Start­ab­bruch nach Vogel­schlag

Eine gro­ße Ver­spä­tung geht auf außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de zurück und befreit damit von der Ver­pflich­tung zu einer Aus­gleichs­leis­tung, wenn sie durch dem Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men in der gege­be­nen Situa­ti­on (hier: nach Start­ab­bruch infol­ge Vogel­schlags) mög­li­che und zumut­ba­re Maß­nah­men nicht ver­mie­den wer­den konn­te. Das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men muss Art, Umfang und zeit­li­chen Ablauf der kon­kre­ten Maß­nah­men dar­le­gen, die es nach dem Ein­tritt des Ereig­nis­ses getrof­fen hat, um den Flug so bald wie mög­lich durch­zu­füh­ren.

Start­ab­bruch nach Vogel­schlag

Ein durch Vogel­schlag ver­ur­sach­ter Tur­bi­nen­scha­den, der den Abbruch des Starts oder die Not­lan­dung des Flug­zeugs erzwingt, ist geeig­net, außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de im Sin­ne des Art. 5 Abs. 3 der Ver­ord­nung zu begrün­den, die einen Aus­gleichs­an­spruch nach Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung aus­schlie­ßen kön­nen. Die­se Fra­ge hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den 1.

Gege­ben­hei­ten wie der in Rede ste­hen­de Vogel­schlag begrün­den nur dann außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de, auf die die Annul­lie­rung oder gro­ße Ver­spä­tung zurück­geht, wenn das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men trotz Ergrei­fung aller zumut­ba­ren Maß­nah­men die Annul­lie­rung oder gro­ße Ver­spä­tung nicht ver­hin­dern kann oder sie auch mit die­sen Maß­nah­men nicht hät­te ver­hin­dern kön­nen 2.

Zu Art und Umfang in Betracht kom­men­der zumut­ba­rer Maß­nah­men hat sich der Bun­des­ge­richts­hof in zwei Ent­schei­dun­gen vom 12.06.2014 3 geäu­ßert. Wel­che Maß­nah­men einem Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men zuzu­mu­ten sind, um zu ver­mei­den, dass außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de zu einer erheb­li­chen Ver­spä­tung eines Flu­ges füh­ren oder Anlass zu sei­ner Annul­lie­rung geben, bestimmt sich danach nach den Umstän­den des Ein­zel­falls; die Zumut­bar­keit ist situa­ti­ons­ab­hän­gig zu beur­tei­len 4. Es kommt zum einen dar­auf an, wel­che Vor­keh­run­gen ein Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men nach guter fach­li­cher Pra­xis tref­fen muss, damit nicht bereits bei gewöhn­li­chem Ablauf des Luft­ver­kehrs gering­fü­gi­ge Beein­träch­ti­gun­gen das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men außer Stan­de set­zen, sei­nen ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men und den Flug­plan im Wesent­li­chen ein­zu­hal­ten. Zum ande­ren muss das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men, wenn eine mehr als gering­fü­gi­ge Beein­träch­ti­gung tat­säch­lich ein­tritt oder erkenn­bar ein­zu­tre­ten droht, alle ihm in die­ser Situa­ti­on zu Gebo­te ste­hen­den Maß­nah­men ergrei­fen, um nach Mög­lich­keit zu ver­hin­dern, dass hier­aus eine Annul­lie­rung oder gro­ße Ver­spä­tung resul­tiert. Hin­ge­gen begrün­det die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung kei­ne Ver­pflich­tung der Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men, ohne kon­kre­ten Anlass Vor­keh­run­gen wie etwa das Vor­hal­ten von Ersatz­flug­zeu­gen zu tref­fen, um den Fol­gen außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de begeg­nen zu kön­nen 5.

Die dem Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men mög­li­chen Maß­nah­men ste­hen nicht zur Dar­le­gungs­last des Flug­gas­tes. Viel­mehr muss das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men Art, Umfang und zeit­li­chen Ablauf der kon­kre­ten Maß­nah­men dar­le­gen, die es nach dem Ein­tritt des Ereig­nis­ses, das außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de begrün­den kann, getrof­fen hat, um eine dro­hen­de gro­ße Ver­spä­tung des Flugs zu ver­mei­den. Nur dann kann der Flug­gast hier­zu Stel­lung neh­men und das Gericht beur­tei­len, ob das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men die im Ein­zel­fall gebo­te­nen Maß­nah­men getrof­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2014 – X ZR 102/​13

  1. BGH, Urteil vom 24.09.2013 – X ZR 160/​12, NJW 2014, 861 = RRa 2014, 25 mwN[]
  2. EuGH, Wal­len­tin-Her­man­n/A­l­ita­lia Rn. 22; BGHZ 194, 258 Rn. 11[]
  3. BGH, Urtei­le vom 12.06.2014 – X ZR 121/​13, MDR 2014, 1130; und – X ZR 104/​13[]
  4. EuGH, Wal­len­tin-Her­man­n/A­l­ita­lia Rn. 40, 42; Urteil vom 12.05.2011 C294/​10, NJW 2011, 2865 = RRa 2011, 125 Egl?tis und Ratnieks/​Air Bal­tic Rn. 30[]
  5. im Ein­zel­nen hier­zu BGH, Urteil vom 12.06.2014 – X ZR 121/​13 21 bis 25[]