Die aus der Post­map­pe ent­nom­me­ne Ein­gangs­post – und die noch nicht notier­te Frist

Es stellt ein Ver­säum­nis des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten dar, wenn er die Aus­fer­ti­gung des ange­grif­fe­nen Beschlus­ses aus der ihm vor­ge­leg­ten Post­map­pe ent­nimmt, ohne durch Ein­zel­an­wei­sung die Notie­rung der Frist sicher­zu­stel­len.

Die aus der Post­map­pe ent­nom­me­ne Ein­gangs­post – und die noch nicht notier­te Frist

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung gehört es zu den Auf­ga­ben des Rechts­an­walts, durch ent­spre­chen­de Orga­ni­sa­ti­on sei­nes Büros dafür zu sor­gen, dass die Fris­ten ord­nungs­ge­mäß ein­ge­tra­gen und beach­tet wer­den. Der Anwalt hat sein Mög­lichs­tes zu tun, um Feh­ler­quel­len bei der Ein­tra­gung und Behand­lung von Fris­ten aus­zu­schlie­ßen [1].

Auf wel­che Wei­se der Anwalt sicher­stellt, dass die Ein­tra­gung im Fris­ten­ka­len­der und die Wie­der­vor­la­ge der Hand­ak­ten recht­zei­tig erfol­gen, steht ihm grund­sätz­lich frei. Durch die orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men muss aber sicher­ge­stellt wer­den, dass die zur wirk­sa­men Fris­ten­kon­trol­le erfor­der­li­chen Hand­lun­gen zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt, d.h. unver­züg­lich nach Ein­gang des betref­fen­den Schrift­stücks, und im unmit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zusam­men­hang vor­ge­nom­men wer­den [2].

Weicht der Rechts­an­walt von den all­ge­mei­nen orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­run­gen sei­ner Kanz­lei für die Fris­t­wah­rung ab, muss er statt­des­sen eine kla­re und prä­zi­se Anwei­sung für den kon­kre­ten Fall ertei­len, deren Befol­gung die Fris­t­wah­rung sicher­stellt [3].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies:

Durch die Ent­nah­me der Beschluss­aus­fer­ti­gung, die mit dem für die Fris­ten­no­tie­rung zu mar­kie­ren­den Stem­pel ver­se­hen war, aus der ihm vor­ge­leg­ten Post­map­pe ist der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te von den in sei­ner Kanz­lei bestehen­den orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men zur Fris­tein­hal­tung abge­wi­chen. Er hat es sodann ver­säumt, durch eine Ein­zel­an­wei­sung die Ein­tra­gung der Frist sicher­zu­stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2016 – I ZB 31/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 13.07.2010 – VI ZB 1/​10, NJW 2011, 151 Rn. 6; Beschluss vom 28.05.2013 – VI ZB 6/​13, NJW 2013, 2821 Rn. 9[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 05.02.2003 – VIII ZB 115/​02, VersR 2003, 1460, 1461[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 26.09.1995 – XI ZB 13/​95, NJW 1996, 130; Beschluss vom 11.02.2003 – VI ZB 38/​02, NJW-RR 2003, 935; Beschluss vom 29.07.2004 – III ZB 27/​04, BGH-Report 2005, 44, 45 f.; Beschluss vom 06.12 2007 – V ZB 91/​07, Jur­Bü­ro 2008, 280; Beschluss vom 25.07.2009 – V ZB 191/​08, NJW 2009, 3036; Beschluss vom 13.07.2010 – VI ZB 1/​10, NJW 2011, 151 Rn. 13[]