Die Regel­ver­gü­tung des Treu­hän­ders – und die über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er

Lie­gen erheb­li­che Abwei­chun­gen vom typi­schen Tätig­keits­um­fang des Treu­hän­ders vor, sind wie beim Insol­venz­ver­wal­ter Zu- und Abschlä­ge von der Regel­ver­gü­tung vor­zu­neh­men; die Rege­lung in § 13 Abs. 2 InsVV aF steht dem nicht ent­ge­gen [1].

Die Regel­ver­gü­tung des Treu­hän­ders – und die über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er

Die Bemes­sung vor­zu­neh­men­der Zu- und Abschlä­ge ist jedoch – wie bei der Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung nach § 3 InsVV – auch bei der Ver­gü­tung des Treu­hän­ders grund­sätz­lich Auf­ga­be des Tatrich­ters. Sie ist in der Rechts­be­schwer­de­instanz nur dar­auf zu über­prü­fen, ob sie die Gefahr der Abwei­chung von Maß­stä­ben mit sich bringt [2].

Die über­durch­schnitt­lich lan­ge Ver­fah­rens­dau­er ist nicht als selb­stän­di­ger Zuschlags­grund zu wer­ten. Viel­mehr sind in Über­ein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [3] ledig­lich die wäh­rend des Ver­fah­rens erbrach­ten Tätig­kei­ten zu berück­sich­ti­gen.

Die Aus­la­gen­pau­scha­le steht dem Treu­hän­der nur für Zeit­räu­me zu, in denen er insol­venz­recht­lich not­wen­di­ge Tätig­kei­ten erbracht hat, und des­halb nicht län­ger als bis zu dem Zeit­punkt, bis zu dem das Insol­venz­ver­fah­ren bei ange­mes­se­ner, zügi­ger Bear­bei­tung durch den Ver­wal­ter abge­schlos­sen wor­den wäre [4].

Bei der Beur­tei­lung, ob der Treu­hän­der in allen Jah­ren sei­ner Bestel­lung insol­venz­recht­lich not­wen­di­ge Tätig­kei­ten erbracht hat, sind des­sen Tätig­kei­ten zur Durch­set­zung von Anfech­tungs­an­sprü­chen gegen die Ehe­frau des Schuld­ners nicht ein­zu­be­zie­hen. Zur Anfech­tung von Rechts­hand­lun­gen des Schuld­ners ist im ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren nach § 313 Abs. 2 InsO aF nicht der Treu­hän­der, son­dern jeder Insol­venz­gläu­bi­ger berech­tigt. Es gehör­te des­halb nicht zu den Auf­ga­ben des Treu­hän­ders, Anfech­tungs­an­sprü­che gegen die Ehe­frau des Schuld­ners zu ver­fol­gen [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Juni 2015 – IX ZB 18/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2012 – IX ZB 176/​11, WM 2012, 1135 Rn. 10 mwN[]
  2. st. Rspr., etwa BGH, Beschluss vom 13.11.2008 – IX ZB 141/​07, ZIn­sO 2009, 55 Rn. 8[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 16.09.2010 – IX ZB 154/​09, WM 2010, 2085 Rn. 8[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 02.02.2006 – IX ZB 167/​04, ZIP 2006, 483 Rn. 32; vom 10.07.2008 – IX ZB 152/​07, NZI 2008, 544 Rn.19; jeweils mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2012 – IX ZB 176/​11, WM 2012, 1135 Rn. 11 f[]