Der ein­ge­for­der­te Min­dest­lohn

Seit Anfang die­sen Jah­res gilt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land der gesetz­li­che Min­dest­lohn – aber immer noch wird von eini­gen Arbeit­ge­bern ver­sucht, die­se zu zah­len­den 8,50 Euro zu umge­hen. So ist die Her­ab­set­zung der Stun­den­zahl ein sehr belieb­tes Mit­tel, um dem Arbeit­neh­mer nicht mehr Lohn zah­len zu müs­sen.

Der ein­ge­for­der­te Min­dest­lohn

Aller­dings kann ein Arbeit­ge­ber nicht will­kür­lich die Arbeits­zeit her­ab­set­zen, wenn der Arbeit­neh­mer auf Min­dest­lohn besteht. Die­se Ände­rung der Arbeits­be­din­gun­gen muss der Arbeit­neh­mer nicht anneh­men. Wie das Arbeits­ge­richt Ber­lin kürz­lich ent­schie­den hat, ist eine Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses nach der Gel­tend­ma­chung des Min­dest­lohns eben­falls unwirk­sam. Wer als Arbeit­neh­mer sei­nen gesetz­li­chen Min­dest­lohn ein­for­dern muss und sich mit einer Kün­di­gung kon­fron­tiert sieht, tut gut dar­an, nicht auf­zu­ge­ben und mit einem Anwalt für Arbeits­recht um sein Recht zu kämfpen.

Das Gesetz zur Rege­lung eines all­ge­mei­nen Min­dest­lohns, das Min­dest­lohn­ge­setz, ist am 16. August 2014 in Kraft getre­ten und sichert dem Arbeit­neh­mer seit dem 1. Janu­ar 2015 einen Min­dest­lohn von 8,50 Euro brut­to je Stun­de zu. Aller­dings gibt es für die­se Rege­lung bis zum Jah­re 2017 noch eini­ge Aus­nah­men. So dür­fen Bran­chen­min­dest­löh­ne noch bis Ende 2017 nied­ri­ger sein als der all­ge­mei­ne Min­dest­lohn. Grund­sätz­lich wird ein Bran­chen­min­dest­lohn nicht vom all­ge­mei­nen Min­dest­lohn ver­drängt, wenn er höher als die­ser ist. Bei der Umset­zung des Min­dest­lohn­ge­set­zes kommt es hin und wie­der zu Schwie­rig­kei­ten:

Im Fal­le des vom Arbeits­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall hat ein Haus­meis­ter den Min­dest­lohn von 8,50 Euro von sei­nem Arbeit­ge­ber ver­langt. Sein Stun­den­lohn lag mit einer regel­mä­ßi­gen wöchent­li­chen Arbeits­zeit von 14 Stun­den und einer Ver­gü­tung von monat­lich 315,00 Euro bei 5,19 Euro. Das Ange­bot des Arbeit­ge­bers, die Arbeits­zeit auf monat­lich 32 Stun­den her­ab­zu­set­zen bei einer Ver­gü­tung von 325,00 Euro – was einen Stun­den­lohn 10,15 Euro ergab – hat der Haus­meis­ter abge­lehnt. Dar­auf­hin kün­dig­te der Arbeit­ge­ber das Arbeits­ver­hält­nis.

Nach Auf­fas­sung des Arbeits­ge­richts Ber­lin ist die­se Kün­di­gung unwirk­sam, da sie eine nach § 612 a BGB ver­bo­te­ne Maß­re­ge­lung sei. Die Kün­di­gung durch den Arbeit­ge­ber sei des­halb aus­ge­spro­chen wor­den, weil der Haus­meis­ter (in zuläs­si­ger Wei­se) den gesetz­li­chen Min­dest­lohn gefor­dert habe.

Arbeits­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 17. April 2015 – 28 Ca 2405/​15