Rechts­in­ha­ber der Bezeich­nung "Rock am Ring"

Die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co. KG darf die Bezeich­nung "Rock am Ring" ver­wen­den.

Rechts­in­ha­ber der Bezeich­nung "Rock am Ring"

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall über den Antrag der Nür­burg­ring GmbH in Eigen­ver­wal­tung (i.E.) auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung ent­schie­den und den Antrag unter Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung des Land­ge­richt Koblenz zurück­ge­wie­sen.

Seit dem Pfingst­wo­chen­en­de 1985 führ­ten die Par­tei­en – mit Aus­nah­me der Jah­re 1989/​1990 – am Nür­burg­ring ein jähr­li­ches Musik­fes­ti­val unter der Bezeich­nung "Rock am Ring" durch. Die ers­te Ver­an­stal­tung 1985 war das Ergeb­nis einer Koope­ra­ti­on der Nür­burg­ring GmbH, der MaMa Con­certs Kon­zert­agen­tur GmbH, deren Mit­ge­sell­schaf­ter und Mit­ge­schäfts­füh­rer Marek Lie­ber­berg war, und der Fir­ma Hoff­mann Kon­zer­te.

Nach der Tren­nung von Marek Lie­ber­berg und MaMa Con­certs orga­ni­sier­te die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co. KG das Fes­ti­val. Im Jahr 1993 erfolg­te beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt die Ein­tra­gung der Wort­mar­ke "Rock am Ring" für Kon­zert­er­eig­nis­se zu Guns­ten der Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co. KG.

In den Jah­ren 2003 und 2007 schlos­sen die Nür­burg­ring GmbH und die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur Koope­ra­ti­ons­ver­trä­ge mit mehr­jäh­ri­ger Lauf­zeit ab. Die letz­te Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung wur­de von der Nür­burg­ring GmbH i.E. mit Wir­kung zum 31. Dezem­ber 2014 gekün­digt. Die künf­ti­ge Betrei­be­rin des Nür­burg­rings, die Capri­corn Nür­burg­ring GmbH, ver­laut­bar­te im Früh­jahr 2014, ab 2015 sei­en jähr­li­che Rock­fes­ti­vals am Nür­burg­ring in Koope­ra­ti­on mit ande­ren Kon­zert­ver­an­stal­tern unter der Bezeich­nung "Grü­ne Höl­le – Rock­fes­ti­val am Nür­burg­ring" geplant.

Mit dem Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung hat die Nür­burg­ring GmbH i.E. gel­tend gemacht, bereits vor der Mar­ken­ein­tra­gung zu Guns­ten der Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co. KG im Jahr 1993 sei ein Werk­ti­tel­recht für das Kon­zert­fes­ti­val "Rock am Ring" ent­stan­den. Die­ses ste­he einer aus bei­den Par­tei­en bestehen­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts zu und kön­ne daher nicht allein von der Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur genutzt wer­den.

Das Land­ge­richt Koblenz hat dem Ver­fü­gungs­be­geh­ren der Nür­burg­ring GmbH i.E. weit­ge­hend statt­ge­ge­ben. Erst nach dem für die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Ver­hand­lungs­ter­min vor dem Land­ge­richt Koblenz haben die Ver­fü­gungs­be­klag­ten unter Bezug­nah­me auf eides­statt­li­che Ver­si­che­run­gen eines frü­he­ren Geschäfts­füh­rers der Nür­burg­ring GmbH und des drit­ten Mit­ver­an­stal­ters des ers­ten Fes­ti­vals ein­ge­wandt, bereits im Jahr 1985 sei in Gesprä­chen zur Vor­be­rei­tung des Fes­ti­vals ver­ein­bart wor­den, dass die Bezeich­nung "Rock am Ring" allein der MaMa Con­certs GmbH zuste­hen müs­se.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz begrün­det die­se Ver­ein­ba­rung ein allei­ni­ges Recht der Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur zur Benut­zung der Bezeich­nung "Rock am Ring". Die im Beru­fungs­ver­fah­ren erst­mals zu berück­sich­ti­gen­de Eini­gung der Par­tei­en sei wirk­sam, da auch Werk­ti­tel­rech­te als imma­te­ri­el­les Wirt­schafts­gut über­tra­gen wer­den könn­ten. Es kön­ne daher offen blei­ben, ob die Kon­zert­rei­he als titel­fä­hi­ges Werk anzu­se­hen sei. Die Berech­ti­gung aus der Ver­ein­ba­rung sei spä­ter von der MaMa Con­certs GmbH auf die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur über­ge­gan­gen. Marek Lie­ber­berg habe sich nach den vor­ge­leg­ten eides­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen anläss­lich der Tren­nung von MaMa Con­certs mit sei­nem frü­he­ren Mit­ge­sell­schaf­ter dahin­ge­hend ver­stän­digt, dass jeder Gesell­schaf­ter "sei­ne" Künst­ler und Ver­an­stal­tun­gen wei­ter betreue. Eine sol­che ein­ver­nehm­li­che Aus­ein­an­der­set­zung impli­zie­re, dass etwai­ge Rech­te aus Ver­trä­gen des zuvor gemein­sam geführ­ten Unter­neh­mens auf die sich tren­nen­den Teil­ha­ber über­gin­gen, um die­sen eine recht­lich abge­si­cher­te Fort­füh­rung der "eige­nen" Ver­an­stal­tun­gen zu ermög­li­chen.

Die im Jahr 1985 zur Berech­ti­gung an dem Werk­ti­tel "Rock am Ring" getrof­fe­ne Abre­de sei spä­ter auch nicht abge­än­dert wor­den. Den in den Jah­ren 2003 und 2007 getrof­fe­nen Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen sei kei­ne Erwei­te­rung der Rech­te der Nür­burg­ring GmbH zu ent­neh­men, da die­se aus­schließ­lich die Auf­recht­erhal­tung des gege­be­nen Rechts­stan­des unter Absi­che­rung der wei­te­ren Zusam­men­ar­beit wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit bezweckt hät­ten.

Aus die­sen Grün­den steht der Nür­burg­ring GmbH i.E. kein Anspruch gegen Marek Lie­ber­berg und die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co. KG auf Unter­las­sung der Ankün­di­gung, Bewer­bung oder Ver­an­stal­tung eines Kon­zert­fes­ti­vals unter dem Titel "Rock am Ring" zu.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 29. August 2014 – 6 U 850/​14