Kein Mehr­be­darf für FFP2-Mas­ken bei Grund­si­che­rung oder Sozialhilfe

Bezie­her von Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen kön­nen im Eil­ver­fah­ren einen Mehr­be­darf für Coro­na­schutz­ver­ord­nung kon­for­me Mas­ken nicht erfolg­reich gel­tend machen.

Kein Mehr­be­darf für FFP2-Mas­ken bei Grund­si­che­rung oder Sozialhilfe

Dies hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) jüngst in vier Ver­fah­ren ent­schie­den, die die Sach­ge­bie­te Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (SGB II) und Sozialhilfe/​Grundsicherung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung (SGB XII). Die Antrag­stel­ler begehr­ten jeweils ver­geb­lich vom Job­cen­ter bzw. kom­mu­na­len Sozi­al­amt die Gewäh­rung eines Mehr­be­dar­fes in Form einer bestimm­ten Anzahl von Mas­ken mit FFP2/KN95/N95- oder ver­gleich­ba­rem Stan­dard, hilfs­wei­se eines Bar­be­trags zur Beschaffung. 

Die im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren ange­ru­fe­nen Sozi­al­ge­rich­te Düs­sel­dorf, Duis­burg und Müns­ter lehn­ten die vor­läu­fi­ge Ver­pflich­tung der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger jeweils ab. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Beschwer­den hat das LSG zurückgewiesen.

Die Antrag­stel­ler hät­ten nicht glaub­haft gemacht, dass sie einen Anspruch auf Bereit­stel­lung von sol­chen Mas­ken bzw. auf Deckung eines ent­spre­chen­den finan­zi­el­len Mehr­be­darfs hät­ten. Für die Bereit­stel­lung der Mas­ken als Sach­leis­tung feh­le schon eine Rechts­grund­la­ge. Im Übri­gen sei­en die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung eines Mehr­be­darfs i.S.v. § 21 Abs. 6 SGB II/​§ 27 Abs. 4 SGB XII als Geld­leis­tung nicht erfüllt. Denn ein im Ein­zel­fall unab­weis­ba­rer, beson­de­rer Bedarf sei, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, nicht erkennbar.

Der gel­tend gemach­te Bedarf betref­fe kei­nen Ein­zel­fall, son­dern aus­nahms­los sämt­li­che Per­so­nen ein­schließ­lich sämt­li­cher Leis­tungs­be­rech­tig­ten nach dem SGB II/​XII. Denn die Ver­pflich­tung zum Tra­gen einer medi­zi­ni­schen Mas­ke gel­te grund­sätz­lich für alle natür­li­chen Per­so­nen im Gel­tungs­be­reich der lan­des­recht­li­chen Coro­na­SchutzV. Zunächst hät­ten die Antrag­stel­ler ihren Anspruch auf Mas­ken nach der Coro­na­vi­rus-Schutz­mas­ken-Ver­ord­nung gel­tend zu machen. Über­dies sei es ihnen zumut­bar, ihren Bedarf vor­über­ge­hend aus dem Regel­be­darf zu decken. Denn die­ser bestehe ledig­lich für sog. „OP-Mas­ken“, die nach der Coro­naSchV NRW eben­falls getra­gen wer­den dürf­ten und die 0,10 bis 0,20 € pro Stück kosteten.

Ab Mai 2021 könn­ten die Grund­si­che­rungs­be­zie­her zudem ein­ma­lig 150 € zum Aus­gleich der mit der Pan­de­mie in Zusam­men­hang ste­hen­den Mehr­auf­wen­dun­gen bean­spru­chen (§ 70 SGB II/​§ 144 SGB XII).

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschlüs­se vom 3. März 2021 – L 9 SO 18/​21 B ER; vom 29. März 2021 – L 12 AS 377/​21 B ER; vom 13. April 2021 – L 7 AS 498/​21 B ER; und vom 19. April 2021 – L 19 AS 391/​21 B ER

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