Veranstalterhaftung beim Public-Viewing

Ein Veranstalter eines „Public-Viewing-Events“ ist für die Sicherheit von stehenden Zuschauern auf einer Sitztribüne verantwortlich und wird nicht durch eine ordnungsbehördliche Genehmigung entlastet.

Veranstalterhaftung beim Public-Viewing

Dies hat der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm am 05.11.2010 entschieden und folgte damit dem erstinstanzlichen Urteil des Landgericht Essen .

In einem vom Oberlandesgericht Hamm entschiedenen Rechtsstreit zeigte die Beklagte, eine Event-GmbH, während der Fußballweltmeisterschaft 2006 im Rahmen eines „Public-Viewing-Events“ Länderspiele und errichtete hierzu mit ordnungsbehördlicher Genehmigung eine dreistöckige Sitztribüne, die nicht mit Geländern abgesichert war. Aus dem Stand stürzte der Kläger gemeinsam mit einem anderen Zuschauer aus 80 cm Höhe zu Boden und brach sich hierbei den Arm. Der Kläger war mehrere Monate arbeitsunfähig. Er verklagte die Veranstalterin unter anderem auf Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz und erhielt vor dem erstinstanzlich hiermit befassten Landgericht Essen Recht1.

Auf die Berufung der Veranstalterin bestätigte das Oberlandesgericht nun das landgerichtliche Urteil: Die Beklagte habe ihre Verkehrssicherungspflichten als Veranstalterin verletzt und hafte daher dem Kläger für die entstandenen Schäden.

Die Veranstalterin sei für die Sicherheit der auf der Sitztribüne stehenden Zuschauer verantwortlich und werde nicht durch die ordnungsbehördliche Genehmigung entlastet. Anders als erstinstanzlich das Landgericht Essen beurteilte das Oberlandesgericht Hamm das Mitverschulden des Klägers allerdings mit 50% statt mit 25%. Die Gefahr sei bei wiederholten tumultartigen Bewegungen unter den Zuschauern auf der Bühne offensichtlich gewesen. Der Kläger hätte sich durch vorsichtiges Verhalten vor Schaden schützen und den Tribünenrand meiden können, entschied das Oberlandesgericht und sprach dem Kläger Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 € und weiteren Schadensersatz in Höhe von etwa 3.300 € zu.

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 05. November 2010 – I-9 U 44/10

  1. LG Essen, Urteil vom 22.12.2009 – 17 O 219/08 []