Das auf­lö­send beding­te Arbeits­ver­hält­nis – und die Kla­ge­frist für die Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge

Die (hier: in § 33 Abs. 2 Satz 1 TV‑L gere­gel­te) auf­lö­sen­de Bedin­gung gilt nach §§ 21, 17 Satz 2 TzB­fG iVm. § 7 Halbs. 1 KSchG als wirk­sam und als ein­ge­tre­ten, wenn die Arbeit­neh­me­rin nicht recht­zei­tig inner­halb der Drei­wo­chen­frist der §§ 21, 17 Satz 1 und Satz 3, § 15 Abs. 2 TzB­fG Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge erhebt.

Das auf­lö­send beding­te Arbeits­ver­hält­nis – und die Kla­ge­frist für die Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge

Die Kla­ge­frist nach §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG ist auch dann ein­zu­hal­ten, wenn nicht die Wirk­sam­keit der auf­lö­sen­den Bedin­gung, son­dern deren tat­säch­li­cher Ein­tritt geklärt wer­den soll. Ob die auf­lö­sen­de Bedin­gung ein­ge­tre­ten ist, hängt in der Regel von der Aus­le­gung der tarif­li­chen oder ein­zel­ver­trag­li­chen Bedin­gungs­ab­re­de ab. Die Fra­ge des Ein­tritts der auf­lö­sen­den Bedin­gung ist des­we­gen häu­fig nahe­zu unlös­bar mit der Beur­tei­lung der Rechts­wirk­sam­keit der Bedin­gungs­ab­re­de ver­knüpft. So kann nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts bei auf­lö­sen­den Bedin­gun­gen, die an eine Ren­ten­ge­wäh­rung wegen Erwerbs­min­de­rung anknüp­fen, vor allem aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung gebo­ten sein. Sie dient der Wirk­sam­keit der Bedin­gungs­ab­re­de. Die Wirk­sam­keit der Bedin­gung kor­re­spon­diert mit ihren Vor­aus­set­zun­gen. Die Aus­le­gung und die Prü­fung der Wirk­sam­keit tarif­li­cher auf­lö­sen­der Bedin­gun­gen sind inein­an­der ver­schränkt. Die Aus­le­gung der Bedin­gungs­ab­re­de ist maß­geb­lich dafür, ob die Bedin­gung ein­ge­tre­ten ist. Wegen des fast untrenn­ba­ren Zusam­men­hangs der Wirk­sam­keit und des Ein­tritts der auf­lö­sen­den Bedin­gung sind bei­de Fra­gen Gegen­stand der Bedin­gungs­kon­troll­kla­ge1.

Die drei­wö­chi­ge Kla­ge­frist nach §§ 21, 17 Satz 1 TzB­fG beginnt bei Bedin­gungs­kon­troll­kla­gen grund­sätz­lich mit dem Tag, an dem die auf­lö­sen­de Bedin­gung ein­ge­tre­ten ist. Da aber nach §§ 21, 15 Abs. 2 TzB­fG der auf­lö­send beding­te Arbeits­ver­trag frü­hes­tens zwei Wochen nach Zugang der schrift­li­chen Unter­rich­tung des Arbeit­neh­mers durch den Arbeit­ge­ber über den Ein­tritt der Bedin­gung endet, wird in den Fäl­len, in denen die Bedin­gung bereits vor Ablauf der Zwei­wo­chen­frist ein­ge­tre­ten ist, die Kla­ge­frist gemäß §§ 21, 17 Satz 1 und Satz 3, § 15 Abs. 2 TzB­fG erst mit dem Zugang der schrift­li­chen Erklä­rung des Arbeit­ge­bers, das Arbeits­ver­hält­nis sei auf­grund des Ein­tritts der Bedin­gung been­det, in Lauf gesetzt2.

Danach beginnt die Kla­ge­frist im vor­lie­gen­den Fall mit Zugang der Been­di­gungs­mit­tei­lung des Arbeit­ge­bers bei der Arbeit­neh­me­rin.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. März 2016 – 7 AZR 827/​13

  1. st. Rspr. seit BAG 6.04.2011 – 7 AZR 704/​09, Rn. 18 ff., BAGE 137, 292; 10.10.2012 – 7 AZR 602/​11, Rn. 12 f.; 23.07.2014 – 7 AZR 771/​12, Rn. 18, BAGE 148, 357; 14.01.2015 – 7 AZR 880/​13, Rn. 13
  2. st. Rspr. seit BAG 6.04.2011 – 7 AZR 704/​09, Rn. 22, BAGE 137, 292; 10.10.2012 – 7 AZR 602/​11, Rn. 14; 23.07.2014 – 7 AZR 771/​12, Rn.19, BAGE 148, 357; 14.01.2015 – 7 AZR 880/​13, Rn. 14