Abs­trak­te Scha­dens­schät­zung

Nach § 287 Abs. 1 ZPO ent­schei­det der Tatrich­ter unter Wür­di­gung aller Umstän­de nach frei­er Über­zeu­gung, ob ein Scha­den ent­stan­den ist und wie hoch er ist. Die Schät­zung eines Scha­dens darf nur dann unter­blei­ben, wenn sie man­gels kon­kre­ter Anhalts­punk­te voll­kom­men "in der Luft hin­ge" und daher will­kür­lich wäre. Eine völ­lig abs­trak­te Berech­nung eines Scha­dens, auch in Form eines Min­dest­scha­dens, ist unzu­läs­sig. Dies gilt auch bei unlau­te­rer Abwer­bung von Mit­ar­bei­tern eines Kon­kur­renz­un­ter­neh­mens.

Abs­trak­te Scha­dens­schät­zung

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit befasst sich die Klä­ge­rin sich mit dem Bau von Ver­kehrs­we­gen. Im April 2005 wur­de über das Ver­mö­gen ihrer frü­he­ren Mut­ter­ge­sell­schaft das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Die Geschäfts­an­tei­le der Klä­ge­rin wur­den an einen ande­ren Bau­kon­zern ver­äu­ßert. Auch die Beklag­te war am Erwerb der Klä­ge­rin inter­es­siert gewe­sen. Sie grün­de­te nach Schei­tern der Ver­hand­lun­gen eine eige­ne Gesell­schaft für Ver­kehrs­we­ge­bau und schloss mit Füh­rungs­per­so­nal der Klä­ge­rin Arbeits­ver­trä­ge. Im unmit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zusam­men­hang wur­den Daten der Klä­ge­rin genutzt und gelöscht.

Die Klä­ge­rin hat der Beklag­ten vor­ge­wor­fen, wett­be­werbs­wid­rig Mit­ar­bei­ter abge­wor­ben zu haben und Scha­dens­er­satz für ein­ge­tre­te­ne Ver­lus­te in den Jah­ren 2005 und 2006 in Höhe von etwa 46 Mio. € ver­langt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf hat in der Vor­in­stanz die Kla­ge abge­wie­sen 1: Die Beklag­te habe sich zwar wett­be­werbs­wid­rig ver­hal­ten. Es feh­le jedoch an greif­ba­ren Anhalts­punk­ten, um den Scha­den schät­zen zu kön­nen.

Die gegen die­ses kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil ein­ge­leg­te Revi­si­on der Klä­ge­rin blieb vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ohne Erfolg: Unter Beach­tung des revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fungs­maß­sta­bes sah es das Bun­des­ar­beits­ge­richt als nicht zu bean­stan­den an, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf man­gels greif­ba­rer Anhalts­punk­te kei­ne Schät­zung eines Scha­dens vor­ge­nom­men und die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, ein hin­rei­chen­der Zusam­men­hang zwi­schen den Abwer­bun­gen und den ein­ge­tre­te­nen Ver­lus­ten sei nicht erkenn­bar gewor­den.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2012 – 10 AZR 370/​10

  1. LAG Düs­sel­dorf, Urteil vom 23.02.2010 – 17 Sa 1133/​08[]