Aus­schluss­an­trag gegen ein Betriebs­rats­mit­glied – und die zwi­schen­zeit­li­che Neu­wahl

Der Antrag, die Betei­lig­te aus dem Betriebs­rat aus­zu­schlie­ßen, ist unzu­läs­sig, wenn das Rechts­schutz­in­ter­es­se an der begehr­ten Ent­schei­dung im Lau­fe des Ver­fah­rens durch die Neu­wahl des Betriebs­rats ent­fal­len ist, auch wenn die Betei­lig­te wie­der­um Mit­glied auch die­ses Betriebs­rats ist.

Aus­schluss­an­trag gegen ein Betriebs­rats­mit­glied – und die zwi­schen­zeit­li­che Neu­wahl

Der neu gewähl­te Betriebs­rat ist mit sei­nem Vor­gän­ger nicht iden­tisch. Der Betriebs­rat besteht nur für die Dau­er sei­ner Amts­zeit. Er ist – anders als der Gesamt­be­triebs­rat und der Kon­zern­be­triebs­rat [1] – kei­ne Dau­er­ein­rich­tung. Das Gesetz geht viel­mehr von dem jeweils amtie­ren­den Betriebs­rat aus. Nach § 21 BetrVG beginnt die Amts­zeit des Betriebs­rats "mit der Wahl" oder, wenn zu die­ser Zeit noch ein Betriebs­rat besteht, "mit Ablauf von des­sen Amts­zeit". Das Gesetz stellt damit den bis­he­ri­gen dem neu gewähl­ten Betriebs­rat gegen­über. In glei­cher Wei­se unter­schei­det das Gesetz in § 22 BetrVG für die Fäl­le der (vor­zei­ti­gen) Neu­wahl des Betriebs­rats zwi­schen dem alten und dem neu­en Betriebs­rat [2].

Das Bestehen eines Rechts­schutz­in­ter­es­ses ist Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung für eine Sach­ent­schei­dung des Gerichts und des­halb in jeder Lage des Ver­fah­rens, auch noch in der Rechts­be­schwer­de­instanz, von Amts wegen zu prü­fen. Das Rechts­schutz­in­ter­es­se fehlt, wenn die begehr­te gericht­li­che Ent­schei­dung für die Betei­lig­ten kei­ne recht­li­che Wir­kung mehr ent­fal­ten kann [3].

Das ist bei dem Antrag auf Aus­schlie­ßung der Betriebs­rä­tin aus dem im Jahr 2010 gewähl­ten Betriebs­rat der Fall. Die Amts­zeit des im Jahr 2010 gewähl­ten Betriebs­rats hat gemäß § 21 Satz 3 iVm. § 13 Abs. 1, Abs. 3 Satz 1 BetrVG spä­tes­tens am 31.05.2014 geen­det. Damit kann sich eine Ent­schei­dung über den Aus­schluss der (hier: 2014 wie­der­ge­wähl­ten) Betriebs­rä­tin aus die­sem Betriebs­rat für die Betei­lig­ten nicht mehr aus­wir­ken, da der gestal­ten­de Beschluss nach § 23 Abs. 1 BetrVG kei­ne Rück­wir­kung ent­fal­tet, son­dern nur für die Zukunft wirkt [4]. Inso­weit gilt nichts ande­res als für einen Wahl­an­fech­tungs­an­trag. Die­ser wird mit Ablauf der Amts­zeit des Betriebs­rats wegen des Weg­falls des Rechts­schutz­in­ter­es­ses unzu­läs­sig [5].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 18. Mai 2016 – 7 ABR 81/​13

  1. vgl. dazu BAG 15.10.2014 – 7 ABR 53/​12, Rn. 33, BAGE 149, 261; 9.02.2011 – 7 ABR 11/​10, Rn. 42, BAGE 137, 123; 22.06.2005 – 7 ABR 30/​04, zu B II der Grün­de[]
  2. BAG 29.04.1969 – 1 ABR 19/​68, zu II B 2 d der Grün­de[]
  3. BAG 9.09.2015 – 7 ABR 47/​13, Rn. 12; 18.03.2015 – 7 ABR 6/​13, Rn. 16; 16.04.2008 – 7 ABR 4/​07, Rn. 13[]
  4. BAG 29.04.1969 – 1 ABR 19/​68, zu II B 2 b, 4 der Grün­de; 8.12 1961 – 1 ABR 8/​60, zu II 3 a der Grün­de, BAGE 12, 107[]
  5. vgl. BAG 9.09.2015 – 7 ABR 47/​13, Rn. 11 ff.[]