Öffent­li­che Bekannt­ga­be des Ver­tei­lungs­ver­zeich­nis­ses

Die öffent­li­che Bekannt­ga­be des Ver­tei­lungs­ver­zeich­nis­ses ist nur wirk­sam, wenn sie durch das Insol­venz­ge­richt als Urhe­ber der Erklä­rung erfolgt.

Öffent­li­che Bekannt­ga­be des Ver­tei­lungs­ver­zeich­nis­ses

Andern­falls ist auf der Grund­la­ge des ein­deu­ti­gen Wort­lauts des § 188 Satz 3 InsO eine ord­nungs­ge­mä­ße, die Frist des § 189 Abs. 3 InsO aus­lö­sen­de Ver­öf­fent­li­chung des Ver­tei­lungs­ver­zeich­nis­ses nicht erfolgt.

Der Ver­wal­ter zeigt dem Gericht gemäß § 188 Satz 3 Halbs. 1 InsO die Sum­me der For­de­run­gen und den für die Ver­tei­lung ver­füg­ba­ren Betrag aus der Insol­venz­mas­se an; das Gericht hat nach § 188 Satz 3 Halbs. 2 InsO die ange­zeig­te Sum­me und den für die Ver­tei­lung ver­füg­ba­ren Betrag öffent­lich bekannt zu machen.

Nach dem unmiss­ver­ständ­li­chen Wort­laut der Rege­lung erfolgt die Ver­öf­fent­li­chung mit­hin zwei­stu­fig: Der Ver­wal­ter hat die Sum­me der For­de­run­gen und den für die Ver­tei­lung ver­füg­ba­ren Betrag dem Gericht anzu­zei­gen; die­se Anzei­ge hat dann das Gericht öffent­lich bekannt zu machen. Danach obliegt die Ver­öf­fent­li­chung dem Gericht und nicht dem Insol­venz­ver­wal­ter 1.

Die­se am Wort­laut anknüp­fen­de Aus­le­gung ent­spricht im Übri­gen den Geset­zes­ma­te­ria­li­en. Die Rege­lung des § 188 Satz 3 Halbs. 2 InsO bezweckt eine Zwi­schen­schal­tung des Gerichts, weil der Insol­venz­ver­wal­ter selbst kei­nen unmit­tel­ba­ren Zugriff auf das län­der­über­grei­fen­de, zen­tra­le elek­tro­ni­sche Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem hat 2. Die Zwi­schen­schal­tung erschöpft sich jedoch nicht dar­in, dass das Gericht ledig­lich die Bekannt­ga­be durch den Insol­venz­ver­wal­ter ver­mit­telt. Viel­mehr ist die Bekannt­ga­be nach dem Inhalt des § 188 Satz 3 Halbs. 2 InsO durch das Insol­venz­ge­richt, des­sen Auf­sicht (§ 58 Abs. 1 Satz 1 InsO) der Insol­venz­ver­wal­ter bei Vor­nah­me sei­ner Anzei­ge (§ 188 Satz 3 Halbs. 1 InsO) unter­liegt 3, selbst vor­zu­neh­men.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall geschah die öffent­li­che Bekannt­ga­be der ange­zeig­ten For­de­run­gen und des für die Ver­tei­lung ver­füg­ba­ren Betra­ges aus­weis­lich der Unter­zeich­nung durch den Insol­venz­ver­wal­ter und nicht durch das Insol­venz­ge­richt. Da die Ver­öf­fent­li­chung als Urhe­ber den Insol­venz­ver­wal­ter und nicht das Insol­venz­ge­richt aus­weist, fehlt es an einer ord­nungs­ge­mä­ßen öffent­li­chen Bekannt­ma­chung des Insol­venz­ge­richts. Man­gels einer Bekannt­ga­be durch das allein zustän­di­ge Organ bedingt die­ser gra­vie­ren­de, eine wirk­sa­me öffent­li­che Bekannt­ga­be aus­schlie­ßen­de Man­gel, dass die Frist des § 189 Abs. 3 InsO nicht zu lau­fen begon­nen hat 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Febru­ar 2013 IX ZR 145/​12

  1. Jaeger/​MellerHannich, InsO, § 188 Rn. 2, 23; Münch­Komm-InsO/­Füchs­l/Weis­häupl, 2. Aufl., § 188 Rn. 6; HK-InsO/­De­pré, 6. Aufl., § 188 Rn. 6; Uhlen­bruck, InsO, 13. Aufl., § 188 Rn. 16; Hol­zer in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2009, § 188 Rn. 18; GrafSchlicker/​Castrup, InsO, 3. Aufl., § 188 Rn. 4[]
  2. BT-Drucks. 16/​3227, S. 21[]
  3. Hol­zer in Kübler/​Prütting/​Bork, aaO, § 188 Rn. 18a[]
  4. vgl. Münch­Komm-InsO/­Füchs­l/Weis­häupl, aaO, § 188 Rn. 7; Hmb­Komm-InsO/Preß, 4. Aufl., § 188 Rn. 12; GrafSchlicker/​Castrup, aaO[]