Schrift­satz­nach­lass – und der ver­spä­te­te Schrift­satz

Wird ein der Par­tei nach Hin­weis in der münd­li­chen Ver­hand­lung gemäß § 139 Abs. 5 ZPO gewähr­tes Schrift­satz­recht erst nach Ablauf der hier­für gesetz­ten Frist aus­ge­übt, hat das Gericht in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 283 Satz 2 ZPO zu ent­schei­den, ob das ver­spä­te­te Vor­brin­gen berück­sich­tigt wer­den kann.

Schrift­satz­nach­lass – und der ver­spä­te­te Schrift­satz

Nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung, auf die das Urteil ergeht, kön­nen Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel nicht mehr vor­ge­bracht wer­den (§ 296a Satz 1 ZPO). Hier­von räumt § 296a Satz 2 ZPO, bezo­gen auf den Anwen­dungs­be­reich des § 139 Abs. 5 ZPO, nur dann eine Aus­nah­me ein, wenn einer Pro­zess­par­tei auf deren Antrag hin ein Schrift­satz­recht nach der Ertei­lung eines gericht­li­chen Hin­wei­ses gewährt wird.

Nach § 139 Abs. 5 ZPO ist das auf den gericht­li­chen Hin­weis bezo­ge­ne Vor­brin­gen beacht­lich, wenn es inner­halb der vom Gericht gesetz­ten Frist aus­ge­führt wird. Wird nach Ablauf die­ser Frist, wie im Streit­fall gege­ben, ein Schrift­satz ein­ge­reicht, so gilt § 296a ZPO. Die Bestim­mung des § 296 ZPO betrifft dage­gen das Ver­fah­ren zwi­schen der Kla­ge­be­grün­dung und der (letz­ten) münd­li­chen Ver­hand­lung und ist daher auf ein Vor­brin­gen nach dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht anwend­bar 1.

Im Schrift­tum wird dem­zu­fol­ge eine Anwen­dung der Bestim­mung des § 296 ZPO auf nicht frist­ge­rech­tes Vor­brin­gen nach § 139 Abs. 5 ZPO ver­neint 2. Die von der Beschwer­de ange­führ­te gegen­tei­li­ge Ansicht von Stad­ler 3 ist ver­ein­zelt geblie­ben; auch wird dort die Anknüp­fung an § 296 ZPO nicht näher begrün­det. § 139 Abs. 5 ZPO ist der Vor­schrift des § 283 ZPO nach­ge­bil­det 4.

Daher hat das Gericht bei nicht frist­ge­rech­tem Vor­brin­gen nach § 139 Abs. 5 ZPO in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 283 Satz 2 ZPO, wie vom Beru­fungs­ge­richt zutref­fend beach­tet wur­de, zu ent­schei­den, ob das ver­spä­te­te Vor­brin­gen berück­sich­tigt wer­den kann 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Febru­ar 2014 – IX ZR 54/​13

  1. Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 296 Rn. 4a; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, 5. Aufl., § 296a Rn. 1[]
  2. Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Aufl., § 139 Rn. 115; Münch­Komm-ZPO/Prüt­ting, 4. Aufl., § 296a Rn. 6 mit Ver­weis auf § 283 Rn.20; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, aaO § 283 Rn. 14[]
  3. Musielak/​Stadler, ZPO, 10. Aufl., § 139 Rn. 30[]
  4. vgl. BR-Drs. 536/​00, S.200; Hart­mann in Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 72. Aufl., § 139 Rn. 95; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, aaO[]
  5. Münch­Komm-ZPO/Prüt­ting, aaO; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, aaO[]