Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung – Abbau einer Hier­ar­chie­ebe­ne

Drin­gen­de betrieb­li­che Erfor­der­nis­se für eine Kün­di­gung im Sin­ne von § 1 Abs. 2 KSchG kön­nen sich aus inner­be­trieb­li­chen oder außer­be­trieb­li­chen Grün­den erge­ben. Inner­be­trieb­li­che Grün­de lie­gen vor, wenn sich der Arbeit­ge­ber zu einer orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­me ent­schließt, bei deren betrieb­li­cher Umset­zung das Bedürf­nis für die Wei­ter­be­schäf­ti­gung eines oder meh­re­rer Arbeit­neh­mer ent­fällt. Die­se unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ist gericht­lich nicht auf ihre sach­li­che Recht­fer­ti­gung oder ihre Zweck­mä­ßig­keit hin zu über­prü­fen, son­dern nur dar­auf, ob sie offen­sicht­lich unsach­lich, unver­nünf­tig oder will­kür­lich ist1. Von den Arbeits­ge­rich­ten nach­zu­prü­fen ist dage­gen, ob die frag­li­che Ent­schei­dung tat­säch­lich voll­zo­gen wur­de und dadurch das Beschäf­ti­gungs­be­dürf­nis für ein­zel­ne Arbeit­neh­mer ent­fal­len ist2.

Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung – Abbau einer Hier­ar­chie­ebe­ne

Aller­dings kann in Fäl­len, in denen die Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung des Arbeit­ge­bers und sein Kün­di­gungs­ent­schluss prak­tisch deckungs­gleich sind, die ansons­ten berech­tig­te Ver­mu­tung, die frag­li­che Ent­schei­dung sei aus sach­li­chen Grün­den erfolgt, nicht unbe­se­hen grei­fen. In die­sen Fäl­len muss der Arbeit­ge­ber viel­mehr kon­kre­te Anga­ben dazu machen, wie sich sei­ne Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung auf die Ein­satz­mög­lich­kei­ten der Arbeit­neh­mer aus­wirkt3.

Läuft die unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung letzt­lich nur auf den Abbau einer Hier­ar­chie­ebe­ne hin­aus ver­bun­den mit einer Umver­tei­lung der dem betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer bis­her zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben, bedarf es dem­entspre­chend nähe­rer Dar­le­gun­gen, damit geprüft wer­den kann, ob der Beschäf­ti­gungs­be­darf für den betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer tat­säch­lich ent­fal­len und die Ent­schei­dung weder offen­sicht­lich unsach­lich noch will­kür­lich ist. Der Arbeit­ge­ber muss kon­kret erläu­tern, in wel­chem Umfang und auf­grund wel­cher Maß­nah­men die bis­her von dem betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer aus­ge­üb­ten Tätig­kei­ten für die­sen zukünf­tig ent­fal­len. Er muss die Aus­wir­kun­gen sei­ner unter­neh­me­ri­schen Vor­ga­ben auf die zukünf­ti­ge Arbeits­men­ge anhand einer schlüs­si­gen Pro­gno­se kon­kret dar­stel­len und ange­ben, wie die anfal­len­den Arbei­ten vom ver­blie­be­nen Per­so­nal ohne über­ob­li­ga­ti­ons­mä­ßi­ge Leis­tun­gen erle­digt wer­den kön­nen4.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – 2 AZR 770/​09

  1. BAG 10.06.2008 – 2 AZR 1111/​06, Rn. 24 mwN, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 181 = EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 163; 18. Okto­ber 2006 – 2 AZR 434/​05 – Rn. 31, EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 151
  2. BAG 10.07.2008 – 2 AZR 1111/​06 – aaO; 17.06.1999 – 2 AZR 522/​98, BAGE 92, 61
  3. BAG 18.03.2010 – 2 AZR 337/​08, Rn. 20, EzA BGB 2002 § 626 Unkünd­bar­keit Nr. 17; 10.07.2008 – 2 AZR 1111/​06 Rn. 26, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 181 = EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 163
  4. BAG 13.02.2008 – 2 AZR 1041/​06, Rn. 16 mwN, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 174 = EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 158; 10.10.2002 – 2 AZR 598/​01, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 123 = EzA KSchG § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 122