Die sub­jek­ti­ve Sei­te des Lohn­wu­chers

In sub­jek­ti­ver Hin­sicht ver­langt der Tat­be­stand des Lohn­wu­chers eine Aus­beu­tung der Zwangs­la­ge, der Uner­fah­ren­heit, des Man­gels an Urteils­ver­mö­gen oder der erheb­li­chen Wil­lens­schwä­che eines ande­ren. Der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand des wucher­ähn­li­chen Geschäfts erfor­dert eine ver­werf­li­che Gesin­nung des Arbeit­ge­bers [1].

Die sub­jek­ti­ve Sei­te des Lohn­wu­chers

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.04.2009 [2] wird miss­ver­stan­den, wenn ihr ent­nom­men wird, der Arbeit­ge­ber müs­se sich im Streit­fall ent­las­ten, also einen irgend­wie indi­zier­ten sub­jek­ti­ven Tat­be­stand aus­räu­men.

Nach dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass der­je­ni­ge die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die anspruchs­be­grün­de­ten Tat­sa­chen trägt, wer den Anspruch erhebt [3], ist der Klä­ger – auch – für die Erfül­lung des sub­jek­ti­ven Tat­be­stands des Lohn­wu­chers bzw. des wucher­ähn­li­chen Geschäfts, die sei­nen Anspruch auf eine übli­che Ver­gü­tung begrün­den sol­len, dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig. Nur bei einem beson­ders gro­ben Miss­ver­hält­nis zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung, das anzu­neh­men ist, wenn der Wert der Leis­tung (min­des­tens) dop­pelt so hoch ist wie der Wert der Gegen­leis­tung, kann ein tat­säch­li­cher Schluss auf eine ver­werf­li­che Gesin­nung des Begüns­tig­ten gezo­gen wer­den. Zur Behaup­tung der ver­werf­li­chen Gesin­nung genügt in die­sem Fal­le die Beru­fung des Arbeit­neh­mers auf die tat­säch­li­che Ver­mu­tung einer ver­werf­li­chen Gesin­nung des Arbeit­ge­bers [4]. Dass die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ein­mal die Hälf­te der ver­kehrs­üb­li­chen Ver­gü­tung errei­chen wür­de, hat der Klä­ger nicht behaup­tet.

Spricht kei­ne tat­säch­li­che Ver­mu­tung für eine ver­werf­li­che Gesin­nung, bedarf es zusätz­li­cher Umstän­de, aus denen geschlos­sen wer­den kann, der Arbeit­ge­ber habe die Not oder einen ande­ren den Arbeit­neh­mer hem­men­den Umstand in ver­werf­li­cher Wei­se zu sei­nem Vor­teil aus­ge­nutzt. Dafür hat der Klä­ger nichts vor­ge­tra­gen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. Juni 2012 – 5 AZR 496/​11

  1. BAG 22.04.2009 – 5 AZR 436/​08, Rn. 26 f. mwN, BAGE 130, 338; 16.05.2012 – 5 AZR 331/​11 – und – 5 AZR 268/​11[]
  2. BAG 22.04.2009 – 5 AZR 436/​08, Rn. 27, BAGE 130, 338 unter Hin­weis auf BGH 13.06.2001 – XII ZR 49/​99 – zu 4 b der Grün­de, NJW 2002, 55[]
  3. vgl. BAG 18.04.2012 – 5 AZR 248/​11, mwN[]
  4. BAG 16.05.2012 – 5 AZR 268/​11, Rn. 36[]