Ein Kirch­turm mit Beleuch­tung

Sind die Licht­ein­wir­kun­gen eines beleuch­te­ten Kirch­turms auf eine benach­bar­te Woh­nung ledig­lich unwe­sent­lich, muss die­se nicht abge­schal­tet wer­den.

Ein Kirch­turm mit Beleuch­tung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die Kla­ge einer Anwoh­ne­rin abge­wie­sen. Seit Dezem­ber 2015 wird der Kirch­turm der Stadt­kir­che Tau­ber­bi­schofs­heim ab Ein­set­zen der Däm­me­rung bis zum Anbruch des Tages­lichts mit LED-Schein­wer­fern ange­strahlt. Außer­dem ist die obe­re Balus­tra­de des Turms mit umlau­fen­den LED-Leucht­leis­ten aus­ge­stat­tet. Die Beleuch­tung führt zu einem Licht­ein­fall in die Eigen­tums­woh­nung der Klä­ge­rin. Die Klä­ge­rin will eine Abschal­tung der Licht­an­la­ge errei­chen. Sie macht gel­tend, ihre Schlaf- und Ruhe­räu­me wür­den mit der mehr­fa­chen Licht­stär­ke einer hel­len Voll­mond­nacht aus­ge­leuch­tet. Zudem sei die Licht­far­be Kalt­weiß beson­ders stö­rend. Die dage­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te das Land­ge­richt Mos­bach abge­wie­sen. Ihr Ziel hat die Klä­ge­rin vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat sich das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he auf ein von ihm beauf­trag­tes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten gestützt: Die Mes­sun­gen des Sach­ver­stän­di­gen in der Woh­nung der Klä­ge­rin erga­ben, dass die von der Kirch­turm­be­leuch­tung aus­ge­hen­den Licht­ein­wir­kun­gen auf die Woh­nung der Klä­ge­rin nur unwe­sent­lich sind. Dies gilt auch unter Berück­sich­ti­gung der von der Klä­ge­rin als beson­ders stö­rend emp­fun­de­nen Licht­far­be.

Dar­über­hin­aus wies das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in sei­nem Urteil dar­auf hin, dass Licht­ein­wir­kun­gen auch durch Maß­nah­men der Klä­ge­rin – etwa licht­un­durch­läs­si­ge Vor­hän­ge – abge­wehrt wer­den könn­ten. Auch der Licht­ein­fall auf die Dach­ter­ras­se der Klä­ge­rin durch die Kirch­turm­be­leuch­tung ist nach Beur­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts im inner­städ­ti­schen Bereich hin­zu­neh­men.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 20. Febru­ar 2018 – 12 U 40/​17