Vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit nach § 14 TVöD-AT

Wird einem Beschäf­tig­ten nur vor­über­ge­hend eine höher­wer­ti­ge Tätig­keit über­tra­gen, liegt kei­ne Höher­grup­pie­rung vor 1. Der Beschäf­tig­te bleibt viel­mehr der Ent­gelt­grup­pe zuge­hö­rig, in die er ein­grup­piert ist 2.

Vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit nach § 14 TVöD-AT

Die per­sön­li­che Zula­ge nach § 14 TVöD-AT berück­sich­tigt jedoch die mit der Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit ver­bun­de­ne beson­de­re Arbeits­schwie­rig­keit 3. Sie dient als Aus­gleich dafür, dass der öffent­li­che Arbeit­ge­ber im Rah­men sei­nes Direk­ti­ons­rechts berech­tigt ist, dem Beschäf­tig­ten vor­über­ge­hend eine höher­wer­ti­ge Tätig­keit zuzu­wei­sen 4.

Dies war bereits der Zweck der Vor­gän­ger­be­stim­mung des § 24 BAT 5.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu § 24 BAT, die für § 14 TVöD-AT her­an­ge­zo­gen wer­den kann, ist die vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung einer höher bewer­te­ten Tätig­keit an den Regeln zu mes­sen, die der Arbeit­ge­ber bei der Aus­übung sei­nes arbeits­ver­trag­li­chen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts (Direk­ti­ons­rechts) nach § 106 GewO grund­sätz­lich ein­zu­hal­ten hat.

  1. In einem ers­ten Schritt muss es bil­li­gem Ermes­sen ent­spre­chen, dem Arbeit­neh­mer die höher bewer­te­te Tätig­keit über­haupt zu über­tra­gen.
  2. In einem zwei­ten Schritt ist zu prü­fen, ob es bil­li­gem Ermes­sen ent­spricht, die­se Tätig­keit nur vor­über­ge­hend zu über­tra­gen (sog. "dop­pel­te Bil­lig­keits­prü­fung", vgl. BAG 4.07.2012 – 4 AZR 759/​10, Rn. 17 f.; zu § 24 BAT vgl. BAG 17.04.2002 – 4 AZR 174/​01, zu II 3 c der Grün­de, aaO).

Für den Fall der Ver­tre­tung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu § 24 Abs. 2 BAT ent­schie­den, dass grund­sätz­lich kei­ne Über­tra­gung einer "ande­ren Tätig­keit" iSd. Tarif­norm vor­liegt, wenn der Ange­stell­te arbeits­ver­trag­lich zum stän­di­gen Ver­tre­ter des Dienst­pos­ten­in­ha­bers bestellt ist. Die stän­di­ge Ver­tre­tung umfasst die Gesamt­heit der Dienst­auf­ga­ben des Ver­tre­te­nen bei des­sen An- und Abwe­sen­heit. Die Ver­tre­tung in Fäl­len von Urlaub oder sons­ti­ger Abwe­sen­heit gehört damit auf Dau­er zu den arbeits­ver­trag­lich aus­zu­üben­den Tätig­kei­ten des stän­di­gen Ver­tre­ters. Sie ist des­halb in die tarif­li­che Bewer­tung sei­ner Tätig­keit bei der Ein­grup­pie­rung mit ein­zu­be­zie­hen 6. Auf den zeit­li­chen Umfang der ver­tre­tungs­wei­sen Tätig­keit kommt es dabei nicht an 7. Auch bei einem Abwe­sen­heits­ver­tre­ter stellt die Ver­tre­tung kei­ne "ande­re Tätig­keit" dar. Dies gilt selbst dann, wenn die Abwe­sen­heits­ver­tre­tung für einen vor­über­ge­hen­den Zeit­raum zeit­lich über­wiegt 8. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für die Nach­fol­ge­re­ge­lung des § 14 Abs. 1 TVöD-AT 9.

Das Wei­sungs- bzw. Direk­ti­ons­recht nach § 106 GewO ist als Leis­tungs­be­stim­mungs­recht iSd. § 315 BGB ein Gestal­tungs­recht. Es wird dem­zu­fol­ge durch Gestal­tungs­er­klä­rung aus­ge­übt. Bei die­ser han­delt es sich um eine ein­sei­ti­ge emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung 10. Die Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts erfolgt durch den zustän­di­gen, wei­sungs­be­fug­ten Vor­ge­setz­ten 11. Die Zustän­dig­keit des Vor­ge­setz­ten rich­tet sich nach dem Auf­bau der Ver­wal­tung bzw. des Betriebs und nach den Dienst­vor­schrif­ten bzw. dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan 12.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. April 2015 – 6 AZR 242/​14

  1. BAG 26.07.2012 – 6 AZR 701/​10, Rn.19[]
  2. BAG 3.07.2014 – 6 AZR 1067/​12, Rn. 18[]
  3. vgl. BAG 18.01.2012 – 6 AZR 462/​10, Rn. 11[]
  4. zu § 14 TV‑L BAG 27.07.2011 – 10 AZR 484/​10, Rn.20[]
  5. BAG 11.09.2003 – 6 AZR 424/​02, zu I 1 c der Grün­de, BAGE 107, 286; 17.04.2002 – 4 AZR 174/​01, zu II 3 d der Grün­de, BAGE 101, 91[]
  6. BAG 21.10.1998 – 10 AZR 224/​98, zu II 1 der Grün­de[]
  7. BAG 29.09.1982 – 4 AZR 1161/​79, zu III der Grün­de[]
  8. BAG 24.03.1993 – 10 AZR 416/​91, zu II 2 b der Grün­de; vgl. auch 25.02.1987 – 4 AZR 217/​86[]
  9. vgl. Fie­berg in Fürst GKÖD Bd. IV E § 14 Stand Sep­tem­ber 2006 Rn. 37; Beck­OK TVöD/​Kutzki Stand 1.09.2014 TVöD-AT § 14 Rn. 7; Breier/​Dassau/​Kiefer/​Lang/​Langenbrinck TVöD Stand Dezem­ber 2007 § 14 Rn. 16; Schaub/​Treber ArbR-HdB 15. Aufl. § 183 Rn. 92[]
  10. AR/​Kolbe 7. Aufl. § 106 GewO Rn. 6; HWK/​Lembke 6. Aufl. § 106 GewO Rn. 6[]
  11. Bur­ger in Bur­ger TVöD/​TV‑L 2. Aufl. § 6 Rn. 61[]
  12. Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TVöD Stand Okto­ber 2007 Teil II/​1 Vor­be­mer­kun­gen vor § 3 Rn. 56[]