Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten des Wald­be­sit­zers

Haf­tet ein Wald­be­sit­zers für die Ver­let­zung eines Spa­zier­gän­gers, der von einem her­ab­stür­zen­den Ast getrof­fen wor­den war? Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint dies: das Betre­ten des Wal­des geschieht auf eige­ne Gefahr.

Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten des Wald­be­sit­zers

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nimmt die Klä­ge­rin die Beklag­ten wegen eines Unfalls bei einem Wald­spa­zier­gang auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. Als die Klä­ge­rin im Juli 2006 bei sehr war­mem Wet­ter und leich­tem Wind auf einem Forst­wirt­schafts­weg durch ein Wald­grund­stück der Beklag­ten zu 1 ging, brach von einer cir­ca 5 m neben dem Weg ste­hen­den Eiche ein lan­ger Ast ab und traf sie am Hin­ter­kopf. Sie erlitt eine schwe­re Hirn­schä­di­gung. Der Beklag­te zu 2 ist Diplom-Forst­wirt und bei der Beklag­ten zu 1 für den Bereich des Wald­grund­stücks zustän­dig.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Saar­brü­cken hat die Kla­ge abge­wie­sen [1]. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat dage­gen das Saar­län­di­sche Ober­lan­des­ge­richt den Schmer­zens­geld­an­spruch dem Grun­de nach für gerecht­fer­tigt erklärt und dem Fest­stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben [2]. Nach sei­ner Auf­fas­sung ist auch ein pri­va­ter Wald­be­sit­zer, der weiß, dass sein Wald von Erho­lungs­su­chen­den fre­quen­tiert wird, zumin­dest ein­ge­schränkt ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­tig. Er sei gehal­ten, in gele­gent­li­chen Bege­hun­gen die am Ran­de der Erho­lungs­we­ge ste­hen­den Bäu­me zu kon­trol­lie­ren und ein­zu­schrei­ten, wenn sich ihm kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine beson­de­re, unmit­tel­ba­re Gefähr­dung böten. Die­se Vor­aus­set­zun­gen hat das Saar­län­di­sche Ober­lan­des­ge­richt im Streit­fall bejaht, da von dem unfall­ver­ur­sa­chen­den Baum schon lan­ge eine aku­te Gefahr aus­ge­gan­gen sei. Die­se hät­te ein geschul­ter Baum­kon­trol­leur bei einer Sicht­kon­trol­le vom Boden aus erken­nen müs­sen.

Auf die Revi­sio­nen der Beklag­ten hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil des Saar­län­di­schen Ober­lan­des­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint eine Haf­tung der Beklag­ten: Nach den im Ein­klang mit § 14 BWaldG erlas­se­nen lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten (hier: § 25 des Wald­ge­set­zes für das Saar­land) ist das Betre­ten des Wal­des zu Erho­lungs­zwe­cken jeder­mann gestat­tet. Die Benut­zung des Wal­des geschieht jedoch auf eige­ne Gefahr. Dem Wald­be­sit­zer, der das Betre­ten des Wal­des dul­den muss, sol­len dadurch kei­ne beson­de­ren Sorg­falts- und Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten erwach­sen. Er haf­tet des­halb nicht für wald­ty­pi­sche Gefah­ren, son­dern nur für sol­che Gefah­ren, die im Wald aty­pisch sind. Dazu zäh­len ins­be­son­de­re die Gefah­ren, die nicht durch die Natur bedingt sind. Die Gefahr eines Ast­ab­bruchs ist dage­gen grund­sätz­lich eine wald­ty­pi­sche Gefahr. Sie wird nicht des­halb, weil ein geschul­ter Baum­kon­trol­leur sie erken­nen kann, zu einer im Wald aty­pi­schen Gefahr, für die der Wald­be­sit­zer ein­zu­ste­hen hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Okto­ber 2012 – VI ZR 311/​11

  1. LG Saar­brü­cken, Urteil vom 03.03.2010 – 12 O 271/​06[]
  2. Saarl. OLG, Urteil vom 09.11.2011 – 1 U 177/​10-46[]