Die Liqui­di­täts­bi­lanz im Insol­venz­an­fech­tungs­pro­zess

Stützt sich der Insol­venz­ver­wal­ter im Insol­venz­an­fech­tungs­pro­zess zum Nach­weis der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners auf ein oder meh­re­re Beweis­an­zei­chen und auf die im Fal­le einer Zah­lungs­ein­stel­lung bestehen­de gesetz­li­che Ver­mu­tung, ist im Rah­men des Pro­zess­rechts auf Antrag des Anfech­tungs­geg­ners zur Ent­kräf­tung der Beweis­an­zei­chen und zur Wider­le­gung der Ver­mu­tung durch einen Sach­ver­stän­di­gen eine Liqui­di­täts­bi­lanz erstel­len zu las­sen.

Die Liqui­di­täts­bi­lanz im Insol­venz­an­fech­tungs­pro­zess

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­pflich­tet das Gericht unter ande­rem, das tat­säch­li­che und recht­li­che Vor­brin­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und bei sei­ner Ent­schei­dung in Erwä­gung zu zie­hen 1. Erheb­li­che Beweis­an­trä­ge muss das Gericht berück­sich­ti­gen, sofern das Pro­zess­recht dem nicht ent­ge­gen­steht 2. Die­sen Ver­pflich­tun­gen ist das Beru­fungs­ge­richt inso­weit nicht nach­ge­kom­men, als es das von der beklag­ten Anfech­tungs­geg­ner ange­bo­te­ne Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zum Beweis der Zah­lungs­fä­hig­keit der Schuld­ne­rin nicht ein­ge­holt hat.

Soll der in § 133 Abs. 1 Satz 1 InsO vor­aus­ge­setz­te Benach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners maß­geb­lich auf eine im Zeit­punkt der ange­foch­te­nen Zah­lun­gen bestehen­de, dem Schuld­ner bekann­te Zah­lungs­un­fä­hig­keit gestützt wer­den 3, muss die­se fest­ge­stellt wer­den. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last trägt der anfech­ten­de Insol­venz­ver­wal­ter. Zum Nach­weis der Zah­lungs­un­fä­hig­keit bedarf es im Insol­venz­an­fech­tungs­pro­zess nicht zwin­gend einer Liqui­di­täts­bi­lanz, wenn auf ande­re Wei­se fest­ge­stellt wer­den kann, ob der Schuld­ner einen wesent­li­chen Teil sei­ner fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten nicht bezah­len konn­te. Hat der Schuld­ner sei­ne Zah­lun­gen ein­ge­stellt, begrün­det dies auch für die Insol­venz­an­fech­tung gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 InsO die gesetz­li­che Ver­mu­tung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit 4. Dem Anfech­tungs­geg­ner bleibt es unbe­nom­men, der Annah­me der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners mit dem Antrag auf Erstel­lung einer Liqui­di­täts­bi­lanz durch einen Sach­ver­stän­di­gen ent­ge­gen­zu­tre­ten, sei es um die Beweis­wir­kung der für die Zah­lungs­un­fä­hig­keit spre­chen­den Indi­zi­en zu erschüt­tern oder um die Ver­mu­tung des § 17 Abs. 2 Satz 2 InsO zu wider­le­gen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. März 2015 – IX ZR 134/​13

  1. st. Rspr., vgl. BVerfGE 86, 133, 146; BVerfG ZIP 2004, 1762, 1763; BGH, Beschluss vom 27.03.2003 – V ZR 291/​02, BGHZ 154, 288, 300[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZR 212/​07, NJW-RR 2010, 1217 Rn. 10; vom 05.12 2013 – IX ZR 6/​13, nv Rn. 8, jeweils mwN[]
  3. vgl. dazu etwa BGH, Urteil vom 10.01.2013 – IX ZR 13/​12, WM 2013, 180 Rn. 14 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 06.12 2012 – IX ZR 3/​12, WM 2013, 174 Rn.19 f mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 30.06.2011 – IX ZR 134/​10, WM 2011, 1429 Rn.20[]