„Kanz­lei & Beruf“ im Febru­ar 2016

Wiedereinsetzung -und der wiederholte Fehler der RechtsanwaltsfachangestelltenAkten­ein­sich­ten in der Kanz­lei, Fris­ten­kon­trol­le und Wie­der­ein­set­zung, Unter­schrif­ten­pro­ble­me, Diplom-Wirt­schafts­ju­ris­ten auf dem Anwalts­brief­kopf, berufs­frem­de Sozie­tä­ten, Fach­an­walts­fall­lis­ten und Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen.

Wie­der­ein­set­zung ‑und der wie­der­hol­te Feh­ler der Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten

In hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war der von der Antrag­stel­le­rin gestell­te Antrag auf Zah­lung nach­ehe­li­chen Unter­halts vom Amts­ge­richt zurück­ge­wie­sen wor­den. Dage­gen hat sie recht­zei­tig Beschwer­de ein­ge­legt. Der die Beschwer­de­be­grün­dung ent­hal­ten­de und am Tag des Frist­ab­laufs um 17.38 Uhr per Tele­fax beim Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne Schrift­satz war nicht unter­zeich­net.

Nach ent­spre­chen­dem Hin­weis auf die Unzu­läs­sig­keit der Beschwer­de hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such der Antrag­stel­le­rin (§ 117 Abs. 5 FamFG, § 233 ZPO) zurück­ge­wie­sen und das Rechts­mit­tel als unzu­läs­sig ver­wor­fen [1], weil die Frist zur Beschwer­de­be­grün­dung nach § 117 Abs. 1 Satz 3 FamFG nicht ein­ge­hal­ten wor­den ist.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat aus­ge­führt, den Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten tref­fe ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den, das die Antrag­stel­le­rin sich zurech­nen las­sen müs­se. Die Mit­ar­bei­te­rin Sch., wel­che statt des unter­schrie­be­nen Schrift­sat­zes die für die Antrag­stel­le­rin vor­ge­se­he­ne Abschrift gefaxt habe, sei vom Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten der Antrag­stel­le­rin nicht hin­rei­chend über­wacht und kon­trol­liert wor­den. Ent­ge­gen der Dar­stel­lung der Antrag­stel­le­rin sei die­se kei­ne stets zuver­läs­si­ge Kraft und habe daher beson­ders inten­si­ver Über­wa­chung und Kon­trol­le bedurft. Der Mit­ar­bei­te­rin sei bereits im Jahr 2013 in einem frü­he­ren Ver­fah­ren zum Ver­sor­gungs­aus­gleich ein Feh­ler unter­lau­fen, wor­auf die Antrag­stel­le­rin sei­ner­zeit ein Wie­der­ein­set­zungs­ge­such gestützt habe. Die Mit­ar­bei­te­rin habe damals einen Antrag auf Frist­ver­län­ge­rung an das fal­sche Gericht adres­siert und den Feh­ler selbst auf eine ent­spre­chen­de Anwei­sung nicht kor­ri­giert. Die­se Unacht­sam­keit habe dem Rechts­an­walt Ver­an­las­sung geben müs­sen, die Mit­ar­bei­te­rin beson­ders zu über­wa­chen und immer wie­der stich­pro­ben­wei­se zu kon­trol­lie­ren, ob Wei­sun­gen befolgt wer­den. Gera­de dies kön­ne dem Vor­brin­gen der Antrag­stel­le­rin aber nicht ent­nom­men wer­den. Damit sei eine unver­schul­de­te Frist­ver­säu­mung nicht hin­rei­chend glaub­haft gemacht wor­den.

Das hält sich im Rah­men der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs.

Zwar stellt die Ver­sen­dung der Rechts­mit­tel­be­grün­dung per Tele­fax eine ein­fa­che Büro­tä­tig­keit dar, mit der jeden­falls eine voll aus­ge­bil­de­te und er- fah­re­ne Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te beauf­tragt wer­den darf. Dies gilt indes­sen mit der Ein­schrän­kung, dass es sich um eine zuver­läs­si­ge Kraft han­deln muss und kei­ne Umstän­de vor­lie­gen dür­fen, die eine beson­de­re Kon­trol­le durch den Rechts­an­walt erfor­dern [2].

Von die­sen Maß­stä­ben ist auch das Ober­lan­des­ge­richt aus­ge­gan­gen. Dass es auf­grund eines frü­he­ren Vor­falls die Zuver­läs­sig­keit der Ange­stell­ten Sch. ver­neint und inso­fern im Rah­men der dem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten der Antrag­stel­le­rin oblie­gen­den Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on zusätz­li­che Kon­trol­len für erfor­der­lich gehal­ten hat, ent­spricht den genann­ten Maß­stä­ben. Die Dar­le­gun­gen der Antrag­stel­le­rin zur Glaub­haft­ma­chung einer unver­schul­de­ten Frist­ver­säu­mung hat das Ober­lan­des­ge­richt im Rah­men zuläs­si­ger tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung als nicht aus­rei­chend ange­se­hen.

Dass bei dem frü­he­ren Vor­fall in Wirk­lich­keit kei­ne Frist ver­säumt wor­den und nur der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te davon irr­tüm­lich aus­ge­gan­gen war, ändert nichts dar­an, dass die Ange­stell­te sich bei der Adres­sie­rung und Ver­sen­dung des dama­li­gen als frist­ge­bun­den ange­se­he­nen Schrift­sat­zes als unzu­ver­läs­sig erwie­sen hat. Dass regel­mä­ßig die all­ge­mei­ne Anwei­sung des Rechts­an­walts aus­reicht, sämt­li­che aus­ge­hen­den Schrift­sät­ze auf das Vor­han­den­sein der Unter­schrift und bei Über­mitt­lung per Tele­fax anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu über­prü­fen, gibt ledig­lich den für zuver­läs­si­ge Büro­an­ge­stell­te gel­ten­den Grund­satz wie­der. Dem­ge­gen­über ist das Ober­lan­des­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se von dem Son­der­fall aus­ge­gan­gen, dass sich eine Büro­an­ge­stell­te als unzu­ver­läs­sig erwie­sen hat­te und dem­zu­fol­ge trotz ihrer Berufs­er­fah­rung zunächst beson­de­re Kon­trol­len ver­an­lasst waren. Da sol­che Kon­trol­len, die in Reak­ti­on auf den dama­li­gen Feh­ler erfolgt wären, nicht dar­ge­legt sind, kann es auch dahin­ste­hen, in wel­cher Form und für wel­che Dau­er die­se ver­an­lasst waren. In zeit­li­cher Hin­sicht ist ein hin­rei­chen­der Bezug zum hier in Rede ste­hen­den Feh­ler gege­ben, zumal sich der vor­an­ge­gan­ge­ne Vor­fall noch im Vor­jahr ereig­net hat­te.

Bei dem der Ange­stell­ten frü­her unter­lau­fe­nen Feh­ler han­delt es sich auch nicht um einen ein­ma­li­gen Feh­ler in einem anders gela­ger­ten Fall. Viel­mehr betref­fen bei­de Feh­ler die all­ge­mei­ne Sorg­falt im Zusam­men­hang mit der Anfer­ti­gung und Absen­dung tat­säch­lich oder auch nur ver­meint­lich fris­t­wah­ren­der Schrift­sät­ze. Dass sich der ers­te Feh­ler nicht aus­wirk­te, ist uner­heb­lich, da für den Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten im Rah­men der ihm oblie­gen­den Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on auch ohne ein­ge­tre­te­nen Nach­teil ein beson­de­rer Bedarf für Kon­trol­len erkenn­bar gewor­den war. Schließ­lich ist es auch nicht zu bean­stan­den, dass das Ober­lan­des­ge­richt die Ursäch­lich­keit des Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­dens als nicht aus­ge­räumt ange­se­hen hat [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2016 – XII ZB 653/​14

  1. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 24.11.2014 – II7 UF 197/​14[]
  2. vgl. BGH Beschluss vom 11.03.2014 – VI ZB 45/​13 NJW-RR 2014, 634 Rn. 9 mwN; BGH, Beschlüs­se vom 22.07.2015 XII ZB 583/​14 FamRZ 2015, 1878 Rn. 18; und vom 05.06.2013 XII ZB 47/​10 NJW-RR 2013, 1393 Rn. 10[]
  3. vgl. BGH Beschluss vom 05.09.2012 – VII ZB 25/​12 NJW 2012, 3516 Rn. 12 mwN[]