Der ein­ge­klag­te Abfin­dungs­an­spruch – und der Streit­ge­gen­stand

Nach dem für das arbeits­ge­richt­li­che Urteils­ver­fah­ren gel­ten­den zwei­glied­ri­gen Streit­ge­gen­stands­be­griff wird der Gegen­stand eines gericht­li­chen Ver­fah­rens durch den dort gestell­ten Antrag (Kla­ge­an­trag) und dem ihm zugrun­de lie­gen­den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund) bestimmt.

Der ein­ge­klag­te Abfin­dungs­an­spruch – und der Streit­ge­gen­stand

Der Streit­ge­gen­stand erfasst alle Tat­sa­chen, die bei einer natür­li­chen; vom Stand­punkt der Par­tei­en aus­ge­hen­den, den Sach­ver­halt sei­nem Wesen nach erfas­sen­den Betrach­tungs­wei­se zu dem zur Ent­schei­dung gestell­ten Tat­sa­chen­kom­plex gehö­ren, den der Klä­ger zur Stüt­zung sei­nes Rechts­schutz­be­geh­rens dem Gericht unter­brei­tet hat1.

Das Vor­brin­gen des Beklag­ten oder eige­nes Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gen des Klä­gers gegen­über dem Beklag­ten­vor­trag ver­än­dert den mit Antrag und Kla­ge­vor­brin­gen fest­ge­leg­ten Streit­ge­gen­stand nicht2.

Ver­langt der einen Abfin­dungs­be­trag aus einem Sozi­al­plan ein­kla­gen­de Arbeit­neh­mer mit sei­nem Kla­ge­an­trag aus­drück­lich eine Net­to­zah­lung, weil es Sache der beklag­ten Arbeit­ge­be­rin sei, einen Anspruch auf Net­to­ab­si­che­rung "zu brut­toi­sie­ren", also den Brut­to­be­trag zu berech­nen und unter Berück­sich­ti­gung der ent­spre­chen­den Abzü­ge den ver­blei­ben­den Net­to­be­trag an ihn aus­zu­zah­len, so ist danach Gegen­stand der Kla­ge die im Ein­zel­nen bezif­fer­te Net­to­ab­fin­dung. Die­se dient nicht bloß der Berech­nung einer Brut­to­for­de­rung, son­dern in ihr erschöpft sich die Kla­ge­for­de­rung.

Das auf eine Net­to­ab­si­che­rung gerich­te­te Kla­ge­be­geh­ren kann das Gericht nicht unter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts3 in einen Brut­to­zahl­be­trag glei­cher Höhe umwan­deln. Durch das Strei­chen des Zusat­zes "net­to" hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht bloß ver­deut­licht, was von Geset­zes wegen hin­sicht­lich der einen Arbeit­neh­mer tref­fen­den Leis­tungs­pflicht für Steu­er- und/​oder Sozi­al­ab­ga­ben gilt (§ 38 Abs. 2 EStG, § 28g SGB IV). Viel­mehr hat es den Streit­ge­gen­stand aus­ge­wech­selt und auf eine Sozi­al­plan­for­de­rung erkannt, die der Klä­ger nicht ver­langt hat und die auch der Höhe nach nicht dem sich nach einer Net­to­ab­si­che­rung in der ein­ge­klag­ten Höhe errech­nen­den Brut­to­be­trag ent­spricht.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. Novem­ber 2017 – 1 AZR 131/​17

  1. BAG 26.06.2013 – 5 AZR 428/​12, Rn. 16 []
  2. BAG 18.11.2014 – 1 AZR 257/​13, Rn. 15, BAGE 150, 50 mwN []
  3. BAG 17.02.2016 – 5 AZN 981/​15, Rn. 5, BAGE 154, 116 []