Unwirk­sam­keit ein­zel­ner Bestim­mun­gen eines (all­ge­mein­ver­bind­li­chen) Tarif­ver­trags

Die Unwirk­sam­keit einer Tarif­be­stim­mung hat ent­ge­gen der Aus­le­gungs­re­gel des § 139 BGB grund­sätz­lich nicht die Unwirk­sam­keit der übri­gen tarif­li­chen Vor­schrif­ten zur Fol­ge.

Unwirk­sam­keit ein­zel­ner Bestim­mun­gen eines (all­ge­mein­ver­bind­li­chen) Tarif­ver­trags

Die Rechts­fol­ge der Unwirk­sam­keit ein­zel­ner Tarif­nor­men wegen Ver­sto­ßes gegen Geset­ze oder die Ver­fas­sung ist nicht die Gesamt­nich­tig­keit und damit die gänz­li­che Unan­wend­bar­keit des Tarif­ver­trags, son­dern nur die Unwirk­sam­keit der ver­bots­wid­ri­gen Bestim­mung oder Bestim­mun­gen.

Es kommt ledig­lich dar­auf an, ob der Tarif­ver­trag ohne die unwirk­sa­me Rege­lung noch eine sinn­vol­le und in sich geschlos­se­ne Rege­lung dar­stellt1.

Eine sol­che Teil­un­wirk­sam­keit ein­zel­ner Tarif­nor­men führt auch nicht zu einer voll­stän­di­gen Unwirk­sam­keit der All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­er­klä­rung. Die­se Rechts­fol­ge kann nicht unter Hin­weis auf dann zwangs­läu­fig bestehen­de Abwä­gungs­feh­ler her­ge­lei­tet wer­den2. Für die Recht­mä­ßig­keit einer AVE kommt es nicht auf ein­zel­ne Abwä­gungs­ele­men­te an, son­dern dar­auf, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die AVE objek­tiv erfüllt waren3. Dies ist bei einem Tarif­ver­trag, der wei­ter­hin eine in sich geschlos­se­ne Rege­lung bil­det, regel­mä­ßig auch ohne eine als rechts­wid­rig ange­se­he­ne Norm der Fall.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 21. März 2018 – 10 ABR 62/​16

  1. st. Rspr., zB BAG 16.11.2011 – 4 AZR 856/​09, Rn. 27 [zu einem Ver­stoß ein­zel­ner Tarif­nor­men gegen Bestim­mun­gen des AGG]; 9.05.2007 – 4 AZR 275/​06, Rn. 37 mwN
  2. so aber Löwisch/​Rieble TVG 4. Aufl. § 5 Rn. 91, 337
  3. BAG 21.09.2016 – 10 ABR 33/​15, Rn. 135, BAGE 156, 213