Ver­mö­gens­ver­fall – und die Aus­räu­mung der gesetz­li­chen Ver­mu­tung

Ist der Rechts­an­walt in das vom Voll­stre­ckungs­ge­richt zu füh­ren­de Ver­zeich­nis (§ 882b ZPO) ein­ge­tra­gen, wird der Ein­tritt des Ver­mö­gens­ver­falls ver­mu­tet (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO).

Ver­mö­gens­ver­fall – und die Aus­räu­mung der gesetz­li­chen Ver­mu­tung

Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit des Wider­rufs einer Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft ist nach der mit Wir­kung ab 1.09.2009 erfolg­ten Ände­rung des Ver­fah­rens­rechts allein auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens, also auf den Erlass des Wider­spruchs­be­scheids oder – wenn das nach neu­em Recht grund­sätz­lich vor­ge­schrie­be­ne Vor­ver­fah­ren ent­behr­lich ist – auf den Aus­spruch der Wider­rufs­ver­fü­gung abzu­stel­len; die Beur­tei­lung danach ein­ge­tre­te­ner Ent­wick­lun­gen ist einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten 1.

Ein Rechts­an­walt, der im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist, muss zur Wider­le­gung der Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls ein voll­stän­di­ges und detail­lier­tes Ver­zeich­nis sei­ner Gläu­bi­ger und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen und kon­kret dar­le­gen, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se nach­hal­tig geord­net sind 2.

Dies hat der Rechts­an­walt im vor­lie­gen­den Fall nicht getan. Ins­be­son­de­re hat er nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se – vom maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Wider­rufs­be­scheids aus gese­hen – zumin­dest in abseh­ba­rer Zeit nach­hal­tig geord­net sein wür­den 3. Mit an die Rechts­an­walts­kam­mer gerich­te­tem Schrei­ben hat er einen geschäft­li­chen Neu­an­fang im Wege der Begrün­dung einer Büro­ge­mein­schaft, die Vor­la­ge der Ein­nah­men­Über­schuss-Rech­nun­gen für das ers­te und zwei­te Quar­tal 2015, die Vor­la­ge von ein­zel­nen Erle­di­gungs­nach­wei­sen, Zah­lungs­be­le­gen, Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen und einer For­de­rungs­auf­stel­lung ein­schließ­lich ent­spre­chen­der Abtre­tungs­er­klä­run­gen ange­kün­digt sowie vor­ge­tra­gen, dass er aller Vor­aus­sicht nach Pri­vat­dar­le­hen sei­ner Eltern und sei­ner Lebens­ge­fähr­tin erhal­ten wer­de, mit denen er die dring­lichs­ten Til­gun­gen vor­neh­men kön­ne. Hier­aus war eine nach­hal­ti­ge Ord­nung sei­ner Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se in abseh­ba­rer Zeit nicht aus­rei­chend zu erken­nen.

Ins­be­son­de­re fehl­ten nähe­re Anga­ben zu den Ein­zel­hei­ten des geplan­ten geschäft­li­chen Neu­an­fangs, zum kon­kre­ten Inhalt der vor­zu­le­gen­den Doku­men­te sowie dazu, dass die Pri­vat­dar­le­hen mit Sicher­heit zu erwar­ten waren und wel­che der gegen­über dem Rechts­an­walt bestehen­den For­de­run­gen hier­durch erfüllt wer­den konn­ten.

Die im Rah­men eines Wider­rufs­ver­fah­rens ein­zu­räu­men­de Anhö­rungs­frist (§ 32 Abs. 1 Satz 1 BRAO i.V.m. § 28 Abs. 1 VwVfG) dient nicht der Ermög­li­chung der Ord­nung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des in Ver­mö­gens­ver­fall gera­te­nen Rechts­an­walts. Lie­gen – wie vor­lie­gend – nach erfolg­ter Anhö­rung die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO vor, weil der Rechts­an­walt in das Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist und er die dar­aus fol­gen­de Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls nicht durch die Dar­le­gung zumin­dest in abseh­ba­rer Zeit nach­hal­tig geord­ne­ter Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se wider­legt hat, ist die Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu wider­ru­fen. Die Beur­tei­lung danach ein­ge­tre­te­ner Ent­wick­lun­gen ist einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Febru­ar 2016 – AnwZ (Brfg) 59/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; und vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 77/​13, mwN[]
  2. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 14.10.2014 – AnwZ (Brfg) 22/​14 5; und vom 06.02.2014 – AnwZ (Brfg) 83/​13, BRAK-Mitt.2014, 164 Rn. 5; jeweils mwN[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 05.11.2015 – AnwZ (Brfg) 28/​15 3 mwN[]