Wert­er­satz bei Ver­trags­rück­tritt wegen Zah­lungs­ver­zug

Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te dar­über zu ent­schei­den, wie nach einem Rück­tritt vom Ver­trag wegen Zah­lungs­ver­zugs der Wert­er­satz zu bemes­sen ist, wenn dem Rück­tritts­geg­ner die Rück­ge­währ der emp­fan­ge­nen Leis­tung auf­grund einer Wei­ter­ver­äu­ße­rung nicht mehr mög­lich ist und er des­halb Wert­er­satz schul­det.

Wert­er­satz bei Ver­trags­rück­tritt wegen Zah­lungs­ver­zug

Die Klä­ge­rin ver­äu­ßer­te dem Beklag­ten im Juli 2005 den Wal­lach "Locar­no". Als Gegen­leis­tung soll­te der Beklag­te "alle Auf­wen­dun­gen über­neh­men", die der damals 17-jäh­ri­gen Klä­ge­rin "bis zur Ertei­lung der Fahr­erlaub­nis­klas­se B ent­ste­hen" wür­den. Zunächst erteil­te der Beklag­te, der Fahr­leh­rer ist, der Klä­ge­rin selbst Fahr­stun­den. Spä­ter wech­sel­te die Klä­ge­rin im Ein­ver­neh­men mit dem Beklag­ten zu einer ande­ren Fahr­schu­le. Nach dem Abschluss ihrer Fahr­aus­bil­dung for­der­te die Klä­ge­rin den Beklag­ten auf, die Rech­nung der Fahr­schu­le zu beglei­chen. Nach­dem der Beklag­te damit in Ver­zug gekom­men war, erklär­te die Klä­ge­rin den Rück­tritt vom Ver­trag und ver­lang­te die Rück­über­eig­nung des Pfer­des. Der Beklag­te sah sich dazu nicht in der Lage, weil er das Pferd zwi­schen­zeit­lich sei­ner Toch­ter über­eig­net hat­te.

Die Klä­ge­rin ver­langt nun­mehr Wert­er­satz in Höhe von 6.000 € mit der Begrün­dung, die­ser Betrag ent­spre­che dem Ver­kehrs­wert des Pfer­des. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beru­fung der Klä­ge­rin hat­te zum Teil Erfolg. Das Ober­lan­des­ge­richt hat den Beklag­ten ver­ur­teilt, an die Klä­ge­rin 2.290,72 € nebst Zin­sen zu zah­len. Die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin, mit der sie ihre Kla­ge­for­de­rung in vol­ler Höhe wei­ter­ver­folg­te, hat­te kei­nen Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die Klä­ge­rin auf­grund ihres wirk­sa­men Rück­tritts Wert­er­satz von dem Beklag­ten ver­lan­gen kann, weil ihm die Rück­ga­be des über­eig­ne­ten Pfer­des auf­grund der Ver­äu­ße­rung an sei­ne Toch­ter nicht mehr mög­lich ist. Die Bemes­sung des Wert­er­sat­zes rich­tet sich gemäß § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB nicht nach dem Ver­kehrs­wert des Pfer­des, son­dern nach dem Wert der Gegen­leis­tung, im vor­lie­gen­den Fall also nach den vom Beklag­ten zu über­neh­men­den Auf­wen­dun­gen für die Fahr­aus­bil­dung, die nach den von den Par­tei­en nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts mit 2.290,72 € zu ver­an­schla­gen sind.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat es abge­lehnt, die Bestim­mung des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB – im Wege einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on – nicht anzu­wen­den, wenn sich der Rück­tritts­geg­ner – wie hier der Beklag­te – in Zah­lungs­ver­zug befin­det und der Wert der Leis­tung, für die er Wert­er­satz schul­det, höher ist als der Wert der Gegen­leis­tung. Aus dem Wort­laut der Vor­schrift und den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ergibt sich kein Anhalts­punkt dafür, dass im Fal­le des Rück­tritts wegen Zah­lungs­ver­zugs nicht der Wert der Gegen­leis­tung, son­dern der Ver­kehrs­wert der emp­fan­ge­nen Leis­tung maß­geb­lich sein soll. Ange­sichts der ein­deu­ti­gen gesetz­li­chen Rege­lung fehlt es an einer Grund­la­ge für eine Ein­schrän­kung des Anwen­dungs­be­reichs des § 346 Abs. 2 Satz 2 BGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2008 – VIII ZR 311/​07