Ein­stel­lung des Insol­venz­ver­fah­ren man­gels Kos­ten­de­ckung – und das Beschwer­de­recht des Insol­venz­ver­wal­ters

Der Insol­venz­ver­wal­ter ist auch bei Statt­haf­tig­keit der Rechts­be­schwer­de gemäß § 7 InsO aF nicht befugt, im Fall der Ein­stel­lung des Insol­venz­ver­fah­rens nach § 207 InsO gegen die Fort­set­zung des Insol­venz­ver­fah­rens Rechts­be­schwer­de zu erhe­ben, wenn mit der Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts ein von ihm gestell­ter Antrag, das Ver­fah­ren man­gels Kos­ten­de­ckung ein­zu­stel­len, abge­lehnt wor­den ist 1.

Ein­stel­lung des Insol­venz­ver­fah­ren man­gels Kos­ten­de­ckung – und das Beschwer­de­recht des Insol­venz­ver­wal­ters

Dies gilt nicht nur dann, wenn der Erst­be­schwer­de­füh­rer die Rechts­be­schwer­de erho­ben hat, son­dern auch, wenn die­se von einem ande­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, der sich durch die Beschwer­de­ent­schei­dung erst­mals beschwert sieht, ein­ge­legt wor­den ist. Auch in die­sem Fall ist die Rechts­be­schwer­de nur statt­haft, wenn gegen eine ent­spre­chen­de erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung die sofor­ti­ge Beschwer­de nach § 6 InsO eröff­net gewe­sen wäre 2.

An die­ser Recht­spre­chung ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof nun­mehr ent­schie­den hat, auch nach Auf­he­bung des § 7 InsO fest­zu­hal­ten.

Auch im Fall der durch das Beschwer­de­ge­richt zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de ist im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren die Zuläs­sig­keit der sofor­ti­gen Beschwer­de von Amts wegen zu prü­fen, weil es ande­ren­falls an einem gül­ti­gen und rechts­wirk­sa­men Ver­fah­ren vor dem Rechts­be­schwer­de­ge­richt fehlt 3. Im Hin­blick auf § 207 InsO wäre eine sofor­ti­ge Beschwer­de des Insol­venz­ver­wal­ters gegen die Zurück­wei­sung sei­nes Antrags auf Ein­stel­lung des Ver­fah­rens unzu­läs­sig, weil gemäß § 216 Abs. 1 InsO nur die Insol­venz­gläu­bi­ger und der Schuld­ner befugt sind, gegen die Ent­schei­dung des Insol­venz­ge­richts, mit der es das Insol­venz­ver­fah­ren nach § 207 InsO ein­stellt, sofor­ti­ge Beschwer­de ein­zu­le­gen. Ein Beschwer­de­recht des Insol­venz­ver­wal­ters besteht nach dem Gesetz nicht 4.

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine außer­or­dent­li­che Beschwer­de des Insol­venz­ver­wal­ters lie­gen nicht vor. Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof in Fäl­len tief­grei­fen­der Grund­rechts­ein­grif­fe – etwa im Hin­blick auf den Schutz der Wohn- und Geschäfts­räu­me oder des Post­ver­kehrs des Schuld­ners – ein Bedürf­nis nach gericht­li­cher Ent­schei­dung aner­kannt, wenn das Inter­es­se des Betrof­fe­nen an der Fest­stel­lung der Rechts­la­ge in beson­de­rer Wei­se schutz­wür­dig ist 5. Ein ent­spre­chen­der Fall ist hier aber nicht gege­ben. Die Ableh­nung der Ein­stel­lung des Ver­fah­rens nach § 207 InsO stellt kei­nen tief­grei­fen­den Ein­griff in die Grund­rech­te des Ver­wal­ters dar. Die­sem ver­bleibt die Mög­lich­keit, nach § 208 Abs. 1 InsO Mas­seun­zu­läng­lich­keit anzu­zei­gen. Der Anspruch des Ver­wal­ters auf Ver­gü­tung und Ersatz sei­ner Aus­la­gen ist auch in die­sem Fall bevor­rech­tigt (§ 209 Abs. 1 Nr. 1 InsO).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Febru­ar 2015 – IX ZA 36/​14

  1. BGH, Beschluss vom 26.04.2007 – IX ZB 221/​04, ZIn­sO 2007, 541[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.12 2005 – IX ZB 54/​04, NZI 2006, 239; vom 26.04.2007, aaO Rn. 3[]
  3. BGH, Beschluss vom 23.10.2003 – IX ZB 369/​02, ZIn­sO 2004, 89; vom 06.05.2004 – IX ZB 104/​04, NZI 2004, 447; vom 18.12 2014 – IX ZB 50/​13, ZIn­sO 2015, 213 Rn. 7[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.04.2007, aaO Rn. 4 f[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 04.03.2004 – IX ZB 133/​03, BGHZ 158, 212 ff; vom 12.10.2006 – IX ZB 34/​05, ZIn­sO 2006 Rn. 5 ff[]