Stra­ßen­bäu­me

Schwe­re Gewit­ter­stür­me mit umge­stürz­ten Bäu­men und abge­ris­se­nen Ästen sind inzwi­schen auch in unse­ren Brei­ten­gra­den kei­ne Sel­ten­heit mehr. Das gefähr­det aber nicht nur den Baum­be­stand zuneh­mend. Auch das Haf­tungs­ri­si­ko für Eigen­tü­mer von Bäu­men steigt ste­tig. Denn gera­de bei Stra­ßen­bäu­men haben sie sehr weit gehen­de Kon­troll- und Pfle­ge­pflich­ten.

Stra­ßen­bäu­me

Das zeigt beson­ders deut­lich ein jetzt ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Land­ge­richts Coburg, wonach auch bei einem gesun­den Stra­ßen­baum Wachs­tums­auf­fäl­lig­kei­ten Anlass für wei­te­re Unter­su­chun­gen und Siche­rungs­maß­nah­men sein kön­nen. Weil ein Wald­ei­gen­tü­mer sol­che unter­las­sen hat­te, wur­de er zur Zah­lung von rund 6.600 € Scha­dens­er­satz an einen Auto­fah­rer wegen eines auf eine Stra­ße gestürz­ten Astes ver­ur­teilt.

Der Klä­ger fuhr nichts Böses ahnend mit sei­nem Pkw auf einer Kreis­stra­ße durch ein Wald­ge­biet. Plötz­lich brach von einer Rot­bu­che ein gro­ßer Ast ab und fiel direkt vor dem Auto auf die Fahr­bahn. Der Klä­ger konn­te einen Zusam­men­stoß mit dem Baum­teil nicht mehr ver­hin­dern. Er blieb unver­letzt, an sei­nem Fahr­zeug ent­stand jedoch ein Scha­den von rund 6.600 €. Den woll­te er vom Eigen­tü­mer der Rot­bu­che (einem staat­li­chen Forst­be­trieb) ersetzt haben, weil der den Baum­be­stand nach einem schwe­ren Gewit­ter­sturm sechs Wochen vor dem Unfall nicht aus­rei­chend kon­trol­liert habe. Der Beklag­te ver­tei­dig­te sich damit, dass der Baum äußer­lich völ­lig gesund gewe­sen sei.

Das Land­ge­richt Coburg gab aber dem Klä­ger nach Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens Recht. Zwar war die Rot­bu­che tat­säch­lich gesund. Doch sie hat­te einen ungüns­ti­gen Ver­ga­be­lungs­auf­bau („Druck­zwie­sel“), der als struk­tu­rel­le Schwach­stel­le im Kro­nen­auf­bau und daher prin­zi­pi­ell aus­bruch­ge­fähr­det ein­zu­stu­fen war. Die­se Wachs­tums­auf­fäl­lig­keit war für die Mit­ar­bei­ter des Forst­be­trie­bes pro­blem­los erkenn­bar. Dass gleich­wohl kei­ne wei­te­ren Unter­su­chun­gen – gege­be­nen­falls auch unter Hin­zu­zie­hung eines Fach­man­nes – und die not­wen­di­gen Siche­rungs­maß­nah­men ver­an­lasst wur­den, begrün­de­te die Haf­tung des Beklag­ten.

Wer als Eigen­tü­mer eines Stra­ßen­baums zu sel­ten zur Säge greift, sägt letzt­lich an dem wirt­schaft­li­chen Ast, auf dem er sitzt.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 16. Janu­ar 2008 – 12 O 471/​06 (rechts­kräf­tig)