Neu­es unstrei­ti­ges Vor­brin­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren

Zwar sind im Beru­fungs­ver­fah­ren neue Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel nicht nur gem. § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO zuzu­las­sen, wenn sie im ers­ten Rechts­zug nicht gel­tend gemacht wor­den sind, ohne dass dies auf einer Nach­läs­sig­keit der Par­tei beruht. Viel­mehr ist über die Fall­grup­pen des § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 3 ZPO hin­aus zweit­in­stanz­lich sämt­li­ches Tat­sa­chen­vor­brin­gen zu berück­sich­ti­gen, wenn es zwi­schen den Pro­zess­par­tei­en unstrei­tig ist.

Neu­es unstrei­ti­ges Vor­brin­gen im Beru­fungs­ver­fah­ren

Aus einer den Zweck des Zivil­pro­zes­ses und der Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten berück­sich­ti­gen­den Aus­le­gung der §§ 529 Abs. 1 Nr. 2, 531 ZPO ergibt sich, dass unter den Begriff der neu­en Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel i.S.d. § 531 ZPO nur strei­ti­ges und damit beweis­be­dürf­ti­ges Vor­brin­gen fällt.

Nicht beweis­be­dürf­ti­ges Vor­brin­gen hat das Beru­fungs­ge­richt gemäß § 529 Abs. 1 ZPO sei­ner Ent­schei­dung ohne wei­te­res zugrun­de zu legen, weil das Gericht nicht gezwun­gen sein darf, sei­ne Ent­schei­dung auf eine unzu­tref­fen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge zu stüt­zen 1.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2014 – 12 U 22/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.06.2008, Az.: GSZ 1/​08 = NJW 2008, 3434 ff.; BGH, Urteil vom 19.10.2005, Az.: IV ZR 89/​05 = NJW 2006, 298 ff.; Ober­heim, in: Prütting/​Gehrlein, ZPO, 5. Aufl.2013, § 531 Rz. 14[]