Ver­fas­sungs­ge­mä­ßer Anwalts­zwang

Der § 78 Abs. 1 ZPO zu ent­neh­men­de Anwalts­zwang ver­stößt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht.

Ver­fas­sungs­ge­mä­ßer Anwalts­zwang

Er dient der Qua­li­tät und dem Funk­tio­nie­ren des Rechts­schut­zes und damit der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung.

Die Mit­wir­kung von Rechts­an­wäl­ten am Ver­fah­ren trägt, so der Bun­des­ge­richts­hof, wesent­lich zur Aus­schöp­fung des tat­säch­li­chen und recht­li­chen Pro­zess­stof­fes bei. Sie führt außer­dem zu einer Ver­sach­li­chung des Rechts­streits, die dem raschen und rei­bungs­lo­sen Pro­zess­ver­lauf zugu­te­kommt.

Durch die­se Zwe­cke ist die mit dem Anwalts­zwang ein­her­ge­hen­de Beschrän­kung der Par­tei­rech­te hin­rei­chend sach­lich gerecht­fer­tigt und wegen der Mög­lich­keit der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe sowie der Bei­ord­nung eines Anwalts gemäß den §§ 78b, 78c ZPO auch zumut­bar 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juli 2015 – IX ZA 17/​15

  1. BGH, Beschluss vom 28.02.2013 – IX ZR 220/​12, nv; BVerfGE 74, 78, 93; BVerfG, DTZ 1992, 183, 184; NJW 1993, 3192; BFHE 240, 219; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 78 Rn. 16; Münch­Komm-ZPO/­Tous­saint, 4. Aufl., § 78 Rn. 3; Musielak/​Voit/​Weth, ZPO, 12. Aufl., § 78 Rn. 2[]