Der Anwalts­ge­richts­hof als gesetz­li­cher Rich­ter

Der Bun­des­ge­richts­hof hat aktu­ell noch­mals die Eigen­schaft des Anwalts­ge­richts­hofs als gesetz­li­cher Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) betont.

Der Anwalts­ge­richts­hof als gesetz­li­cher Rich­ter

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 und des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 2 han­delt es sich bei den Anwalts­ge­richts­hö­fen um grund­ge­setz­mä­ßi­ge unab­hän­gi­ge staat­li­che Gerich­te.

Letz­te­res gilt eben­so für den Anwalts­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs 3.

Damit steht für den Bun­des­ge­richts­hof auch die Eigen­schaft des Anwalts­ge­richts­hofs als gesetz­li­cher Rich­ter gemäß Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG außer Fra­ge.

Hier­an ändern auch die beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gi­gen und auf die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Mit­glied­schaft in Indus­trie- und Han­dels­kam­mern bezo­ge­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­den nichts. Die­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den erfor­dern, wie der Anwalts­ge­richts­hof zutref­fend ange­nom­men hat, ins­be­son­de­re nicht eine Aus­set­zung des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens bis zur Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits mehr­fach ent­schie­den, dass die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Pflicht­mit­glied­schaft in Indus­trie- und Han­dels­kam­mern mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist 4. Durch­grei­fen­de Grün­de, die eine Ände­rung die­ser Recht­spre­chung erwar­ten lie­ßen, sieht der Bun­des­ge­richts­hof nicht.

Eine grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che ver­moch­te die kla­gen­de Rechts­an­wäl­tin auch nicht mit ihrer eben­falls auf Art. 101 GG gestütz­ten Rüge dazu­le­gen, der Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des – aus sie­ben Rechts­an­wäl­ten und drei Berufs­rich­tern bestehen­den – 1. Bun­des­ge­richts­hofs des Anwalts­ge­richts­hofs des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len sehe für die Sach­be­hand­lung kei­ne Spruch­kör­per vor, son­dern ledig­lich eine Rege­lung der Ter­mins­be­tei­li­gung der Bun­des­ge­richts­hofs­mit­glie­der. Die Rechts­an­wäl­tin meint, dass es des­halb an einer rich­ter­li­chen Zustän­dig­keit im Vor­feld eines Ver­hand­lungs­ter­mins feh­le, wenn nicht der Vor­sit­zen­de sogleich einen Ter­min bestim­me, und dass zudem ande­re Rich­ter zustän­dig wür­den, wenn der Vor­sit­zen­de einen ande­ren als den theo­re­tisch mög­li­chen frü­he­ren Ver­hand­lungs­ter­min bestim­me und die­sem Ter­min ande­re Rich­ter zuge­teilt sei­en. Die Rechts­an­wäl­tin zeigt indes nicht auf, inwie­fern die von ihr ange­grif­fe­nen Gesichts­punk­te des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans im vor­lie­gen­den Fall zum Tra­gen gekom­men sei­en. Damit fehlt es bereits an der erfor­der­li­chen Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit 5 der von der Rechts­an­wäl­tin inso­weit als klä­rungs­be­dürf­tig ange­se­he­nen Rechts­fra­gen.

Soweit die Rechts­an­wäl­tin schließ­lich eine grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che dar­aus her­lei­ten will, dass ver­wal­tungs­recht­li­che Anwalts­sa­chen nicht durch die aus ihrer Sicht sach­nä­he­re Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit ent­schie­den wer­den und die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung für die Mit­glie­der der Anwalts­ge­richts­bar­keit beson­de­re Kennt­nis­se auf dem Gebiet des Ver­wal­tungs­rechts nicht vor­schrei­be, ver­kennt sie die bereits seit lan­gem höchst­rich­ter­lich erfolg­te Klä­rung, dass der Gesetz­ge­ber bei der Zuwei­sung ver­wal­tungs­recht­li­che Anwalts­sa­chen an die Anwalts­ge­richts­bar­keit inner­halb des ihm ver­fas­sungs­recht­lich zukom­men­den Spiel­raums gehan­delt hat 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2016 – AnwZ (Brfg) 61/​15

  1. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 07.10.2003 – AnwZ (B) 38/​02 4, 10; vom 06.11.2006 – AnwZ (B) 87/​05 7; vom 11.05.2010 – AnwZ (B) 110/​09 4; jeweils mwN; vgl. bereits BGH, Beschlüs­se vom 06.02.1961 – AnwZ (B) 9/​60, BGHZ 34, 235, 238 ff.; vom 06.03.1961 – AnwZ (B) 11/​60 4, inso­weit in BGHZ 34, 342 nicht abge­druckt; vom 20.03.1961 – AnwZ (B) 15/​60, BGHZ 34, 382, 384 und 386 f.; vom 13.07.1964 – AnwSt (B) 3/​64, NJW 1964, 1912; jeweils zu den frü­he­ren anwalt­li­chen Ehren­ge­richts­hö­fen[]
  2. vgl. nur BVerfG, NJW 2006, 3049, 3050 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.03.1961 – AnwZ (B) 15/​60, aaO, S. 385 ff.; vom 13.07.1964 – AnwSt (B) 3/​64, aaO; vom 07.10.2003 – AnwZ (B) 38/​02, aaO Rn. 10; BVerfG, NJW 1969, 2192[]
  4. vgl. nur BVerfGE 15, 235, 239 ff.; BVerfG, NVwZ 2002, 335, 336 f.; jeweils mwN; sie­he auch BVerw­GE 107, 169, 170 ff.; 122, 344, 349 f.; jeweils mwN[]
  5. vgl. hier­zu nur BGH, Beschlüs­se vom 04.02.2016 – AnwZ (Brfg) 59/​15 10; vom 17.03.2016 – AnwZ (Brfg) 6/​16 10; jeweils mwN[]
  6. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 20.03.1961 – AnwZ (B) 15/​60, BGHZ 34, 382, 386 f.; vom 07.10.2003 – AnwZ (B) 38/​02 4; BVerfG, NJW 1969, 2192[]