"Kanz­lei und Beruf" im Dezem­ber 2015

DezemberFreie mit­ar­bei­ter, Panik­at­ta­cken bei der Beru­fungs­be­grün­dung, Zustel­lungs­män­gel, Aus­kunfts­pflich­ten und Daten­über­las­sung nach Man­dats­kün­di­gung.

Zustel­lungs­män­gel – das feh­len­de Datum auf dem Umschlag

Die­ser Ver­merk gehört zu den zwin­gen­den Zustel­lungs­vor­schrif­ten i.S. des § 189 ZPO. Fehlt die­ser Ver­merk, liegt ein Zustel­lungs­man­gel vor, der zur Unwirk­sam­keit der Zustel­lung führt 1.

Zustel­lungs­män­gel wer­den unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 189 ZPO geheilt: Wenn sich die form­ge­rech­te Zustel­lung eines Doku­ments nicht nach­wei­sen lässt oder das Doku­ment unter Ver­let­zung zwin­gen­der Zustel­lungs­vor­schrif­ten ergan­gen ist, so gilt es in dem Zeit­punkt als zuge­stellt, in dem das Doku­ment der Per­son, an die die Zustel­lung dem Gesetz gemäß gerich­tet war oder gerich­tet wer­den konn­te, tat­säch­lich zuge­gan­gen ist.

Der tat­säch­li­che Zugang i.S. des § 189 ZPO liegt in dem Zeit­punkt vor, in dem der Emp­fän­ger das Doku­ment in die Hand bekommt 2.

Im Streit­fall ist das vor­in­stanz­li­che Urteil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erst am 29.12 2008 tat­säch­lich zuge­gan­gen, so dass erst dann die Monats­frist des § 120 Abs. 1 Satz 1 FGO zu lau­fen begann.

Die Ersatz­zu­stel­lung durch Nie­der­le­gung in den Brief­kas­ten der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ist zwar bereits am Mitt­woch, den 24.12 2008, erfolgt, wie durch die Ein­tra­gung in die Zustel­lungs­ur­kun­de doku­men­tiert wor­den ist (§ 182 Abs. 1 ZPO). Die Zustel­lung war jedoch unwirk­sam, da der Zustel­ler das Datum der Zustel­lung nicht ‑wie in § 180 Satz 3 ZPO ver­langt- auf dem Brief­um­schlag des Finanz­ge­richt ver­merkt hat­te.

Die Klä­ger haben dies durch Vor­la­ge des Brief­um­schla­ges nach­ge­wie­sen. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat kei­ne Zwei­fel, dass es sich bei dem vor­ge­leg­ten Brief­um­schlag um den­je­ni­gen han­delt, in dem das Urteil der Vor­in­stanz ent­hal­ten war. Dafür spre­chen der Absen­der­stem­pel des Finanz­ge­richt sowie auch der hand­schrift­li­che Ver­merk auf dem Umschlag "Ein­gang Mon­tag 29.12.2008".

Dies führt dazu, dass die Zustel­lung erst am Mon­tag, den 29.12 2008 bewirkt wor­den ist, als die Kanz­lei erst­mals seit dem 24.12 2008 wie­der geöff­net war und das Urteil aus dem Brief­kas­ten ent­nom­men und dem bear­bei­ten­den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vor­ge­legt wur­de. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat kei­nen Anlass an die­sen Anga­ben der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zu zwei­feln; eben­so wenig dar­an, dass die Kanz­lei am 24.12 2008 ganz­tä­gig geschlos­sen war und auf­grund der gesetz­li­chen Fei­er­ta­ge und dem sich dar­an anschlie­ßen­den Wochen­en­de erst am 29.12 2008 wie­der geöff­net wur­de. Die Beschrif­tung des Umschla­ges und die vor­ge­leg­ten Kopi­en des Fris­ten­ka­len­ders mit dem notier­ten Frist­ab­lauf am 29.01.2009 unter­stüt­zen dies.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Juli 2015 – VIII R 2/​09

  1. BFH, Beschlüs­se vom 19.01.2005 – II B 38/​04, BFH/​NV 2005, 900; vom 19.09.2007 – VI B 151/​06, BFH/​NV 2007, 2332; BFH, Urteil vom 21.09.2011 – I R 50/​10, BFHE 235, 255, BSt­Bl II 2012, 197[]
  2. BFHE 244, 536, BSt­Bl II 2014, 645; so auch BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2005, 900; in BFH/​NV 2007, 2332; BFH, Urteil in BFHE 235, 255, BSt­Bl II 2012, 197[]

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