Vor­keh­run­gen für den Fall der Erkran­kung des Rechts­an­walts

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss ein Rechts­an­walt all­ge­mei­ne Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass das zur Wah­rung von Fris­ten Erfor­der­li­che auch dann unter­nom­men wird, wenn er unvor­her­ge­se­hen aus­fällt. Er muss sei­nem Per­so­nal die not­wen­di­gen all­ge­mei­nen Anwei­sun­gen für einen sol­chen Fall geben. Ist er als Ein­zel­an­walt ohne eige­nes Per­so­nal tätig, muss er ihm zumut­ba­re Vor­keh­run­gen für einen Ver­hin­de­rungs­fall, z.B. durch Abspra­che mit einem ver­tre­tungs­be­rei­ten Kol­le­gen tref­fen 1. Durch kon­kre­te Maß­nah­men im Ein­zel­fall muss sich der Rechts­an­walt aller­dings nur dann vor­be­rei­ten, wenn er einen sol­chen kon­kre­ten Aus­fall vor­her­se­hen kann 2.

Vor­keh­run­gen für den Fall der Erkran­kung des Rechts­an­walts

Ein Rechts­an­walt muss zwar, wenn er unvor­her­ge­se­hen erkrankt, nur das, aber auch alles zur Frist­wah­rung unter­neh­men, was ihm dann mög­lich und zumut­bar ist 3.

Die unvor­her­ge­se­he­ne Erkran­kung kann den Rechts­an­walt zwar außer­stan­de set­zen, noch irgend­wel­che frist­wah­ren­den Maß­nah­men zu ergrei­fen 4.

So lag es hier jedoch im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nach der anwalt­li­chen Ver­si­che­rung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers nicht: Danach litt er an einer Ent­er­i­tis mit Diar­rhoe, Übel­keit und Erbre­chen und konn­te das Haus nicht ver­las­sen. Dar­aus ergibt sich indes nicht, dass er auf Grund die­ser Erkran­kung nicht in der Lage gewe­sen wäre, einen Ver­tre­ter zu benach­rich­ti­gen und die­sen zu bit­ten, in der Sache um Ver­län­ge­rung der Frist zu bit­ten, die, da es sich um die ers­te Frist­ver­län­ge­rung gehan­delt hät­te, auch nicht auf­wen­dig hät­te begrün­det wer­den müs­sen 5. Sei­ner anwalt­li­chen Ver­si­che­rung ist, wie gesagt, auch nicht zu ent­neh­men, dass er Abspra­chen mit einer Ver­tre­tung, die er hät­te bit­ten kön­nen, getrof­fen hät­te. Die­ses schuld­haf­te Ver­säum­nis wirk­te sich in dem jetzt ein­ge­tre­te­nen Ver­hin­de­rungs­fall aus.

In die­ser Hin­sicht unter­schei­det sich der Fall des Klä­gers von dem Fall, der dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 18.09.2008 6 zugrun­de lag. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin in jenem Fall hat­te für eine Ver­tre­tung Vor­sor­ge getrof­fen 7. Außer­dem war er bett­lä­ge­rig und so schwer erkrankt, dass er selbst den bereit ste­hen­den Ver­tre­ter nicht mehr hat­te ver­stän­di­gen kön­nen 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2013 – V ZB 94/​13

  1. BGH, Beschlüs­se vom 06.03.1990 – VI ZB 4/​90, VersR 1990, 1026 und vom 18.05.1994 – XII ZB 62/​94, Fam­RZ 1994, 1520[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 18.10.1984 – III ZB 13/​84, VersR 1985, 139, 140 und Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 23.11.1995 – V ZB 20/​95, NJW 1996, 997, 998 und vom 18.09.2008 – V ZB 32/​08, NJW 2008, 3571, 3572 Rn. 9[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 11.03.1987 – VIII ZB 2/​87, VersR 1987, 785, 786, vom 06.03.1990 – VI ZB 4/​90, VersR 1990, 1026 und vom 08.02.2000 – XI ZB 20/​99, juris Rn. 12; Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 18.09.2003 – V ZB 23/​03, Fam­RZ 2004, 182 und vom 18.09.2008 – V ZB 32/​08, NJW 2008, 3571, 3572 Rn. 9[]
  4. BGH, Beschluss vom 18.09.2008 – V ZB 32/​08, NJW 2008, 3571, 3572 Rn. 12[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 10.06.2010 – V ZB 42/​10, NJW-RR 2011, 285 Rn. 8, 10[]
  6. V ZB 32/​08, NJW 2008, 3571[]
  7. BGH, Beschluss vom 18.09.2008 – V ZB 3/​08, NJW 2008, 3571, 3572 Rn. 11[]
  8. BGH, aaO Rn. 12[]