Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung – und die feh­len­de Ver­mö­gens­min­de­rung

Eine Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung liegt vor, wenn die Rechts­hand­lung ent­we­der die Schul­den­mas­se ver­mehrt oder die Aktiv­mas­se ver­kürzt und dadurch den Zugriff auf das Ver­mö­gen des Schuld­ners ver­ei­telt, erschwert oder ver­zö­gert hat, sich somit die Befrie­di­gungs­mög­lich­kei­ten der Insol­venz­gläu­bi­ger ohne die Hand­lung bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se güns­ti­ger gestal­tet hät­ten 1.

Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung – und die feh­len­de Ver­mö­gens­min­de­rung

Vor die­sem Hin­ter­grund fehlt es an einer objek­ti­ven Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung in Gestalt einer Ver­kür­zung der Aktiv­mas­se immer dann, wenn die ange­foch­te­ne Rechts­hand­lung nicht das den Gläu­bi­gern haf­ten­de Schuld­ner­ver­mö­gen ver­min­dert hat.

Dies ist dann der Fall, wenn und soweit der Insol­venz­ver­wal­ter nach Ver­fah­rens­er­öff­nung zur Ver­äu­ße­rung, Weg­ga­be oder Auf­ga­be von Ver­mö­gen eben­so ver­pflich­tet gewe­sen wäre wie es durch die ange­foch­te­ne Rechts­hand­lung bereits erfolgt ist. Nicht anfecht­bar ist des­halb die Weg­ga­be einer Sache, die nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens der Aus­son­de­rung unter­le­gen hät­te 2.

Dabei han­delt es sich nicht etwa um einen insol­venz­recht­lich unbe­acht­li­chen hypo­the­ti­schen Kau­sal­ver­lauf 3. Es geht nicht um die Fra­ge, ob die ange­foch­te­ne Rechts­hand­lung auf ande­rem, insol­venz­an­fech­tungs­recht­lich unbe­denk­li­chem Wege hät­te vor­ge­nom­men wer­den kön­nen. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob der Gegen­stand der Insol­venz­an­fech­tung dem Schuld­ner­ver­mö­gen zuge­rech­net wer­den kann.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 27. Juli 2016 – 9 U 34/​16

  1. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – IX ZR 235/​12, ZIP 2013, 1127 Rn. 16 mwN, st. Rspr.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.04.2006 – IX ZR 185/​04, ZIP 2006, 1009 Rn. 22; vom 23.09.2010 – IX ZR 212/​09, ZIP 2010, 2009 Rn. 10 f[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 14.05.2009 – IX ZR 63/​08, BGHZ 181, 132 Rn. 28[]