stat­tungs­schuld­ner nicht auf die einen ungleich höhe­ren Auf­wand erfor­dern­de Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge zu ver­wei­sen, wenn es um mate­ri­ell­recht­li­che Ein­wen­dun­gen geht, die kei­ne Tat­sa­chen­auf­klä­rung erfor­dern und sich mit den im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ohne Wei­te­res klä­ren las­sen. Das kann etwa der Fall sein, wenn die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen fest­ste­hen, weil sie unstrei­tig sind oder vom Rechts­pfle­ger im Fest­set­zungs­ver­fah­ren ohne Schwie­rig­kei­ten aus den Akten ermit­telt wer­den kön­nen. Sol­che Ein­wen­dun­gen kön­nen des­halb aus­nahms­wei­se auch im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren erho­ben und beschie­den wer­den 4.

Ein sol­cher Aus­nah­me­fall ist im hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht gege­ben: Die Klä­ge­rin­nen haben zwar einen rechts­kräf­tig fest­ge­stell­ten Anspruch gegen den Beklag­ten. Ob sie jedoch mit die­sem Anspruch gegen den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Beklag­ten auf­rech­nen kön­nen, bedarf mate­ri­ell­recht­li­cher Prü­fung und wei­te­rer Tat­sa­chen­auf­klä­rung, da der Beklag­te ein­wen­det, alle Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­che an sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten abge­tre­ten und die Klä­ge­rin­nen davon in Kennt­nis gesetzt zu haben. Die hier­an anschlie­ßen­de Prü­fung des Beschwer­de­ge­richts, ob die Abtre­tung in der Pro­zess­voll­macht im Hin­blick auf § 305 c BGB wirk­sam war, zeigt, dass eine mate­ri­ell­recht­li­che Prü­fung erfor­der­lich war; eine sol­che ist dem Rechts­pfle­ger im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren aber ver­wehrt. Auch eine Prü­fung der Fra­ge, ob der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Beklag­ten die Auf­rech­nung der Klä­ge­rin­nen nach §§ 406 oder 407 BGB gegen sich gel­ten las­sen müss­te, betrifft mate­ri­el­les Recht und erfor­dert wei­te­re Tat­sa­chen­auf­klä­rung, da der Rechts­pfle­ger zu prü­fen hät­te, ob der Schuld­ner von der Abtre­tung der For­de­rung wuss­te. Die­se Fra­gen las­sen sich mit den im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln nicht ohne Wei­te­res klä­ren. Die Klä­ge­rin­nen sind daher mit ihrer Auf­rech­nung auf die Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge zu ver­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Mai 2014 – XII ZB 539/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 09.12 2009 – XII ZB 79/​06, NJW-RR 2010, 718[]
  2. BGH, Beschluss vom 09.12 2009 – XII ZB 79/​06, NJW-RR 2010, 718 Rn. 9; BGH, Beschlüs­se vom 23.03.2006 – V ZB 189/​05, Fam­RZ 2006, 854 f.; und vom 22.11.2006 – IV ZB 18/​06, NJW-RR 2007, 422 Rn. 8[]
  3. BGH Beschluss vom 22.11.2006 – IV ZB 18/​06, NJW-RR 2007, 422 Rn. 8[]
  4. BGH, Beschluss vom 09.12 2009 – XII ZB 79/​06, NJW-RR 2010, 718 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 23.03.2006 – V ZB 189/​05, Fam­RZ 2006, 854 f.; und vom 22.11.2006 – IV ZB 18/​06, NJW-RR 2007, 422 Rn. 9[]