Euro­pa­wahl – und kei­ne 3%

Erst im letz­ten Okto­ber hat der Gesetz­ge­ber im Euro­pa­wahl­ge­setz die bereits zuvor vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als ver­fas­sungs­wid­rig bean­stan­de­te 5%-Sperrklausel 1 durch eine neue 3%-Sperrklausel ersetzt. Nun trifft das Karls­ru­her Ver­dikt auch die­se 3%-Klau­sel: Die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel im deut­schen Euro­pa­wahl­recht ist unter den gegen­wär­ti­gen recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen ver­fas­sungs­wid­rig und nach dem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nich­tig. Damit dürf­te für die kom­men­de Euro­pa­wahl in Deutsch­land – anders als in den meis­ten ande­ren EU-Län­dern – gar kei­ne Sperr­klau­sel gel­ten.

Euro­pa­wahl – und kei­ne 3%

Unter den gege­be­nen recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ist der mit der Sperr­klau­sel ver­bun­de­ne schwer­wie­gen­de Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit nicht zu recht­fer­ti­gen. Eine abwei­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung kann sich erge­ben, wenn sich die Ver­hält­nis­se wesent­lich ändern. Künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen kann der Gesetz­ge­ber dann maß­geb­lich berück­sich­ti­gen, wenn sie auf­grund hin­rei­chend belast­ba­rer tat­säch­li­cher Anhalts­punk­te schon gegen­wär­tig ver­läss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren sind.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erging mit einer denk­bar knap­pen Mehr­heit von 5:3 Rich­ter­stim­men. Einer der dis­sen­tie­ren­den Rich­ter, der Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (und frü­he­re Minis­ter­prä­si­dent des Saar­lan­des) Mül­ler hat sei­ne abwei­chen­de Mei­nung dem Urteil in einem Son­der­vo­tum bei­gefügt.

§ 2 Absatz 7 des Geset­zes über die Wahl der Abge­ord­ne­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments aus der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Euro­pa­wahl­ge­setz – EuWG) in sei­ner am 10.10.2013 in Kraft getre­te­nen Fas­sung 2 ver­letzt die beschwer­de­füh­re­ren­den Par­tei­en in ihrem Grund­recht aus Arti­kel 3 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes und ist daher nich­tig.

Der Deut­sche Bun­des­tag hat durch den Beschluss von Arti­kel 1 Num­mer 2 Buch­sta­be d des Fünf­ten Geset­zes zur Ände­rung des Euro­pa­wahl­ge­set­zes, in Kraft getre­ten am 10.10.2013 3, die antrag­stel­len­den Par­tei­en in ihren Rech­ten auf Chan­cen­gleich­heit nach Arti­kel 21 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes ver­letzt.

Der mit der Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel im Euro­pa­wahl­recht ver­bun­de­ne schwer­wie­gen­de Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en ist unter den gege­be­nen recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht zu recht­fer­ti­gen 4.

Eine abwei­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung kann sich erge­ben, wenn sich die Ver­hält­nis­se wesent­lich ändern. Der Gesetz­ge­ber ist nicht dar­an gehin­dert, auch kon­kret abseh­ba­re künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen bereits im Rah­men der ihm auf­ge­ge­be­nen Beob­ach­tung und Bewer­tung der aktu­el­len Ver­hält­nis­se zu berück­sich­ti­gen; maß­geb­li­ches Gewicht kann die­sen jedoch nur dann zukom­men, wenn die wei­te­re Ent­wick­lung auf­grund hin­rei­chend belast­ba­rer tat­säch­li­cher Anhalts­punk­te schon gegen­wär­tig ver­läss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren ist.

Die Ent­wick­lung des Euro­pa­wahl­rechts[↑]

Seit Inkraft­tre­ten des so genann­ten Direkt­wahl­ak­tes (Akt zur Ein­füh­rung all­ge­mei­ner unmit­tel­ba­rer Wah­len der Abge­ord­ne­ten der Ver­samm­lung vom 20.09.1976 5) wer­den die Mit­glie­der des Euro­päi­schen Par­la­ments jeweils auf fünf Jah­re direkt gewählt. Art. 1 des Direkt­wahl­ak­tes bestimm­te in die­ser Fas­sung, dass die Abge­ord­ne­ten in all­ge­mei­ner, unmit­tel­ba­rer Wahl gewählt wer­den. Gemäß Art. 7 Abs. 2 rich­te­te sich das Wahl­ver­fah­ren in jedem Mit­glied­staat nach den inner­staat­li­chen Vor­schrif­ten, soweit der Direkt­wahl­akt kei­ne Vor­ga­ben ent­hielt. Zu der in Art. 7 Abs. 1 vor­ge­se­he­nen Nor­mie­rung eines ein­heit­li­chen Wahl­ver­fah­rens kam es nicht. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wur­de das Wahl­ver­fah­ren durch das Gesetz über die Wahl der Abge­ord­ne­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments aus der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Euro­pa­wahl­ge­setz) vom 16.06.1978 6, das am 22.06.1978 in Kraft trat, gere­gelt.

Der Direkt­wahl­akt wur­de durch Beschlüs­se des Rates vom 25.06.2002 und 23.09.2002 7 geän­dert und sieht in Art. 1 Abs. 1 nun­mehr vor, dass die Mit­glie­der des Euro­päi­schen Par­la­ments in jedem Mit­glied­staat nach dem Ver­hält­nis­wahl­sys­tem gewählt wer­den. Die Wahl erfolgt all­ge­mein, unmit­tel­bar, frei und geheim (Art. 1 Abs. 3). Nach Art. 3 kön­nen die Mit­glied­staa­ten für die Sitz­ver­ga­be eine Min­dest­schwel­le fest­le­gen, die jedoch lan­des­weit nicht mehr als 5 % der abge­ge­be­nen Stim­men betra­gen darf. Das Wahl­ver­fah­ren bestimmt sich – wie bis­her – vor­be­halt­lich der sons­ti­gen Vor­schrif­ten des Direkt­wahl­ak­tes in jedem Mit­glied­staat nach den inner­staat­li­chen Vor­schrif­ten, wobei die­se gege­be­nen­falls den Beson­der­hei­ten in den Mit­glied­staa­ten Rech­nung tra­gen kön­nen, das Ver­hält­nis­wahl­sys­tem ins­ge­samt aber nicht in Fra­ge stel­len dür­fen (vgl. Art. 8).

Im Zuge der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on sind dem Euro­päi­schen Par­la­ment bedeut­sa­me Zustän­dig­kei­ten zuge­wie­sen, sei­ne Stel­lung im Insti­tu­tio­nen­ge­fü­ge ist kon­ti­nu­ier­lich gestärkt wor­den. Ins­be­son­de­re wird es heu­te gemein­sam mit dem Rat nicht nur als Gesetz­ge­ber tätig (Art. 14 Abs. 1 Satz 1 EUV) 8; es wählt gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 3 EUV auch den Prä­si­den­ten der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on. Nach Art. 17 Abs. 7 UAbs. 1 EUV schlägt der Euro­päi­sche Rat dem Euro­päi­schen Par­la­ment nach ent­spre­chen­den Kon­sul­ta­tio­nen mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit einen Kan­di­da­ten für das Amt des Prä­si­den­ten der Kom­mis­si­on unter Berück­sich­ti­gung des Ergeb­nis­ses der Wah­len zum Euro­päi­schen Par­la­ment vor; das Par­la­ment wählt die­sen Kan­di­da­ten mit der Mehr­heit sei­ner Mit­glie­der; erhält er nicht die Mehr­heit, so schlägt der Euro­päi­sche Rat dem Euro­päi­schen Par­la­ment inner­halb eines Monats mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit einen neu­en Kan­di­da­ten vor, für des­sen Wahl das Euro­päi­sche Par­la­ment das­sel­be Ver­fah­ren anwen­det. Der Rat nimmt, im Ein­ver­neh­men mit dem gewähl­ten Prä­si­den­ten, die Lis­te der ande­ren Per­sön­lich­kei­ten an, die er auf der Grund­la­ge der Vor­schlä­ge der Mit­glied­staa­ten als Mit­glie­der der Kom­mis­si­on vor­schlägt (Art. 17 Abs. 7 UAbs. 2 EUV). Die Mit­glie­der der Kom­mis­si­on haben sich sodann als Kol­le­gi­um einem Zustim­mungs­vo­tum des Euro­päi­schen Par­la­ments zu stel­len, auf des­sen Grund­la­ge die Kom­mis­si­on durch den Euro­päi­schen Rat mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit ernannt wird (Art. 17 Abs. 7 UAbs. 3 EUV).

Pri­mär­recht­lich ver­an­kert ist nun­mehr auch, dass die Mit­glie­der des Euro­päi­schen Par­la­ments in all­ge­mei­ner, unmit­tel­ba­rer, frei­er und gehei­mer Wahl für eine Amts­zeit von fünf Jah­ren gewählt wer­den (Art. 14 Abs. 3 EUV). Die Zusam­men­set­zung des Euro­päi­schen Par­la­ments folgt dem Grund­satz der degres­si­ven Pro­por­tio­na­li­tät, wobei künf­tig auf die ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten min­des­tens sechs, höchs­tens jedoch 96 der maxi­mal 751 Abge­ord­ne­ten­sit­ze ent­fal­len 9. Gemäß Art. 223 Abs. 1 AEUV erstellt das Euro­päi­sche Par­la­ment einen Ent­wurf der erfor­der­li­chen Bestim­mun­gen für die all­ge­mei­ne unmit­tel­ba­re Wahl sei­ner Mit­glie­der nach einem ein­heit­li­chen Ver­fah­ren in allen Mit­glied­staa­ten oder im Ein­klang mit den allen Mit­glied­staa­ten gemein­sa­men Grund­sät­zen; der Rat erlässt die erfor­der­li­chen Bestim­mun­gen ein­stim­mig gemäß einem beson­de­ren Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren und nach Zustim­mung des Euro­päi­schen Par­la­ments, die mit der Mehr­heit sei­ner Mit­glie­der erteilt wird; die­se Bestim­mun­gen tre­ten nach Zustim­mung der Mit­glied­staa­ten im Ein­klang mit ihren jewei­li­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen in Kraft. Das Euro­päi­sche Par­la­ment hat einen ent­spre­chen­den Ent­wurf bis­lang nicht erstellt.

An der sieb­ten Direkt­wahl zum Euro­päi­schen Par­la­ment am 7.06.2009 nah­men in Deutsch­land ins­ge­samt 32 Par­tei­en und sons­ti­ge poli­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen teil. Bei der Sitz­ver­tei­lung wur­den auf­grund der sei­ner­zeit gel­ten­den Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel sechs Par­tei­en (CDU, SPD, Grü­ne, FDP, Die Lin­ke, CSU) berück­sich­tigt. Auf die sons­ti­gen Par­tei­en und poli­ti­schen Ver­ei­ni­gun­gen ent­fie­len ins­ge­samt 10,8 % der gül­ti­gen Stim­men. Ohne die Sperr­klau­sel hät­ten rech­ne­risch sie­ben wei­te­re Par­tei­en und poli­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen einen Sitz oder zwei Sit­ze im Euro­päi­schen Par­la­ment errun­gen.

Ein­schließ­lich der deut­schen Par­tei­en zogen ins­ge­samt über 160 natio­na­le Par­tei­en in das Euro­päi­sche Par­la­ment ein. Die Abge­ord­ne­ten haben sich in der sieb­ten Wahl­pe­ri­ode 2009 bis 2014 zu sie­ben Frak­tio­nen zusam­men­ge­schlos­sen, die sich zuletzt wie folgt zusam­men­setz­ten: Frak­ti­on der Euro­päi­schen Volks­par­tei (Christ­de­mo­kra­ten) – EVP, 274 Abge­ord­ne­te; Frak­ti­on der Pro­gres­si­ven Alli­anz der Sozia­lis­ten und Demo­kra­ten im Euro­päi­schen Par­la­ment – S&D, 194 Abge­ord­ne­te; Frak­ti­on der Alli­anz der Libe­ra­len und Demo­kra­ten für Euro­pa – ALDE, 85 Abge­ord­ne­te; Frak­ti­on der Grünen/​Freie Euro­päi­sche Alli­anz – GREENS/​EFA, 58 Abge­ord­ne­te; Euro­päi­sche Kon­ser­va­ti­ve und Refor­mis­ten – ECR, 57 Abge­ord­ne­te; Kon­fö­de­ra­le Frak­ti­on der Ver­ei­nig­ten Euro­päi­schen Linken/​Nordische Grü­ne Lin­ke – GUE/​NGL, 35 Abge­ord­ne­te; Frak­ti­on "Euro­pa der Frei­heit und der Demo­kra­tie" – EFD, 31 Abge­ord­ne­te; 32 Abge­ord­ne­te sind frak­ti­ons­los 10. Kei­ne Frak­ti­on ver­fügt über eine abso­lu­te Mehr­heit der Sit­ze.

Die bei der Euro­pa­wahl 2009 zur Anwen­dung gekom­me­ne Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel (§ 2 Abs. 7 des Euro­pa­wahl­ge­set­zes i.d.F. des Geset­zes vom 17.03.2008, BGBl I S. 394) hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Urteil vom 09.11.2011 11 für unver­ein­bar mit Art. 3 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 GG und daher nich­tig erklärt, weil unter den gege­be­nen recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen der mit der Sperr­klau­sel ver­bun­de­ne schwer­wie­gen­de Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en nicht zu recht­fer­ti­gen sei.

Auf einen Ent­schlie­ßungs­an­trag des Abge­ord­ne­ten Car­lo Casi­ni im Namen des Aus­schus­ses für kon­sti­tu­tio­nel­le Fra­gen fand im Herbst 2012 im Euro­päi­schen Par­la­ment eine Ple­nar­de­bat­te statt, in der die Kom­mis­si­on erklär­te, Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Bar­ro­so habe die euro­päi­schen Par­tei­en in sei­ner Rede zur Lage der Uni­on am 12.09.2012 auf­ge­ru­fen, Kan­di­da­ten für das Amt des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten bei den Euro­pa­wah­len 2014 zu prä­sen­tie­ren, um die euro­päi­sche Dimen­si­on der Wah­len zu ver­stär­ken; der Rat müs­se das Ergeb­nis der Wah­len zum Euro­päi­schen Par­la­ment bei sei­nem Kan­di­da­ten­vor­schlag berück­sich­ti­gen; die Maß­nah­me sei daher von den Ver­trä­gen gedeckt und unver­züg­lich umzu­set­zen. Unter Bezug­nah­me auf die­se Erklä­rung ver­ab­schie­de­te das Euro­päi­sche Par­la­ment am 22.11.2012 eine Ent­schlie­ßung mit fol­gen­dem Wort­laut:

Das Euro­päi­sche Par­la­ment,

  • gestützt auf Arti­kel 10 und 17 des Ver­trags über die Euro­päi­sche Uni­on,
  • unter Hin­weis auf die Arti­kel 10 und 11 des dem Beschluss des Rates vom 20.09.1976 in der geän­der­ten Fas­sung bei­gefüg­ten Aktes zur Ein­füh­rung all­ge­mei­ner unmit­tel­ba­rer Wah­len der Abge­ord­ne­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments,
  • unter Hin­weis auf die Erklä­rung der Kom­mis­si­on vom 22.11.2012 zu den Wah­len zum Euro­päi­schen Par­la­ment im Jahr 2014,
  • gestützt auf Arti­kel 110 Absatz 2 sei­ner Geschäfts­ord­nung,
  • in der Erwä­gung, dass die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auf Uni­ons­ebe­ne unmit­tel­bar von den Mit­glie­dern des Euro­päi­schen Par­la­ments ver­tre­ten wer­den;
  • in der Erwä­gung, dass poli­ti­sche Par­tei­en auf euro­päi­scher Ebe­ne zur Her­aus­bil­dung eines euro­päi­schen poli­ti­schen Bewusst­seins und zum Aus­druck des Wil­lens der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Uni­on bei­tra­gen;
  • in der Erwä­gung, dass der Prä­si­dent der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom Par­la­ment auf Vor­schlag des Euro­päi­schen Rates mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit gewählt wird, der das Ergeb­nis der Wah­len zum Par­la­ment berück­sich­ti­gen und geeig­ne­te Kon­sul­ta­tio­nen füh­ren muss, bevor er einen Kan­di­da­ten nomi­niert;
  • in der Erwä­gung, dass die Kom­mis­si­on als Kol­le­gi­um dem Euro­päi­schen Par­la­ment ver­ant­wort­lich ist;
  • in der Erwä­gung, dass das neue Par­la­ment genug Zeit haben muss, um sich im Vor­feld der Wahl des neu­en Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten zu posi­tio­nie­ren;
  • in der Erwä­gung, dass die Wahl des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten in der kon­sti­tu­ie­ren­den Tagung des Par­la­ments im Juli 2014 statt­fin­den soll­te, damit die neue Kom­mis­si­on ihr Amt am 1.11.2014 auf­neh­men kann;
  • in der Erwä­gung, dass das Par­la­ment über sei­ne Zustim­mung zum gesam­ten Kol­le­gi­um der Kom­mis­si­ons­mit­glie­der abstimmt, nach­dem es die vom Rat im Ein­ver­neh­men mit dem desi­gnier­ten Prä­si­den­ten auf der Grund­la­ge der Emp­feh­lun­gen der Mit­glied­staa­ten vor­ge­schla­ge­nen Kan­di­da­ten gehört hat;
    1. for­dert die euro­päi­schen poli­ti­schen Par­tei­en nach­drück­lich auf, Kan­di­da­ten für das Amt des Prä­si­den­ten der Kom­mis­si­on zu nomi­nie­ren, und geht davon aus, dass die­se Kan­di­da­ten im par­la­men­ta­ri­schen Wahl­kampf eine füh­ren­de Rol­le spie­len, indem sie ins­be­son­de­re ihr Pro­gramm in allen Mit­glied­staa­ten der Uni­on per­sön­lich vor­stel­len; hält es für äußerst wich­tig, die poli­ti­sche Legi­ti­mi­tät sowohl des Par­la­ments als auch der Kom­mis­si­on zu stär­ken, indem deren Wahl jeweils unmit­tel­ba­rer mit der Ent­schei­dung der Wäh­ler ver­knüpft wird;
    2. for­dert, dass mög­lichst vie­le Mit­glie­der der nächs­ten Kom­mis­si­on aus den Rei­hen des Euro­päi­schen Par­la­ments gestellt wer­den, um das Gleich­ge­wicht zwi­schen den bei­den Kam­mern der Legis­la­ti­ve wider­zu­spie­geln;
    3. for­dert den künf­ti­gen Prä­si­den­ten der Kom­mis­si­on auf, dafür zu sor­gen, dass in der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis bei­der Geschlech­ter herrscht; emp­fiehlt, dass jeder Mit­glied­staat sowohl einen männ­li­chen als auch einen weib­li­chen Kan­di­da­ten für das Kol­le­gi­um der nächs­ten Kom­mis­si­on vor­schlägt;
    4. ver­tritt ange­sichts der durch den Ver­trag von Lis­sa­bon ein­ge­führ­ten neu­en Moda­li­tä­ten für die Wahl der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und des sich dem­zu­fol­ge ändern­den Ver­hält­nis­ses zwi­schen Par­la­ment und Kom­mis­si­on ab den Wah­len 2014 die Ansicht, dass ver­läss­li­che Mehr­hei­ten im Par­la­ment für die Sta­bi­li­tät der Legis­la­tiv­ver­fah­ren der Uni­on und das rei­bungs­lo­se Funk­tio­nie­ren ihrer Exe­ku­ti­ve von ent­schei­den­der Bedeu­tung sein wer­den, und for­dert die Mit­glied­staa­ten daher auf, in ihrem Wahl­recht gemäß Arti­kel 3 des Aktes zur Ein­füh­rung all­ge­mei­ner unmit­tel­ba­rer Wah­len der Abge­ord­ne­ten der Ver­samm­lung geeig­ne­te und ange­mes­se­ne Min­dest­schwel­len für die Zutei­lung der Sit­ze fest­zu­le­gen, um dem in den Wah­len zum Aus­druck gekom­me­nen Wäh­ler­wil­len gebüh­rend Rech­nung zu tra­gen, bei gleich­zei­ti­ger Wah­rung der Funk­tio­na­li­tät des Par­la­ments;
    5. for­dert den Rat auf, das Par­la­ment dazu zu kon­sul­tie­ren, ob die Wah­len ent­we­der vom 15. – 18.05.oder vom 22. – 25.05.2014 abge­hal­ten wer­den soll­ten;
    6. beauf­tragt sei­nen Prä­si­den­ten, die­se Ent­schlie­ßung dem Euro­päi­schen Rat, dem Rat und der Kom­mis­si­on sowie den Par­la­men­ten und Regie­run­gen der Mit­glied­staa­ten zu über­mit­teln.

Am 4. Juni 2013 brach­ten die Frak­tio­nen CDU/​CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN den Ent­wurf eines Fünf­ten Geset­zes zur Ände­rung des Euro­pa­wahl­ge­set­zes 12 in den Bun­des­tag ein, der unter ande­rem anstel­le der bis­he­ri­gen Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel in § 2 Abs. 7 EuWG eine Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel vor­sieht. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt: Seit dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 09.11.2011 gebe es in Deutsch­land kei­ne Sperr­klau­sel mehr. Mit der Auf­for­de­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments an die Mit­glied­staa­ten zur Fest­le­gung einer geeig­ne­ten und ange­mes­se­nen Min­dest­schwel­le sei jedoch eine für die Fra­ge der wei­te­ren Bei­be­hal­tung einer Sperr­klau­sel maß­geb­li­che Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se ein­ge­tre­ten, was zu einer gegen­über der Rechts­la­ge im Jahr 2011 abwei­chen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beur­tei­lung füh­re. Die ein­brin­gen­den Frak­tio­nen mach­ten daher von der Mög­lich­keit zur Ein­füh­rung einer Min­dest­schwel­le aus Art. 3 des Direkt­wahl­ak­tes Gebrauch. Damit wer­de den Grund­sät­zen der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en bei gleich­zei­ti­ger Wah­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments Rech­nung getra­gen. Die in der Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments zum Aus­druck kom­men­de Ent­wick­lung lau­fe auf eine stär­ke­re ant­ago­nis­ti­sche Pro­fi­lie­rung von Regie­rung und Oppo­si­ti­on hin­aus, was zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung vom 09.11.2011 noch nicht kon­kret abseh­bar gewe­sen sei. Neben der zuneh­men­den Bedeu­tung des Euro­päi­schen Par­la­ments bewir­ke das neue Ver­fah­ren zur Wahl des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten eine wei­te­re Poli­ti­sie­rung der Arbeit des Par­la­ments. Ange­sichts der Auf­stel­lung von Kan­di­da­ten für das Amt des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten durch die euro­päi­schen Frak­tio­nen sei in der par­la­men­ta­ri­schen Pra­xis nicht mehr mit einer Kon­sens­bil­dung zwi­schen den bei­den gro­ßen Frak­tio­nen zu rech­nen, son­dern von einer Erschwe­rung der erfor­der­li­chen Mehr­heits­bil­dung aus­zu­ge­hen. Damit stei­ge bei einer star­ken Zer­split­te­rung des Par­la­ments das Risi­ko einer anhal­ten­den Blo­cka­de der par­la­men­ta­ri­schen Wil­lens­bil­dung. Die­ser kon­kret mög­li­chen Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung ent­ge­gen­zu­wir­ken, recht­fer­ti­ge die Ein­schrän­kung der Erfolgs­wert­gleich­heit der Wahl. Der Bun­des­tag wol­le durch die Min­dest­schwel­le die vom Euro­päi­schen Par­la­ment ange­streb­te wei­te­re Poli­ti­sie­rung und Per­so­na­li­sie­rung als legi­ti­men Schritt im Hin­blick auf das Leit­bild der "Ver­wirk­li­chung einer immer enge­ren Uni­on der Völ­ker Euro­pas" (Art. 1 EUV) unter­stüt­zen und sei­ner Mit­ver­ant­wor­tung für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments gerecht wer­den.

Mit einem Ände­rungs­an­trag zum Gesetz­ent­wurf schlug die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN im Innen­aus­schuss eine abge­mil­der­te Sperr­klau­sel vor 13. Danach soll­te die Sperr­klau­sel nicht ein­grei­fen, wenn zu erwar­ten ist, dass es nicht zu einer Zer­split­te­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments kommt, weil gleich­zei­tig in zur Frak­ti­ons­bil­dung aus­rei­chen­der Anzahl Abge­ord­ne­te aus ande­ren Mit­glied­staa­ten in das Par­la­ment ein­zie­hen, die der glei­chen poli­ti­schen Rich­tung ange­hö­ren. Der Innen­aus­schuss lehn­te die­sen Antrag ab 14.

Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren äußer­ten sich die von den Frak­tio­nen benann­ten Sach­ver­stän­di­gen Prof. Dr. Dr. h.c. Wer­ner Heun, Prof. Dr. Bernd Grzes­zick, LL.M., Prof. Dr. Franz May­er, LL.M., Prof. Dr. Dres. h.c. Hans-Jür­gen Papier, Prof. Dr. Chris­toph Schön­ber­ger sowie Wil­ko Zicht 15. Abge­se­hen vom Sach­ver­stän­di­gen Wil­ko Zicht spra­chen sie sich in kri­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des Urteils vom 09.11.2011 mit unter­schied­li­chen Akzent­set­zun­gen für die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Ein­füh­rung einer Drei-Pro­zent-Hür­de und gegen den Alter­na­tiv­ent­wurf aus. Das Risi­ko einer erneu­ten Auf­he­bung der Norm durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei ein­zu­ge­hen, da ein wei­te­res Ver­fah­ren die Chan­ce bie­te, zu kla­re­ren Anfor­de­run­gen an die Recht­fer­ti­gung für eine Aus­nah­me von der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en zu gelan­gen. Der Aus­gang eines neu­en Ver­fah­rens sei wegen der knap­pen Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und des Feh­lens einer stän­di­gen und kon­ti­nu­ier­li­chen Recht­spre­chung zu Sperr­klau­seln nicht sicher vor­aus­zu­se­hen. Der Wie­der­ein­füh­rung einer Sperr­klau­sel ste­he jeden­falls nicht die Bin­dungs­wir­kung aus § 31 BVerfGG ent­ge­gen, da es sich nicht um eine inhalts­glei­che Norm­wie­der­ho­lung han­de­le. Zwar beur­teil­ten die Sach­ver­stän­di­gen die Annah­me einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ände­rung der Ver­hält­nis­se ange­sichts des kur­zen Zeit­raums seit der Ent­schei­dung vom 09.11.2011 kri­tisch; sie ten­dier­ten aber zu der Auf­fas­sung, dass die in der neu­en Ver­fah­rens­wei­se zur Wahl des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten ange­leg­ten Ent­wick­lun­gen in das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ent­schei­dung vom 09.11.2011 unzu­rei­chend gewür­digt wor­den sei­en. Im Hin­blick dar­auf gewin­ne die – recht­lich unver­bind­li­che – Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments an Bedeu­tung. Zu berück­sich­ti­gen sei auch die all­ge­mei­ne Ent­wick­lung des euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen­ge­fü­ges. Das Euro­päi­sche Par­la­ment habe nicht zuletzt durch den Ver­trag von Lis­sa­bon ste­tig an Bedeu­tung und Ein­fluss gewon­nen. Zudem schaf­fe der Gesetz­ge­ber erst­mals eine eigen­stän­di­ge, allein an der Pro­blem­la­ge in der Euro­päi­schen Uni­on ori­en­tier­te Rege­lung. Die gerin­ge­re Zugangs­hür­de sei ver­hält­nis­mä­ßig und räu­me even­tu­el­le Beden­ken aus, im Par­la­ment befind­li­che Par­tei­en könn­ten durch Sperr­klau­seln ver­su­chen, sich gegen Kon­kur­renz zu schüt­zen.

Der Deut­sche Bun­des­tag nahm den Gesetz­ent­wurf in der Ple­nar­sit­zung vom 13.06.2013 gemäß der Emp­feh­lung des Innen­aus­schus­ses 16 an 17. Die hier maß­geb­li­che Bestim­mung des § 2 Abs. 7 EuWG trat als Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be d des Fünf­ten Geset­zes zur Ände­rung des Euro­pa­wahl­ge­set­zes vom 07.10.2013 18 am 10.10.2013 in Kraft und hat fol­gen­den Wort­laut:

§ 2
Wahl­sys­tem, Sitz­ver­tei­lung

(1) – (6) …

(7) Bei der Ver­tei­lung der Sit­ze auf die Wahl­vor­schlä­ge wer­den nur Wahl­vor­schlä­ge berück­sich­tigt, die min­des­tens 3 Pro­zent der im Wahl­ge­biet abge­ge­be­nen gül­ti­gen Stim­men erhal­ten haben.

Die Ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­de der klei­nen Par­tei­en[↑]

Die Antrag­stel­le­rin­nen und Beschwer­de­füh­rer hal­ten § 2 Abs. 7 EuWG für ver­fas­sungs­wid­rig und tra­gen zur Begrün­dung im Wesent­li­chen über­ein­stim­mend vor:

Maß­stab für die ver­fas­sungs­recht­li­che Über­prü­fung der Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel sei die in Art. 3 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 GG ver­bürg­te Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit poli­ti­scher Par­tei­en in der Aus­le­gung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Urteil vom 09.11.2011. Aus den dort genann­ten Grün­den und auf­grund einer inzwi­schen gefes­tig­ten Recht­spre­chung gebie­te das Risi­ko eines Miss­brauchs par­la­men­ta­ri­scher Macht durch die poli­ti­schen Par­tei­en eine strik­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Prü­fung. Der schwer­wie­gen­de Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit poli­ti­scher Par­tei­en kön­ne auch nach den aktu­el­len Gege­ben­hei­ten nicht mit Aspek­ten der Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments gerecht­fer­tigt wer­den. Die recht­li­chen und tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten sei­en seit dem Urteil vom 09. Novem­ber 2011 unver­än­dert, so dass für die Wie­der­ein­füh­rung einer Sperr­klau­sel kein Raum sei. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe bei der Ent­schei­dung im Jahr 2011 den Ver­trag von Lis­sa­bon vom 01.12 2009 und die seit­her im Ver­trag über die Euro­päi­sche Uni­on ver­an­ker­ten pri­mär­recht­li­chen Bestim­mun­gen berück­sich­tigt und die für die ach­te Wahl­pe­ri­ode gel­ten­den Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re die Begren­zung der Gesamt­zahl der Abge­ord­ne­ten und der mit­glied­staat­li­chen Kon­tin­gen­te sowie die neu­en Moda­li­tä­ten zur Wahl des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten, in den Blick genom­men. Soweit auf die künf­ti­ge Poli­ti­sie­rung der euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen durch die Auf­stel­lung von Spit­zen­kan­di­da­ten für das Amt des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten abge­stellt wer­de, deren Ver­ein­bar­keit mit dem gel­ten­den Ver­trags­recht ins­be­son­de­re von den Beschwer­de­füh­rern im Ver­fah­ren 2 BvR 2221/​13 bezwei­felt wird, wür­den ledig­lich mög­li­che Ent­wick­lun­gen und nicht tat­säch­li­che Gege­ben­hei­ten benannt. Die Ent­ste­hung eines Ant­ago­nis­mus zwi­schen Regie­rungs- und Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen sowie das Risi­ko einer Blo­cka­de der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung sei­en blo­ße Spe­ku­la­ti­on. Ob und inwie­weit die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments beein­träch­tigt wäre, sei nicht abseh­bar. Das im stark beschleu­nig­ten Ver­fah­ren ergan­ge­ne Gesetz beru­he auf Mut­ma­ßun­gen und blei­be Nach­wei­se schul­dig.

Die Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments vom 22.11.2012 sei als recht­lich unver­bind­li­che Erklä­rung gera­de vor dem Hin­ter­grund, dass das Par­la­ment durch­aus ver­bind­li­che Rege­lun­gen tref­fen könn­te, ohne Bedeu­tung. Die Mit­glied­staa­ten tref­fe kei­ne Ver­ant­wor­tung für die Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments, wenn die­ses trotz des Auf­trags zur Schaf­fung eines gemein­sa­men Wahl­rechts in Art. 223 AEUV untä­tig blei­be. Wenn über­haupt, kön­ne sich eine Ver­ant­wor­tung der Mit­glied­staa­ten nur auf die pri­mär­recht­lich ver­an­ker­ten Wahl­rechts­grund­sät­ze erstre­cken. Danach wäre Deutsch­land in beson­de­rer Wei­se ver­pflich­tet, den Grund­ge­dan­ken der Ver­hält­nis­wahl umzu­set­zen und eine mög­lichst brei­te Reprä­sen­ta­ti­on sämt­li­cher poli­ti­scher Auf­fas­sun­gen zu gewähr­leis­ten, weil dies den klei­ne­ren Mit­glied­staa­ten auf­grund ihrer gerin­gen Sitz­zahl von vorn­her­ein ver­wehrt sei. Auf­grund der hohen Bedeu­tung der Offen­heit des poli­ti­schen Pro­zes­ses und für die Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des demo­kra­ti­schen Sys­tems sei die Auf­recht­erhal­tung des poli­ti­schen Wett­be­werbs unab­ding­bar. Eine Kan­di­da­tur von "Spaß­par­tei­en" sei zwecks Gewähr­leis­tung einer gleich­be­rech­tig­ten Teil­nah­me aller Par­tei­en am poli­ti­schen Pro­zess hin­zu­neh­men. Dies müs­se umso mehr gel­ten, als die Teil­nah­me an Euro­pa­wah­len klei­ne­ren Par­tei­en ohne­hin durch fak­ti­sche Sperr­klau­seln und wei­te­re Hür­den wie das Unter­schrif­ten­er­for­der­nis (§ 9 Abs. 5 EuWG) erschwert wer­de.

Über­wie­gend mes­sen die Antrag­stel­le­rin­nen und Beschwer­de­füh­rer dem Urteil vom 09.11.2011 und sei­nen tra­gen­den Grün­den zudem eine Bin­dungs­wir­kung zu, die die erneu­te Ein­füh­rung einer Min­dest­schwel­le als ver­bo­te­ne Norm­wie­der­ho­lung und nach dem Gebot der Ver­fas­sungs­or­gan­treue von vorn­her­ein aus­schlie­ße.

Kein zuläs­si­gen Anträ­ge gegen Bun­des­rat und Bun­des­prä­si­dent[↑]

Soweit sich die Anträ­ge in den Ver­fah­ren 2 BvE 8/​13 und 2 BvE 12/​13 gegen den Bun­des­rat und den Bun­des­prä­si­den­ten rich­ten, fehlt es an der aus­rei­chen­den Dar­le­gung der Antrags­be­fug­nis.

Die Antrags­be­fug­nis im Organ­streit gemäß § 64 Satz 1 BVerfGG ist gege­ben, wenn die Antrag­stel­ler schlüs­sig behaup­ten, dass sie und der Antrags­geg­ner an einem ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis unmit­tel­bar betei­ligt sind und dass der Antrags­geg­ner hier­aus erwach­sen­de eige­ne ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Rech­te und Zustän­dig­kei­ten der Antrag­stel­ler durch die bean­stan­de­te Maß­nah­me oder das Unter­las­sen ver­letzt oder unmit­tel­bar gefähr­det hat 19. An einer sol­chen schlüs­si­gen Behaup­tung fehlt es hier. Die Antrag­stel­le­rin­nen haben die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung ihrer Rech­te durch die Betei­li­gung von Bun­des­rat und Bun­des­prä­si­dent im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nicht dar­ge­legt.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Die Anträ­ge in den Organ­streit­ver­fah­ren, soweit sie zuläs­sig sind, und die Ver­fas­sungs­be­schwer­den haben Erfolg. Die Sperr­klau­sel, die eine Berück­sich­ti­gung von Par­tei­en und poli­ti­schen Ver­ei­ni­gun­gen mit einem Ergeb­nis von unter 3 % der gül­ti­gen Stim­men von der Sitz­ver­ga­be aus­schließt und damit zugleich den auf die­se ent­fal­len­den Stim­men ihre wahl­recht­li­che Bedeu­tung nimmt, ver­stößt gegen die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en.

Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel führt zur Nich­tig­erklä­rung von § 2 Abs. 7 EuWG (§ 95 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG). Zugleich ist gemäß § 67 Satz 1 und 2 BVerfGG fest­zu­stel­len, dass der Deut­sche Bun­des­tag mit dem Beschluss die­ser Vor­schrift das Recht der Antrag­stel­le­rin­nen und der Bei­getre­te­nen auf Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en (Art. 21 Abs. 1 GG) ver­letzt hat.

Kein Ver­stoß gegen das Gebot der Organ­treue[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stä­be für die Recht­fer­ti­gung eines Ein­griffs in die Wahl­rechts­gleich­heit und die Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en in sei­nem Urteil vom 09.11.2011 in Fort­set­zung sei­ner Recht­spre­chung 20 in Bezug auf die Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel im Euro­pa­wahl­recht kon­kre­ti­siert 21 und mit Urteil vom 25.07.2012 in ande­rem Zusam­men­hang bestä­tigt 22. Die­ser Prü­fungs­maß­stab ist auch hier anzu­wen­den. Die Ein­füh­rung einer Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel nach Nich­tig­erklä­rung der Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel ist nicht bereits wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Ver­bot der Norm­wie­der­ho­lung oder das Gebot der Organ­treue zu bean­stan­den. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fungs­maß­stab ist ent­ge­gen dem Vor­trag des Deut­schen Bun­des­ta­ges nicht durch ver­bind­li­che Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts ein­ge­schränkt. Die in der Ent­schei­dung vom 09.11.2011 for­mu­lier­ten Maß­stä­be sind auf die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel im Euro­pa­wahl­recht über­trag­bar und auch der Prü­fung ihrer Recht­fer­ti­gung zugrun­de­zu­le­gen.

Der Gesetz­ge­ber war nicht bereits wegen der Bin­dungs­wir­kung des Urteils vom 09. Novem­ber 2011 gemäß § 31 Abs. 1 BVerfGG dar­an gehin­dert, die ange­grif­fe­ne Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel an die Stel­le der für nich­tig erklär­ten Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel zu set­zen. Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er nach Nich­tig­erklä­rung einer Norm eine sol­che inhalts­gleich erneut erlas­sen kann 23. Die abge­senk­te Min­dest­schwel­le stellt bereits kei­ne inhalts­glei­che Norm­wie­der­ho­lung dar. Eine Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel kann sich anders als eine Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel aus­wir­ken und bedarf des­halb geson­der­ter sach­li­cher Wür­di­gung. Es trifft zwar zu, dass Erwä­gun­gen des Urteils vom 9. Novem­ber 2011 nahe­le­gen, dass Sperr­klau­seln jeder Art im deut­schen Euro­pa­wahl­recht unter den gege­be­nen Umstän­den vor Art. 3 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 GG kei­nen Bestand haben kön­nen. Dies ent­hebt den Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jedoch nicht der Pflicht, die ver­än­der­te Geset­zes­la­ge als sol­che und im Hin­blick auf die Behaup­tung ver­än­der­ter Umstän­de erneut zu prü­fen.

Eine Gren­ze der legis­la­ti­ven Gestal­tungs­frei­heit ergibt sich hier auch nicht aus dem Grund­satz der Organ­treue. Der Gesetz­ge­ber hat ent­ge­gen dem Vor­trag eini­ger Antrag­stel­le­rin­nen die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel nicht bewusst miss­ach­tet, son­dern gera­de in Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Urteil vom 09.11.2011 gehan­delt und damit nicht gegen sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Rück­sicht­nah­me­pflicht 24 ver­sto­ßen. Daher kann offen blei­ben, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­nen ein Ver­stoß gegen den Grund­satz der Organ­treue dar­in lie­gen könn­te, dass der Gesetz­ge­ber sich über eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und ihre tra­gen­den Grün­de ohne nähe­re Aus­ein­an­der­set­zung hin­weg­setzt, und wel­che Rechts­fol­gen ein sol­cher Ver­stoß nach sich zöge.

Kei­ne Ein­schrän­kung durch ver­bind­li­che uni­ons­recht­li­che Vor­ga­ben[↑]

Der ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fungs­maß­stab ist – ent­ge­gen dem Vor­trag des Deut­schen Bun­des­ta­ges – nicht durch ver­bind­li­che Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts ein­ge­schränkt.

Das Euro­pa­wahl­ge­setz ist deut­sches Bun­des­recht und als sol­ches am Grund­ge­setz und den dar­in ent­hal­te­nen Grund­sät­zen der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en zu mes­sen. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung der Sperr­klau­sel in § 2 Abs. 7 EuWG ist ent­ge­gen der – im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren erst­mals vor­ge­tra­ge­nen – Auf­fas­sung des Deut­schen Bun­des­ta­ges auch nicht durch ver­bind­li­che euro­pa­recht­li­che Vor­ga­ben ein­ge­schränkt 25.

Gemäß Art. 8 Abs. 1 des Direkt­wahl­ak­tes bestimmt sich das Wahl­ver­fah­ren – vor­be­halt­lich uni­ons­recht­li­cher Vor­ga­ben und der Vor­schrif­ten des Direkt­wahl­ak­tes – in jedem Mit­glied­staat nach den inner­staat­li­chen Vor­schrif­ten. Danach gibt der Direkt­wahl­akt nur einen Gestal­tungs­rah­men für den Erlass natio­na­ler Wahl­rechts­vor­schrif­ten vor, die selbst aber den ver­fas­sungs­recht­li­chen Bin­dun­gen des jewei­li­gen Mit­glied­staa­tes unter­lie­gen 25. Dass die von Sei­ten des Uni­ons­rechts durch Art. 3 des Direkt­wahl­ak­tes eröff­ne­te Mög­lich­keit, eine Sperr­klau­sel von bis zu 5 % der abge­ge­be­nen Stim­men fest­zu­le­gen, zugleich deren ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit nach dem jewei­li­gen mit­glied­staat­li­chen Recht impli­ziert, lässt sich dem Wort­laut des Direkt­wahl­ak­tes nicht ent­neh­men. Für eine sol­che Aus­le­gung gibt es auch kei­ne ande­ren Hin­wei­se, viel­mehr spricht alles dafür, dass die Norm so zu ver­ste­hen ist, wie der Wort­laut nahe legt.

Ins­be­son­de­re spricht die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Neu­fas­sung des Direkt­wahl­ak­tes ein­deu­tig gegen die vom Deut­schen Bun­des­tag vor­ge­schla­ge­ne Aus­le­gung. Das Euro­päi­sche Par­la­ment hat­te mit Ent­schlie­ßung vom 15.07.1998 einen eige­nen Ent­wurf für ein Wahl­ver­fah­ren auf Grund­la­ge gemein­sa­mer Grund­sät­ze vor­ge­legt 26. Die­ser sah fol­gen­den Art. 5 vor: "Für die Sitz­ver­ga­be kann eine Min­dest­schwel­le fest­ge­legt wer­den, die jedoch lan­des­weit nicht mehr als 5 % der abge­ge­be­nen Stim­men betra­gen darf." Die­sem Rege­lungs­vor­schlag kor­re­spon­diert der fünf­te Erwä­gungs­grund der Ent­schlie­ßung, mit dem das Euro­päi­sche Par­la­ment, was die Ein­füh­rung einer Sperr­klau­sel betrifft, aus­drück­lich dar­auf hin­weist, dass die­se "auf fakul­ta­ti­ver Basis erfol­gen muss und auf jeden Fall lan­des­weit nicht bei über 5 % der abge­ge­be­nen Stim­men lie­gen darf". Die­ser Ent­wurf wur­de vom Rat zur Kennt­nis genom­men und hat nahe­zu unver­än­dert Ein­gang in Art. 3 der Neu­fas­sung des Direkt­wahl­ak­tes durch die Rats­be­schlüs­se vom 25.06.2002 und 23.09.2002 gefun­den.

Sinn und Zweck der Rege­lung ist dem­nach nicht eine Ermäch­ti­gung der mit­glied­staat­li­chen Gesetz­ge­ber zur Schaf­fung einer Sperr­klau­sel in die­ser Höhe unter gleich­zei­ti­ger Ent­bin­dung von den Vor­ga­ben des jewei­li­gen natio­na­len Ver­fas­sungs­rechts. Sie beschränkt viel­mehr den Gestal­tungs­spiel­raum der Mit­glied­staa­ten im Gegen­satz zur ursprüng­li­chen Fas­sung des Direkt­wahl­ak­tes in der Fra­ge der maxi­mal zuläs­si­gen Höhe einer Sperr­klau­sel 27 und fügt sich damit in die mit des­sen Novel­lie­rung ver­bun­de­ne Ver­pflich­tung der Mit­glied­staa­ten auf das Ver­hält­nis­wahl­recht ein, die in Art. 1 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 2 des Direkt­wahl­ak­tes Aus­druck gefun­den hat.

Eine Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gemäß Art. 267 AEUV steht danach offen­kun­dig nicht im Raum 28. Der Wort­laut aller (glei­cher­ma­ßen ver­bind­li­chen) Ori­gi­nal­fas­sun­gen, wonach die Mit­glied­staa­ten eine Min­dest­schwel­le von lan­des­weit höchs­tens 5 % der abge­ge­be­nen Stim­men fest­le­gen "kön­nen" (vgl. exem­pla­risch die fran­zö­si­sche und eng­li­sche Fas­sung: "Les États mem­bres peu­vent pré­voir la fixa­ti­on d’un seuil mini­mal pour l‘attribution de sièges."; "Mem­ber Sta­tes may set a mini­mum tres­hold for the allo­ca­ti­on of seats.”), also ins­be­son­de­re nicht fest­le­gen "sol­len", ist ein­deu­tig und unter­liegt kei­nen Aus­le­gungs­zwei­feln.

Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleicheit[↑]

Der ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fungs­maß­stab ist ent­ge­gen dem Vor­trag des Deut­schen Bun­des­ta­ges nicht durch ver­bind­li­che Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts ein­ge­schränkt. Die dem Urteil vom 9. Novem­ber 2011 zugrun­de lie­gen­den Maß­stä­be bean­spru­chen Gel­tung auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren.

Der Grund­satz der Gleich­heit der Wahl, der sich für die Wahl der deut­schen Abge­ord­ne­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments aus Art. 3 Abs. 1 GG in sei­ner Aus­prä­gung als Gebot for­ma­ler Wahl­rechts­gleich­heit ergibt 29, sichert die vom Demo­kra­tie­prin­zip vor­aus­ge­setz­te Ega­li­tät der Bür­ger 30 und ist eine der wesent­li­chen Grund­la­gen der Staats­ord­nung 31. Er gebie­tet, dass alle Wahl­be­rech­tig­ten das akti­ve und pas­si­ve Wahl­recht mög­lichst in for­mal glei­cher Wei­se aus­üben kön­nen, und ist im Sin­ne einer stren­gen und for­ma­len Gleich­heit zu ver­ste­hen 32. Aus dem Grund­satz der Wahl­rechts­gleich­heit folgt für das Wahl­ge­setz, dass die Stim­me eines jeden Wahl­be­rech­tig­ten grund­sätz­lich den glei­chen Zähl­wert und die glei­che recht­li­che Erfolgs­chan­ce haben muss. Alle Wäh­ler sol­len mit der Stim­me, die sie abge­ben, den glei­chen Ein­fluss auf das Wahl­er­geb­nis haben 33.

Bei der Ver­hält­nis­wahl ver­langt der Grund­satz der Wahl­rechts­gleich­heit dar­über hin­aus, dass jeder Wäh­ler mit sei­ner Stim­me auch den glei­chen Ein­fluss auf die Zusam­men­set­zung der zu wäh­len­den Ver­tre­tung haben muss 34. Ziel des Ver­hält­nis­wahl­sys­tems ist es, dass alle Par­tei­en in einem mög­lichst den Stim­men­zah­len ange­nä­her­ten Ver­hält­nis in dem zu wäh­len­den Organ ver­tre­ten sind. Zur Zähl­wert­gleich­heit tritt im Ver­hält­nis­wahl­recht die Erfolgs­wert­gleich­heit hin­zu 35.

Auf­grund der durch euro­päi­sches Recht (Art. 1 Abs. 1 des Direkt­wahl­ak­tes) vor­ge­ge­be­nen und in § 2 Abs. 1 EuWG ange­ord­ne­ten Ver­hält­nis­wahl ist der deut­sche Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des Euro­pa­wahl­ge­set­zes ver­pflich­tet, für die Wahl der deut­schen Abge­ord­ne­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments grund­sätz­lich sowohl die Zähl- als auch die Erfolgs­wert­gleich­heit der Wäh­ler­stim­men sicher­zu­stel­len 36.

Die von Art. 14 Abs. 2 UAbs. 1 Satz 3 EUV-Lis­sa­bon vor­ge­se­he­ne degres­siv pro­por­tio­na­le Kon­tin­gen­tie­rung der auf die Mit­glied­staa­ten ent­fal­len­den Sit­ze ver­langt weder noch recht­fer­tigt sie Abstri­che vom wahl­recht­li­chen Grund­satz der Erfolgs­wert­gleich­heit der Stim­men im Ver­hält­nis zwi­schen den Teil­neh­mern an der Wahl des deut­schen Abge­ord­ne­ten­kon­tin­gents 37.

Der aus Art. 21 Abs. 1 GG abzu­lei­ten­de Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en und die unter dem Gesichts­punkt demo­kra­tisch glei­cher Wett­be­werbs­chan­cen auch für sons­ti­ge poli­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen im Sin­ne des § 8 Abs. 1 EuWG gebo­te­ne Chan­cen­gleich­heit (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­lan­gen, dass jeder Par­tei, jeder Wäh­ler­grup­pe und ihren Wahl­be­wer­bern grund­sätz­lich die glei­chen Mög­lich­kei­ten im gesam­ten Wahl­ver­fah­ren und damit glei­che Chan­cen bei der Ver­tei­lung der Sit­ze ein­ge­räumt wer­den. Das Recht der poli­ti­schen Par­tei­en auf Chan­cen­gleich­heit hängt eng mit den Grund­sät­zen der All­ge­mein­heit und Gleich­heit der Wahl zusam­men, die ihre Prä­gung durch das Demo­kra­tie­prin­zip erfah­ren. Des­halb muss in die­sem Bereich – eben­so wie bei der durch die Grund­sät­ze der All­ge­mein­heit und Gleich­heit der Wahl ver­bürg­ten glei­chen Behand­lung der Wäh­ler – Gleich­heit in einem strik­ten und for­ma­len Sinn ver­stan­den wer­den. Wenn die öffent­li­che Gewalt in den Par­tei­en­wett­be­werb in einer Wei­se ein­greift, die die Chan­cen der poli­ti­schen Par­tei­en ver­än­dern kann, sind ihrem Ermes­sen daher beson­ders enge Gren­zen gezo­gen 38.

Die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel in § 2 Abs. 7 EuWG bewirkt eine Ungleich­ge­wich­tung der Wäh­ler­stim­men; zugleich wird durch die Sperr­klau­sel der Anspruch der poli­ti­schen Par­tei­en auf Chan­cen­gleich­heit beein­träch­tigt. Die Sperr­klau­sel bedarf daher – im Grund­satz nicht anders als eine Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel 39 – der Recht­fer­ti­gung.

Zwi­schen Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en besteht ein enger Zusam­men­hang. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung von Ein­schrän­kun­gen folgt den glei­chen Maß­stä­ben 40.

Der Grund­satz der Wahl­rechts­gleich­heit unter­liegt eben­so wie der Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en kei­nem abso­lu­ten Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­bot. Aller­dings folgt aus dem for­ma­len Cha­rak­ter der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en, dass dem Gesetz­ge­ber bei der Ord­nung des Wahl­rechts nur ein eng bemes­se­ner Spiel­raum für Dif­fe­ren­zie­run­gen ver­bleibt. Bei der Prü­fung, ob eine Dif­fe­ren­zie­rung inner­halb der Wahl­rechts­gleich­heit gerecht­fer­tigt ist, ist grund­sätz­lich ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen 41. Dif­fe­ren­zie­run­gen bedür­fen zu ihrer Recht­fer­ti­gung stets eines beson­de­ren, sach­lich legi­ti­mier­ten, in der Ver­gan­gen­heit als "zwin­gend" bezeich­ne­ten Grun­des 42. Das bedeu­tet nicht, dass sich die Dif­fe­ren­zie­rung als von Ver­fas­sungs wegen not­wen­dig dar­stel­len muss. Dif­fe­ren­zie­run­gen im Wahl­recht kön­nen viel­mehr auch durch Grün­de gerecht­fer­tigt wer­den, die durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von einem Gewicht sind, das der Wahl­rechts­gleich­heit die Waa­ge hal­ten kann 43.

Hier­zu zäh­len ins­be­son­de­re die mit der Wahl ver­folg­ten Zie­le. Dazu gehört die Siche­rung des Cha­rak­ters der Wahl als eines Inte­gra­ti­ons­vor­gangs bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes 44 und, damit zusam­men­hän­gend, die Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der zu wäh­len­den Volks­ver­tre­tung 45. Eine gro­ße Zahl klei­ner Par­tei­en und Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen in einer Volks­ver­tre­tung kann zu ernst­haf­ten Beein­träch­ti­gun­gen ihrer Hand­lungs­fä­hig­keit füh­ren. Eine Wahl hat nicht nur das Ziel, über­haupt eine Volks­ver­tre­tung zu schaf­fen, son­dern sie soll auch ein funk­tio­nie­ren­des Ver­tre­tungs­or­gan her­vor­brin­gen 46. Die Fra­ge, was der Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit dient und dafür erfor­der­lich ist, kann indes nicht für alle zu wäh­len­den Volks­ver­tre­tun­gen ein­heit­lich beant­wor­tet wer­den 47, son­dern bemisst sich nach den kon­kre­ten Funk­tio­nen des zu wäh­len­den Organs 48. Zudem kommt es auf die kon­kre­ten Bedin­gun­gen an, unter denen die jewei­li­ge Volks­ver­tre­tung arbei­tet und von denen die Wahr­schein­lich­keit des Ein­tritts von Funk­ti­ons­stö­run­gen abhängt 49.

Dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lun­gen müs­sen zur Ver­fol­gung ihrer Zwe­cke geeig­net und erfor­der­lich sein. Ihr erlaub­tes Aus­maß rich­tet sich daher auch danach, mit wel­cher Inten­si­tät in das – glei­che – Wahl­recht ein­ge­grif­fen wird. Eben­so kön­nen gefes­tig­te Rechts­über­zeu­gun­gen und Rechts­pra­xis Beach­tung fin­den 50. Der Gesetz­ge­ber hat sich bei sei­ner Ein­schät­zung und Bewer­tung aller­dings nicht an abs­trakt kon­stru­ier­ten Fall­ge­stal­tun­gen, son­dern an der poli­ti­schen Wirk­lich­keit zu ori­en­tie­ren 51. Gegen die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en wird ver­sto­ßen, wenn der Gesetz­ge­ber mit der Rege­lung ein Ziel ver­folgt hat, das er bei der Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts nicht ver­fol­gen darf, oder wenn die Rege­lung nicht geeig­net und erfor­der­lich ist, um die mit der jewei­li­gen Wahl ver­folg­ten Zie­le zu errei­chen 51.

Der Gesetz­ge­ber ist ver­pflich­tet, eine die Wahl­rechts­gleich­heit und die Chan­cen­gleich­heit berüh­ren­de Norm des Wahl­rechts zu über­prü­fen und gege­be­nen­falls zu ändern, wenn die ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung die­ser Norm durch neue Ent­wick­lun­gen in Fra­ge gestellt wird, etwa durch eine Ände­rung der vom Gesetz­ge­ber vor­aus­ge­setz­ten tat­säch­li­chen oder nor­ma­ti­ven Grund­la­gen oder dadurch, dass sich die beim Erlass der Norm hin­sicht­lich ihrer Aus­wir­kun­gen ange­stell­te Pro­gno­se als irrig erwie­sen hat 52. Für Sperr­klau­seln im Ver­hält­nis­wahl­recht bedeu­tet dies, dass die Ver­ein­bar­keit einer Sperr­klau­sel mit dem Grund­satz der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en nicht ein für alle­mal abs­trakt beur­teilt wer­den kann. Eine Wahl­rechts­be­stim­mung kann mit Blick auf eine Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaft zu einem bestimm­ten Zeit­punkt gerecht­fer­tigt sein, mit Blick auf eine ande­re oder zu einem ande­ren Zeit­punkt jedoch nicht 53.

Eine ein­mal als zuläs­sig ange­se­he­ne Sperr­klau­sel darf daher nicht als für alle Zei­ten ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich ein­ge­schätzt wer­den. Eine abwei­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung kann sich erge­ben, wenn sich die Ver­hält­nis­se wesent­lich ändern. Fin­det der Wahl­ge­setz­ge­ber in die­sem Sin­ne ver­än­der­te Umstän­de vor, so muss er ihnen Rech­nung tra­gen. Maß­geb­lich für die Fra­ge der wei­te­ren Bei­be­hal­tung, Abschaf­fung oder (Wieder-)Einführung einer Sperr­klau­sel sind allein die aktu­el­len Ver­hält­nis­se 54. Der Gesetz­ge­ber ist nicht dar­an gehin­dert, auch kon­kret abseh­ba­re künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen bereits im Rah­men der ihm auf­ge­ge­be­nen Beob­ach­tung und Bewer­tung der aktu­el­len Ver­hält­nis­se zu berück­sich­ti­gen; maß­geb­li­ches Gewicht kann die­sen jedoch nur dann zukom­men, wenn die wei­te­re Ent­wick­lung auf­grund hin­rei­chend belast­ba­rer tat­säch­li­cher Anhalts­punk­te schon gegen­wär­tig ver­läss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren ist.

Ent­ge­gen einer im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren geäu­ßer­ten Mei­nung folgt aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht, dass der Gesetz­ge­ber ange­sichts ver­än­der­ter Umstän­de eine ehe­mals bestehen­de, sodann jedoch auf­ge­ho­be­ne Sperr­klau­sel nicht wie­der ein­füh­ren dürf­te, sei es in glei­cher, sei es in ande­rer ver­fas­sungs­recht­lich – nament­lich vor dem Hin­ter­grund der Gewähr­leis­tung der Mit­wir­kung der poli­ti­schen Par­tei­en an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung in Art. 21 Abs. 1 GG – nicht zu bean­stan­den­der Höhe. Gege­be­nen­falls kann er auch ande­re Maß­nah­men zur Funk­ti­ons­si­che­rung der zu wäh­len­den Ver­tre­tungs­kör­per­schaft tref­fen. Die­ser Gesichts­punkt ist für die ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung des Euro­pa­wahl­rechts vor allem des­halb von Bedeu­tung, weil bei sich abzeich­nen­den rele­van­ten, durch das Feh­len einer Sperr­klau­sel beding­ten Beein­träch­ti­gun­gen der Funk­tio­nen des Euro­päi­schen Par­la­ments der Deut­sche Bun­des­tag – anders als es bei Ein­bu­ßen sei­ner eige­nen Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Fall sein könn­te – in der Lage ist, das Euro­pa­wahl­recht in der nöti­gen Wei­se zu ändern 55.

Für Dif­fe­ren­zie­run­gen im Rah­men der Wahl­rechts­gleich­heit ver­bleibt dem Gesetz­ge­ber nur ein eng bemes­se­ner Spiel­raum 56. Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht die Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers zu über­neh­men und alle zur Über­prü­fung rele­van­ten tat­säch­li­chen und recht­li­chen Gesichts­punk­te selbst zu ermit­teln und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen 57 oder eige­ne Zweck­mä­ßig­keits­be­ur­tei­lun­gen an die Stel­le der­je­ni­gen des Gesetz­ge­bers zu set­zen 58. Weil mit Rege­lun­gen, die die Bedin­gun­gen der poli­ti­schen Kon­kur­renz berüh­ren, die par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit gewis­ser­ma­ßen in eige­ner Sache tätig wird und gera­de bei der Wahl­ge­setz­ge­bung die Gefahr besteht, dass die jewei­li­ge Par­la­ments­mehr­heit sich statt von gemein­wohl­be­zo­ge­nen Erwä­gun­gen vom Ziel des eige­nen Macht­er­halts lei­ten lässt, unter­liegt aber die Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts hier einer strik­ten ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le 59.

Der Ein­satz einer Sperr­klau­sel beruht auf der Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers von der Wahr­schein­lich­keit des Ein­zugs von Split­ter­par­tei­en, dadurch zu erwar­ten­der Funk­ti­ons­stö­run­gen und deren Gewichts für die Auf­ga­ben­er­fül­lung der Volks­ver­tre­tung. Bei die­ser Pro­gno­se­ent­schei­dung darf der Gesetz­ge­ber zur Recht­fer­ti­gung des Ein­griffs nicht allein auf die Fest­stel­lung der rein theo­re­ti­schen Mög­lich­keit einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Volks­ver­tre­tung abstel­len 60. Dürf­te der Gesetz­ge­ber frei dar­über befin­den, von wel­chem Wahr­schein­lich­keits­grad an er Funk­ti­ons­stö­run­gen in Betracht zieht, wür­de eine gericht­li­che Kon­trol­le gesetz­ge­be­ri­scher Pro­gno­se­ent­schei­dun­gen, ein­schließ­lich deren tat­säch­li­cher Grund­la­gen, unmög­lich gemacht 61.

Vor die­sem Hin­ter­grund kann jeden­falls die all­ge­mei­ne und abs­trak­te Behaup­tung, durch den Weg­fall der Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel wer­de der Ein­zug klei­ne­rer Par­tei­en und Wäh­ler­ge­mein­schaf­ten in die Ver­tre­tungs­or­ga­ne erleich­tert und dadurch die Wil­lens­bil­dung in die­sen Orga­nen erschwert, einen Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit nicht recht­fer­ti­gen. Des­halb genügt die blo­ße "Erleich­te­rung" oder "Ver­ein­fa­chung" der Beschluss­fas­sung nicht. Nur die mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit zu erwar­ten­de Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­tre­tungs­or­ga­ne auf­grund bestehen­der oder bereits gegen­wär­tig ver­läss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren­der künf­ti­ger Umstän­de kann die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel recht­fer­ti­gen 62.

Weder die Anhö­rung der Sach­ver­stän­di­gen durch den Innen­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges noch das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren haben Gesichts­punk­te zuta­ge geför­dert, die Anlass geben könn­ten, den ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stab für die Beur­tei­lung wahl­recht­li­cher Sperr­klau­seln abwei­chend von der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu bestim­men. Soweit Ein­wän­de nicht von vorn­her­ein die Rechts­an­wen­dung betref­fen – wie nament­lich der Hin­weis auf die gerin­ge­re Ein­griffs­in­ten­si­tät der Drei- gegen­über der ver­wor­fe­nen Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel, zie­len sie vor allem auf eine Redu­zie­rung der Anfor­de­run­gen an die Recht­fer­ti­gung wahl­recht­li­cher Sperr­klau­seln und auf eine Zurück­nah­me der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­troll­dich­te. Im Wesent­li­chen im Anschluss an die von den Rich­tern Di Fabio und Mel­ling­hoff for­mu­lier­te abwei­chen­de Mei­nung zum Urteil vom 09.11.2011 63 soll den Schwie­rig­kei­ten, hin­zu­neh­men­de Erschwe­run­gen der Mehr­heits­bil­dung bei einer gro­ßen Zahl von Ver­tre­tern klei­ner Par­tei­en im Par­la­ment abzu­gren­zen gegen­über nicht mehr hin­zu­neh­men­den und damit Sperr­klau­seln recht­fer­ti­gen­den Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gun­gen, dadurch Rech­nung getra­gen wer­den, dass die­se Abgren­zung wei­ter­ge­hend als nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts der Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers über­las­sen wer­den soll.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hält dem­ge­gen­über an dem dar­ge­stell­ten Prü­fungs­maß­stab fest. Es kann offen­blei­ben, inwie­weit dem Ansatz des Deut­schen Bun­des­ta­ges, dass Sperr­klau­seln bereits unter Aspek­ten der Vor­sor­ge gegen Gefah­ren für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit gerecht­fer­tigt sind, in Bezug auf Volks­ver­tre­tun­gen zu fol­gen ist, bei denen jede durch inter­ne Par­tei­en­zer­split­te­rung beding­te Schwä­chung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit gleich­be­deu­tend sein kann mit einer ent­spre­chen­den Schwä­chung der Fähig­keit, hier­auf mit einer Kor­rek­tur des Wahl­rechts zu reagie­ren. Jeden­falls bezo­gen auf das Euro­päi­sche Par­la­ment, bei dem es sich nach gegen­wär­ti­ger Rechts­la­ge so nicht ver­hält, weil Kor­rek­tu­ren durch den natio­na­len Wahl­rechts­ge­setz­ge­ber mög­lich sind, wür­de mit einer unab­hän­gig von kon­kret abseh­ba­ren Funk­ti­ons­stö­run­gen rein vor­sorg­lich sta­tu­ier­ten Sperr­klau­sel der schwer­wie­gen­de Ein­griff in die Wahl­rechts­gleich­heit in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se vor­ver­la­gert.

Auch dem Ansin­nen einer Zurück­nah­me der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le durch Zubil­li­gung von weit­ge­hend frei aus­füll­ba­ren Pro­gno­se­spiel­räu­men kann nicht gefolgt wer­den. Nicht zuletzt vor dem Hin­ter­grund, dass es bei der Wahl­ge­setz­ge­bung um die Grund­be­din­gun­gen poli­ti­scher Kon­kur­renz geht, ist eine strik­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le unaus­weich­lich 64.

Aktu­el­le Beur­tei­lung der 3%-Sperrklausel[↑]

Nach die­sen Maß­stä­ben ist die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel (§ 2 Abs. 7 EuWG) mit Art. 3 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 GG unver­ein­bar. Die für die Beur­tei­lung maß­geb­li­chen tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se haben sich seit dem Urteil vom 09.11.2011 nicht ent­schei­dend geän­dert. Die zur Recht­fer­ti­gung der Sperr­klau­sel her­an­ge­zo­ge­nen Ent­wick­lun­gen ste­hen am Anfang und sind in ihren Aus­wir­kun­gen nicht abschätz­bar, so dass gegen­wär­tig aus ihnen nicht geschlos­sen wer­den kann, ohne eine Sperr­klau­sel wer­de die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit beein­träch­tigt. Der Umstand, dass die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel in die Wahl­rechts­gleich­heit und in die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en weni­ger inten­siv als vor­mals die Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel ein­greift, genügt nicht zur Recht­fer­ti­gung der ange­grif­fe­nen Rege­lung.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat im Urteil vom 09.11.2011 fest­ge­stellt, dass die bei der Euro­pa­wahl 2009 gege­be­nen und fort­be­stehen­den tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se kei­ne hin­rei­chen­den Grün­de bie­ten, die den mit der Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel ver­bun­de­nen schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en recht­fer­ti­gen könn­ten 65. Eine maß­geb­li­che Ver­än­de­rung der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se ist seit­her nicht ein­ge­tre­ten.

Eine uni­ons­recht­li­che Sperr­klau­sel auf der Grund­la­ge des Art. 223 Abs. 1 AEUV besteht wei­ter­hin nicht. Die vom Bevoll­mäch­tig­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges unter­stell­te gemein­eu­ro­päi­sche Über­zeu­gung in Bezug auf die Not­wen­dig­keit von Sperr­klau­seln oder äqui­va­len­ten Bestim­mun­gen ist damit gera­de dort, wo sie kon­se­quen­ter­wei­se prak­tisch wer­den müss­te, näm­lich auf der Ebe­ne des Uni­ons­rechts, nicht erkenn­bar. Dem ent­spricht, dass eine Ände­rung des Direkt­wahl­ak­tes mit dem Ziel, die Mit­glied­staa­ten zur Ein­füh­rung bestimm­ter Min­dest­schwel­len für die Sitz­ver­ga­be zu ver­pflich­ten, auch nicht beab­sich­tigt ist. Eine Ver­än­de­rung der recht­li­chen Grund­la­gen der Euro­pa­wahl auf Uni­ons­ebe­ne wird in der Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments vom 22.11.2012 nicht gefor­dert. Die­se beschränkt sich viel­mehr auf einen recht­lich unver­bind­li­chen Appell an die Mit­glied­staa­ten, geeig­ne­te und ange­mes­se­ne Min­dest­schwel­len für die Sitz­zu­tei­lung fest­zu­le­gen. Im Übri­gen ste­hen nach über­ein­stim­men­der Auf­fas­sung der dazu in der münd­li­chen Ver­hand­lung Gehör­ten die mit­glied­staat­li­chen Vor­schrif­ten des Euro­pa­wahl­rechts bis­lang nur in der jewei­li­gen Tra­di­ti­on der Mit­glied­staa­ten, ein Umstand, der auch dem Erlass eines ein­heit­li­chen Euro­pa­wahl­ver­fah­rens ent­ge­gen­ste­he.

Auch in tat­säch­li­cher Hin­sicht haben sich wäh­rend der lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode kei­ne erheb­li­chen Ver­än­de­run­gen erge­ben. Die in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­tra­ge­ne Zunah­me der Belas­tung des Euro­päi­schen Par­la­ments mit Legis­la­tiv­auf­ga­ben mag zwar für die Fra­ge einer struk­tu­rel­len Beein­träch­ti­gung sei­ner Funk­ti­ons­fä­hig­keit Bedeu­tung erlan­gen, sobald das Euro­päi­sche Par­la­ment wegen einer Viel­zahl koope­ra­ti­ons­un­wil­li­ger Ver­tre­ter klei­ner Par­tei­en und Ver­ei­ni­gun­gen an die Gren­ze sei­ner Kapa­zi­tä­ten stößt. Dafür ist indes nichts Greif­ba­res vor­ge­tra­gen wor­den.

Kon­kre­te Bestre­bun­gen ande­rer Mit­glied­staa­ten, Hemm­nis­se für den Zugang klei­ner Par­tei­en zum Euro­päi­schen Par­la­ment zu besei­ti­gen 66, sind gegen­wär­tig nicht erkenn­bar. Greif­ba­re Hin­wei­se dar­auf, dass ande­re Mit­glied­staa­ten sich durch den Weg­fall der Sperr­klau­sel in Deutsch­land ver­an­lasst sehen könn­ten, ihr natio­na­les Wahl­recht ent­spre­chend zu ändern, haben auch in der münd­li­chen Ver­hand­lung die Aus­füh­run­gen der Ver­tre­ter des Euro­päi­schen Par­la­ments zu den Moti­ven der Ent­schlie­ßung vom 22.11.2012 nicht erbracht.

Die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel fin­det kei­ne Recht­fer­ti­gung im Hin­blick auf zu erwar­ten­de poli­ti­sche und insti­tu­tio­nel­le Ent­wick­lun­gen und damit ver­bun­de­ne Ände­run­gen der Funk­ti­ons­be­din­gun­gen des Euro­päi­schen Par­la­ments in der nächs­ten Wahl­pe­ri­ode.

Die Begrün­dung des Ent­wurfs eines Fünf­ten Geset­zes zur Ände­rung des Euro­pa­wahl­ge­set­zes stellt dar­auf ab, dass die mit der Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments vom 22.11.2012 ange­sto­ße­ne Ent­wick­lung hin­sicht­lich der Wahl des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten aus einem Kreis von den euro­päi­schen Par­tei­en benann­ter Spit­zen­kan­di­da­ten bei der Euro­pa­wahl 2014 zu einer stär­ke­ren ant­ago­nis­ti­schen Pro­fi­lie­rung von Regie­rung und Oppo­si­ti­on in der Euro­päi­schen Uni­on füh­ren wer­de. Mit die­ser im Zeit­punkt des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ur­teils vom 09.11.2011 noch nicht kon­kret abseh­ba­ren neu­en Ent­wick­lung und der dar­aus fol­gen­den zuneh­men­den Poli­ti­sie­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments wer­de die erfor­der­li­che Mehr­heits­bil­dung erschwert, und es dro­he kon­kret eine Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung, der mit einer geeig­ne­ten und ange­mes­se­nen Min­dest­schwel­le zu begeg­nen sei 67.

Der Gesetz­ge­ber geht zutref­fend davon aus, dass eine ant­ago­nis­ti­sche Pro­fi­lie­rung von Regie­rung und Oppo­si­ti­on auf euro­päi­scher Ebe­ne unter Umstän­den dann eine Sperr­klau­sel im deut­schen Euro­pa­wahl­recht recht­fer­ti­gen kann, wenn in recht­li­cher und tat­säch­li­cher Hin­sicht Ver­hält­nis­se gege­ben sind, die denen auf natio­na­ler Ebe­ne ver­gleich­bar sind, wo die Bil­dung einer sta­bi­len Mehr­heit für die Wahl einer hand­lungs­fä­hi­gen Regie­rung und deren fort­lau­fen­de Unter­stüt­zung nötig ist 68. Die­se – poli­tisch ange­streb­te – Ent­wick­lung steckt indes noch in den Anfän­gen. Die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen der in Gang gesetz­ten poli­ti­schen Dyna­mik auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments sind der­zeit nicht abzu­se­hen, so dass für die Pro­gno­se des Gesetz­ge­bers, es dro­he ohne die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel eine Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung des Euro­päi­schen Par­la­ments, die Grund­la­ge fehlt.

Das Euro­päi­sche Par­la­ment strebt aus­weis­lich sei­ner Ent­schlie­ßung vom 22.11.2012 im Ein­ver­ständ­nis mit der der­zei­ti­gen Kom­mis­si­on eine Stär­kung der poli­ti­schen Legi­ti­mi­tät bei­der Insti­tu­tio­nen an, deren Wahl jeweils unmit­tel­ba­rer mit der Ent­schei­dung der Wäh­ler ver­knüpft wer­den soll. Um dies zu för­dern, sol­len die euro­päi­schen poli­ti­schen Par­tei­en Kan­di­da­ten für das Amt des Prä­si­den­ten der Kom­mis­si­on nomi­nie­ren, die eine füh­ren­de Rol­le im bevor­ste­hen­den Euro­pa­wahl­kampf spie­len sol­len, indem sie ins­be­son­de­re ihr Pro­gramm in allen Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on vor­stel­len. Eine Ände­rung der ver­trag­li­chen Grund­la­gen der Auf­ga­ben und Befug­nis­se der euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen wird jedoch nicht ange­strebt 69. Inso­weit ist auch unklar, wie das poli­ti­sche Anlie­gen, die demo­kra­ti­sche Wil­lens­bil­dung auf euro­päi­scher Ebe­ne zu stär­ken, im Rah­men des gel­ten­den Uni­ons­rechts mit Rele­vanz für die hier zu ent­schei­den­de Fra­ge umge­setzt wer­den soll. Aus wel­chen Grün­den etwa der Kom­mis­si­ons­prä­si­dent auf die fort­lau­fen­de Unter­stüt­zung einer sta­bi­len Mehr­heit im Euro­päi­schen Par­la­ment ange­wie­sen sein könn­te (vgl. Art. 234 Abs. 2 AEUV), hat auch die Erör­te­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht erhellt. Die damit ver­bun­de­nen Fra­gen kön­nen jedoch dahin ste­hen.

Es ist näm­lich bereits in tat­säch­li­cher Hin­sicht nicht kon­kret abseh­bar, dass die ange­sto­ße­ne poli­ti­sche Ent­wick­lung ohne eine Sperr­klau­sel im deut­schen Euro­pa­wahl­recht zu einer Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung des Euro­päi­schen Par­la­ments füh­ren könn­te.

Der­zeit lässt sich nicht ein­mal abschät­zen, in wel­chem Umfang und mit wel­chen Aus­wir­kun­gen für die Tätig­keit und Funk­ti­ons­wei­se des neu zu wäh­len­den Euro­päi­schen Par­la­ments die in der Ent­schlie­ßung vom 22.11.2012 zum Aus­druck gebrach­te Posi­ti­on der amtie­ren­den Kom­mis­si­on und des Euro­päi­schen Par­la­ments sich gegen­über den Ver­tre­tern der Mit­glied­staa­ten im Euro­päi­schen Rat und im Rat wird durch­set­zen las­sen. Auch der Umfang damit mög­li­cher­wei­se ein­her­ge­hen­der Ver­än­de­run­gen im poli­ti­schen Pro­zess inner­halb des Euro­päi­schen Par­la­ments in der kom­men­den Wahl­pe­ri­ode bleibt spe­ku­la­tiv. So hat etwa der Abge­ord­ne­te des Euro­päi­schen Par­la­ments Büti­ko­fer in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­ge­führt, er erwar­te, dass die nun­mehr ange­sto­ße­ne Dyna­mik hin zu einem stär­ke­ren Ant­ago­nis­mus und zu einer stär­ke­ren Poli­ti­sie­rung im Par­la­ment nicht in einer Legis­la­tur­pe­ri­ode abge­schlos­sen sein wer­de, son­dern sich über den Zeit­raum meh­re­rer Legis­la­tur­pe­ri­oden erstre­cken dürf­te.

Soweit die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel danach mit der Erwä­gung gerecht­fer­tigt wer­den soll­te, der beab­sich­tig­te "Demo­kra­ti­sie­rungs­schub" dür­fe nicht dadurch in Fra­ge gestellt wer­den, dass von Deutsch­land aus eine Zer­split­te­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments in Kauf genom­men wer­de, ver­fehl­te dies nicht nur die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die Recht­fer­ti­gung von Ein­grif­fen in die Wahl­rechts­gleich­heit und die Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en. Es wür­de auch der Offen­heit des poli­ti­schen Pro­zes­ses, der für die par­la­men­ta­ri­sche Debat­te gera­de im Hin­blick auf mög­li­che Umstruk­tu­rie­run­gen wesent­lich ist und zu dem klei­ne Par­tei­en einen wich­ti­gen Bei­trag leis­ten kön­nen 70, nicht gerecht. Aus die­sem Grun­de kön­nen Sperr­klau­seln auch nicht mit der Erwä­gung gerecht­fer­tigt wer­den, nur poli­ti­sche Par­tei­en, die die­se über­win­den könn­ten, sei­en hin­rei­chend reprä­sen­ta­tiv und leis­te­ten einen ver­läss­li­chen Bei­trag zur Legi­ti­ma­ti­on von Volks­ver­tre­tun­gen.

Es ist auch nicht beleg­bar, dass die Mehr­heits­bil­dung im Euro­päi­schen Par­la­ment infol­ge der ange­streb­ten Poli­ti­sie­rung struk­tu­rell beein­träch­tigt wird.

Zwar ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die Zusam­men­ar­beit der bei­den gro­ßen Frak­tio­nen im Euro­päi­schen Par­la­ment, wel­che die par­la­men­ta­ri­sche Pra­xis bis­lang geprägt hat 71, auf­grund der Benen­nung von (kon­kur­rie­ren­den) Spit­zen­kan­di­da­ten der Par­tei­en, wie von Ver­tre­tern des Euro­päi­schen Par­la­ments in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­tra­gen, in Zukunft nicht mehr oder in signi­fi­kant gerin­ge­rem Umfang statt­fin­det. Ob und inwie­weit dies der Fall sein wird, ist jedoch unge­wiss; denk­bar sind jeden­falls auch Ent­wick­lun­gen, die die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments unbe­ein­träch­tigt las­sen. So kann es Grün­de für die Annah­me geben, dass die bei­den gro­ßen Frak­tio­nen, die regel­mä­ßig eine abso­lu­te Mehr­heit der Man­da­te auf sich ver­ei­nen 72, auch wei­ter­hin in einer Viel­zahl von Fäl­len an einer Zusam­men­ar­beit inter­es­siert, wenn nicht sogar auf eine sol­che ange­wie­sen sind. Dem­entspre­chend liegt etwa die Mög­lich­keit nicht fern, dass ein Kan­di­dat für das Amt des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten aus dem Kreis der im Euro­päi­schen Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en zur Bil­dung einer ihn tra­gen­den Par­la­ments­mehr­heit die Unter­stüt­zung der bei­den gro­ßen Frak­tio­nen benö­tigt und es auf­grund von hier­über geführ­ten Ver­hand­lun­gen zu einer Ver­fes­ti­gung der Koope­ra­ti­on der bei­den gro­ßen Frak­tio­nen kommt. Auf die Zahl nicht frak­ti­ons­ge­bun­de­ner Abge­ord­ne­ter käme es bei einer der­ar­ti­gen Ent­wick­lung nicht ent­schei­dend an.

Dar­über hin­aus kann auch nicht ohne wei­te­res unter­stellt wer­den, dass die bis­lang prak­ti­zier­te fle­xi­ble Mehr­heits­bil­dung im Par­la­ment 73 durch die Zuwahl neu­er Abge­ord­ne­ter klei­ner Par­tei­en nen­nens­wert erschwert wür­de. So erscheint es nicht zwin­gend, dass die Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit der euro­pa­wei­ten Par­tei­fa­mi­li­en, von denen im Wesent­li­chen die Frak­ti­ons­bil­dung im Euro­päi­schen Par­la­ment aus­geht und die damit ent­schei­dend zu sei­ner Funk­ti­ons­fä­hig­keit bei­tra­gen, im Zuge der Poli­ti­sie­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments Ein­bu­ßen erlei­det. Mög­lich ist auch, dass etwai­ge deut­li­che­re poli­ti­sche Gegen­sät­ze zwi­schen den ein­zel­nen Frak­tio­nen deren inter­nen Zusam­men­halt gera­de erhö­hen. Zudem ist offen, ob eine infol­ge stär­ke­rer par­tei­po­li­ti­scher Pro­fi­lie­rung ver­än­der­te Wahr­neh­mung des Euro­päi­schen Par­la­ments nicht Wäh­ler mehr als bis­lang zu stra­te­gi­schem Wahl­ver­hal­ten ver­an­las­sen und dies einer Zunah­me der im Euro­päi­schen Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en ent­ge­gen­wir­ken wür­de.

Die in der münd­li­chen Ver­hand­lung genann­te Zahl von künf­tig mög­li­cher­wei­se acht­zig koope­ra­ti­ons­un­wil­li­gen Abge­ord­ne­ten lässt sich ange­sichts der­ar­ti­ger Unge­wiss­hei­ten nicht mit der not­wen­di­gen Wahr­schein­lich­keit pro­gnos­ti­zie­ren. Ohne­hin bezo­gen sich die betref­fen­den Äuße­run­gen nicht auf die Zahl der zu erwar­ten­den frak­ti­ons­lo­sen Abge­ord­ne­ten klei­ner Par­tei­en mit einem oder zwei Abge­ord­ne­ten, son­dern auf Abge­ord­ne­te bestimm­ter uni­ons­kri­ti­scher Par­tei­en, die vor­aus­sicht­lich nicht an einer Sperr­klau­sel schei­tern wer­den. Auch ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei Par­tei­en, die auf natio­na­ler Ebe­ne eine klei­ne Split­ter­par­tei sein mögen, um sol­che han­deln kann, die einer im Euro­päi­schen Par­la­ment gut ver­tre­te­nen Par­tei­en­fa­mi­lie ange­hö­ren oder ihr zumin­dest nahe­ste­hen und deren Abge­ord­ne­te daher zu einer Zer­split­te­rung, wie sie mit Sperr­klau­seln abge­wehrt wer­den soll, gar nicht bei­tra­gen. Damit besteht eine Beson­der­heit im Tat­säch­li­chen, die Sperr­klau­seln gera­de in Bezug auf die gemein­eu­ro­päi­sche Inte­gra­ti­ons­funk­ti­on des Euro­päi­schen Par­la­ments beson­de­ren Ein­wän­den unter dem Gesichts­punkt der Erfor­der­lich­keit aus­setzt.

Soweit zur Ver­tei­di­gung der ange­grif­fe­nen Sperr­klau­sel auf die Schwie­rig­keit hin­ge­wie­sen wird, qua­li­fi­zier­te Mehr­hei­ten im Euro­päi­schen Par­la­ment zu errei­chen, ist fer­ner dar­an zu erin­nern, dass die Anord­nung qua­li­fi­zier­ter Mehr­hei­ten in den Ver­trä­gen gera­de auf eine brei­te Zustim­mung im Euro­päi­schen Par­la­ment zielt und nicht zuletzt mit Blick auf das insti­tu­tio­nel­le Gleich­ge­wicht mit den ande­ren Orga­nen (Art. 13 EUV) in Kauf nimmt, dass das Euro­päi­sche Par­la­ment bei unüber­wind­ba­ren Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten kei­ne durch­setz­ba­re Posi­ti­on erlangt 74.

Im Hin­blick auf die Inte­gra­ti­ons­kraft der Frak­tio­nen ist schließ­lich nicht ersicht­lich, dass in der kom­men­den Wahl­pe­ri­ode neu gewähl­te Abge­ord­ne­te klei­ne­rer Par­tei­en von vorn­her­ein kei­ne Auf­nah­me in einer der eta­blier­ten Frak­tio­nen oder – je nach Wahl­er­geb­nis in den ande­ren Mit­glied­staa­ten – in einer neu gegrün­de­ten wei­te­ren Frak­ti­on fin­den könn­ten. Auch wenn die Inte­gra­ti­ons­kraft der Frak­tio­nen im Euro­päi­schen Par­la­ment nicht über­be­wer­tet wer­den darf und im Zuge einer inten­si­ve­ren Poli­ti­sie­rung die Bereit­schaft einer Frak­ti­on, Abge­ord­ne­te auf­zu­neh­men, die auf natio­na­ler Ebe­ne als Kon­kur­ren­ten auf­tre­ten, abneh­men könn­te, sind die Anrei­ze für die Anbin­dung von Abge­ord­ne­ten an eine Frak­ti­on doch beträcht­lich, so dass nicht ohne wei­te­res von einer unver­träg­lich hohen Anzahl frak­ti­ons­lo­ser Abge­ord­ne­ter aus­ge­gan­gen wer­den kann 75. Es wird aller­dings zu beob­ach­ten sein, wie sich eine denk­ba­re Wahl von Abge­ord­ne­ten wei­te­rer, in der deut­schen Par­tei­en­land­schaft im Wett­be­werb ste­hen­der Par­tei­en aus­wir­ken wird. Gesi­cher­te Ein­schät­zun­gen sind der­zeit auch dies­be­züg­lich nicht mög­lich. Sich etwa kon­kret abzeich­nen­den Fehl­ent­wick­lun­gen kann der Gesetz­ge­ber Rech­nung tra­gen.

Die Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel greift zwar weni­ger inten­siv in die Wahl­rechts­gleich­heit und in die Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en ein als die frü­he­re Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel. Dar­aus folgt jedoch nicht, dass der auch mit der Drei-Pro­zent-Sperr­klau­sel ver­bun­de­ne Ein­griff in die Wahl­rechts­gleich­heit ver­nach­läs­sig­bar wäre und kei­ner Recht­fer­ti­gung bedürf­te. Ein Sitz im Euro­päi­schen Par­la­ment kann bereits mit etwa einem Pro­zent der abge­ge­be­nen Stim­men errun­gen wer­den, so dass die Sperr­klau­sel prak­ti­sche Wirk­sam­keit ent­fal­tet. Da eine Sperr­klau­sel im deut­schen Euro­pa­wahl­recht gegen­wär­tig – und zwar mit Blick sowohl auf die bestehen­den Ver­hält­nis­se als auch auf hin­rei­chend sicher pro­gnos­ti­zier­ba­re Ent­wick­lun­gen – bereits nicht erfor­der­lich ist, es also an der Recht­fer­ti­gung bereits dem Grun­de nach fehlt, kommt es auf Fra­gen der Ange­mes­sen­heit der Drei-Pro­zent-Klau­sel nicht an.

Son­der­vo­tum des Ver­fas­sungs­rich­ters Mül­ler[↑]

Der Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Mül­ler sieht sich nicht in der Lage, die Ent­schei­dung mit­zu­tra­gen. Nach sei­ner Über­zeu­gung stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu hohe Anfor­de­run­gen an die Fest­stel­lung einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments zur Recht­fer­ti­gung eines Ein­griffs in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit und trägt damit dem Auf­trag des Gesetz­ge­bers zur Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts unzu­rei­chend Rech­nung. Im Ergeb­nis führt dies nicht nur zur Beschrei­tung eines deut­schen Son­der­we­ges bei der Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments, son­dern auch zur Hin­nah­me des Risi­kos einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments jeden­falls für die Dau­er einer Legis­la­tur­pe­ri­ode. Dass dies ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten ist, ver­mag er nicht zu erken­nen.

Der Fest­stel­lung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, dass die Sperr­klau­sel des § 2 Abs. 7 EuWG aus­schließ­lich am Grund­ge­setz und den dar­in ent­hal­te­nen Grund­sät­zen der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en zu mes­sen ist, stim­me der Ver­fas­sungs­rich­ter Mül­ler zu. Dem ste­hen weder Art. 3 des Direkt­wahl­ak­tes, noch Zif­fer 4 der Ent­schlie­ßung des Euro­päi­schen Par­la­ments vom 22.11.2012 ent­ge­gen.

Eben­so stimmt der Ver­fas­sungs­rich­ter Mül­ler der Fest­stel­lung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu, dass mit der durch Art. 1 Abs. 1 des Direkt­wahl­ak­tes vor­ge­ge­be­nen und in § 2 Abs. 1 EuWG umge­setz­ten Ent­schei­dung für das Ver­hält­nis­wahl­sys­tem bei der Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich ver­pflich­tet ist, sowohl die Zähl- als auch die Erfolgs­wert­gleich­heit der Wäh­ler­stim­men sicher­zu­stel­len. Dem kann weder die im Ver­gleich zu einer nied­ri­gen Sperr­klau­sel stär­ke­re Durch­bre­chung der Erfolgs­wert­gleich­heit im Mehr­heits­wahl­sys­tem 76, noch die in Art. 14 Abs. 2 UAbs. 1 Satz 3 EUV vor­ge­se­he­ne degres­siv-pro­por­tio­na­le Kon­tin­gen­tie­rung der auf die ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten ent­fal­len­den Sit­ze 77 ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den.

Schließ­lich ist mit dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt davon aus­zu­ge­hen, dass auf­grund des strik­ten und for­ma­len Cha­rak­ters der Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en dem Gesetz­ge­ber nur ein eng bemes­se­ner Spiel­raum für Dif­fe­ren­zie­run­gen ver­bleibt und die­se der Recht­fer­ti­gung durch Grün­de bedür­fen, die durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von einem Gewicht sind, das der Wahl­rechts­gleich­heit die Waa­ge hal­ten kann 43.

In stän­di­ger Recht­spre­chung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aner­kannt und legt sei­ner vor­lie­gen­den Ent­schei­dung zugrun­de, dass die Siche­rung des Cha­rak­ters der Wahl als eines Inte­gra­ti­ons­vor­gangs bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes 44 und, damit zusam­men­hän­gend, die Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der zu wäh­len­den Volks­ver­tre­tung einen sol­chen Grund dar­stel­len kann 78. Soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­auf hin­weist, dass der Gesetz­ge­ber dies­be­züg­lich einer strik­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­trol­le unter­liegt 79, darf die­se nicht zu einer Ver­wi­schung der Gren­zen zwi­schen gesetz­ge­be­ri­scher Gestal­tung und ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Kon­troll­tä­tig­keit füh­ren. Dem trägt die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts unzu­rei­chend Rech­nung.

Die Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts ist Sache des Gesetz­ge­bers. Im Rah­men die­ses Auf­tra­ges, der bezo­gen auf die Bun­des­tags­wahl in Art. 38 Abs. 3 GG ver­fas­sungs­recht­lich fun­diert ist, obliegt es dem Gesetz­ge­ber, durch die Ver­fas­sung legi­ti­mier­te Zie­le und den Grund­satz der Gleich­heit der Wahl gegen­ein­an­der abzu­wä­gen 80. Er hat daher auch die Belan­ge der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Par­la­ments, das Anlie­gen weit­ge­hen­der inte­gra­ti­ver Reprä­sen­tanz und die Gebo­te der Wahl­rechts­gleich­heit sowie der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en zum Aus­gleich zu brin­gen 81. Den hier­bei sich erge­ben­den Gestal­tungs­spiel­raum hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu ach­ten und nur zu prü­fen, ob des­sen Gren­zen über­schrit­ten sind 82. Es kann daher einen Ver­stoß gegen den Grund­satz der Gleich­heit der Wahl nur fest­stel­len, wenn eine dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lung an einem Ziel ori­en­tiert ist, das der Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts nicht ver­fol­gen darf oder wenn die Rege­lung zur Errei­chung die­ses Ziels nicht geeig­net ist oder das Maß des zur Errei­chung des Ziels Erfor­der­li­chen über­schrei­tet 83. Dies gilt auch für die Ent­schei­dung über den Ein­satz von Sperr­klau­seln im Rah­men des Ver­hält­nis­wahl­rechts. Ob es zur Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit einer zu wäh­len­den Volks­ver­tre­tung einer Sperr­klau­sel bedarf, ist auch nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 84 auf der Basis einer Pro­gno­se über die Wahr­schein­lich­keit des Ein­zugs von Split­ter­par­tei­en, dadurch künf­tig zu erwar­ten­der Funk­ti­ons­stö­run­gen und deren Gewicht für die Auf­ga­ben­er­fül­lung der Volks­ver­tre­tung zu ent­schei­den. Die­se Pro­gno­se­ent­schei­dung hat der Gesetz­ge­ber im Rah­men des ihm über­tra­ge­nen Auf­tra­ges zur Gestal­tung des Wahl­rechts zu tref­fen. Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist die Kon­trol­le die­ser Pro­gno­se­ent­schei­dung; es ist aber nicht befugt, sei­ne eige­ne Pro­gno­se an die Stel­le der­je­ni­gen des Gesetz­ge­bers zu set­zen.

Dem­ge­gen­über legt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung hin­sicht­lich der Fest­stel­lung einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments eine Kon­troll­dich­te zugrun­de, die nach mei­ner Über­zeu­gung die gebo­te­ne Beach­tung des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­auf­tra­ges nicht hin­rei­chend gewähr­leis­tet:

Hin­sicht­lich der zur Recht­fer­ti­gung des Ein­sat­zes einer Sperr­klau­sel gebo­te­nen Pro­gno­se­ent­schei­dung for­dert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht nur, dass der Gesetz­ge­ber sich nicht auf die Fest­stel­lung einer rein theo­re­ti­schen Mög­lich­keit einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der zu wäh­len­den Volks­ver­tre­tung beschränkt 85. Viel­mehr dür­fe er auch nicht frei dar­über befin­den, von wel­chem Wahr­schein­lich­keits­grad an er Funk­ti­ons­stö­run­gen in Betracht zieht 61. Nur die mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit zu erwar­ten­de Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­tre­tungs­or­ga­ne auf­grund bestehen­der oder bereits gegen­wär­tig ver­läss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren­der künf­ti­ger Umstän­de kön­ne eine Sperr­klau­sel recht­fer­ti­gen 62.

Soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine mit "eini­ger Wahr­schein­lich­keit" zu erwar­ten­de Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­tre­tungs­or­ga­ne for­dert, ver­bleibt ein erheb­li­cher Ent­schei­dungs­spiel­raum. Die Bewer­tung die­ses Kor­ri­dors zwi­schen der rein theo­re­ti­schen Mög­lich­keit und dem siche­ren Ein­tritt einer Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung ist dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten. Stützt er sei­ne Ent­schei­dung auf nach­voll­zieh­ba­re tat­säch­li­che Umstän­de und lei­tet dar­aus in ver­tret­ba­rer Wei­se eine Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Ver­tre­tungs­or­gans ab, han­delt er in Wahr­neh­mung sei­nes Auf­tra­ges zur Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts. Behält das Gericht sich dem­ge­gen­über vor, zu bestim­men, ab wel­chem Grad der Wahr­schein­lich­keit von einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit eines Ver­tre­tungs­or­gans aus­zu­ge­hen ist, ist ange­sichts der unver­meid­li­chen Unsi­cher­hei­ten der­ar­ti­ger Pro­gno­sen eine Beschrän­kung auf die blo­ße Kon­trol­le der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung nicht mehr gewähr­leis­tet. Es ist aber nicht Sache des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die ver­tret­ba­re Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers durch eine eige­ne ver­tret­ba­re Ent­schei­dung zu erset­zen.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus dem Hin­weis des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die Aus­ge­stal­tung des Wahl­rechts bedür­fe strik­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Kon­trol­le, weil mit Rege­lun­gen, die die Bedin­gun­gen poli­ti­scher Kon­kur­renz berüh­ren, die par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit gewis­ser­ma­ßen in eige­ner Sache tätig wer­de und gera­de bei der Wahl­ge­setz­ge­bung die Gefahr bestehe, dass die jewei­li­ge Par­la­ments­mehr­heit sich statt von gemein­wohl­be­zo­ge­nen Erwä­gun­gen vom Ziel des eige­nen Macht­er­halts lei­ten las­se 86. Abge­se­hen von der Unschär­fe und dar­auf sich grün­den­der Zwei­fel an der Taug­lich­keit des Begriffs "Ent­schei­dung in eige­ner Sache" als Rechts­ka­te­go­rie 87 sind die vor­lie­gend an der Gesetz­ge­bung zur Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments betei­lig­ten natio­na­len Man­dats­trä­ger in ihrem Abge­ord­ne­ten­sta­tus nicht unmit­tel­bar betrof­fen. In Betracht kommt allen­falls eine mit­tel­ba­re Betrof­fen­heit in Bezug auf die Inter­es­sen der Par­tei, der der jewei­li­ge Abge­ord­ne­te ange­hört. Dabei stellt sich die poten­ti­el­le Betrof­fen­heit der im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en von einer Sperr­klau­sel durch­aus unter­schied­lich dar. Vor die­sem Hin­ter­grund kann nicht ohne Wei­te­res davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass bei der Ent­schei­dung über das Ver­fah­ren zur Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments ein auf Inter­es­sen­gleich­heit beru­hen­des, struk­tu­rel­les Kon­troll­de­fi­zit besteht, das der Kom­pen­sa­ti­on durch eine inten­si­vier­te ver­fas­sungs­recht­li­che Kon­trol­le bedarf 88. Jeden­falls kann dies weder zu einer Sus­pen­die­rung des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­auf­tra­ges, noch zu einer ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­troll­tä­tig­keit füh­ren, die die­sem Gestal­tungs­auf­trag nicht hin­rei­chend Rech­nung trägt.

Soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­auf ver­weist, dass im Fal­le ein­tre­ten­der Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gun­gen des Euro­päi­schen Par­la­ments der natio­na­le Wahl­ge­setz­ge­ber mit ent­spre­chen­den Kor­rek­tu­ren des Wahl­rechts reagie­ren kön­ne, wäh­rend die­se Mög­lich­keit bei der Wahl des Deut­schen Bun­des­ta­ges nicht bestehe 89 und daher Aspek­te der Vor­sor­ge gegen eine Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit bei der Ent­schei­dung über den Ein­satz einer Sperr­klau­sel auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht zu berück­sich­ti­gen sei­en, ver­mag der Ver­fas­sungs­rich­ter Mül­ler dem nicht zu fol­gen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lässt außer Betracht, dass eine Kor­rek­tur des Wahl­rechts ihre Wirk­sam­keit frü­hes­tens in der nach­fol­gen­den Wahl­pe­ri­ode ent­fal­ten kann. In der lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode blei­ben der­ar­ti­ge Ver­än­de­run­gen dem­ge­gen­über wir­kungs­los. Der Ver­zicht auf eine Vor­sor­ge gegen die Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit eines Ver­tre­tungs­or­gans beinhal­tet dem­ge­mäß die Hin­nah­me der Gefahr einer Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung oder Funk­ti­ons­un­fä­hig­keit für die Dau­er einer Wahl­pe­ri­ode. Dies wäre mit der Siche­rung des Cha­rak­ters der Wahl als eines Inte­gra­ti­ons­vor­gangs bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes nicht ver­ein­bar. Bei der Ent­schei­dung über den Ein­satz von Sperr­klau­seln bei der Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments ist daher auch der Gesichts­punkt der Vor­sor­ge gegen eine Beein­träch­ti­gung oder den Ver­lust der Funk­ti­ons­fä­hig­keit zu berück­sich­ti­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund begeg­net § 2 Abs. 7 EuWG nach Auf­fas­sung des Ver­fas­sungs­rich­ters Mül­ler kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Weder ist die gesetz­ge­be­ri­sche Pro­gno­se einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments bei einem Ver­zicht auf den Ein­satz von Sperr­klau­seln oder äqui­va­len­ten Rege­lun­gen zu bean­stan­den, noch ste­hen die Erfor­der­nis­se der Geeig­net­heit und Erfor­der­lich­keit der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lung ent­ge­gen.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts führt zur Unzu­läs­sig­keit jeg­li­cher Sperr­klau­sel bei der Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Bewer­tung von § 2 Abs. 7 EuWG hat daher von der Fra­ge aus­zu­ge­hen, ob bei einem uni­ons­wei­ten Ver­zicht auf Sperr­klau­seln und äqui­va­len­te Rege­lun­gen von einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments aus­zu­ge­hen ist. Dage­gen kann nicht ein­ge­wandt wer­den, dass § 2 Abs. 7 EuWG allein auf den Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes bezo­gen und daher für die Zusam­men­set­zung und Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments von zu ver­nach­läs­si­gen­der Bedeu­tung ist. Dem steht ent­ge­gen, dass gegen­wär­tig mit Aus­nah­me Spa­ni­ens in allen Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on recht­li­che oder fak­ti­sche Sperr­klau­seln bezie­hungs­wei­se äqui­va­len­te Rege­lun­gen bestehen, die in ihrer Wir­kung nicht hin­ter § 2 Abs. 7 EuWG zurück­blei­ben. Wäre die ver­fas­sungs­recht­li­che Zuläs­sig­keit von § 2 Abs. 7 EuWG aus­schließ­lich danach zu beur­tei­len, wel­che tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen die­se Rege­lung auf die Zusam­men­set­zung und Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments als Gan­zes hat, wür­de die ver­fas­sungs­recht­li­che Bewer­tung der Norm vom Fort­be­stand sol­cher Rege­lun­gen in ande­ren euro­päi­schen Staa­ten abhän­gig gemacht, die nach den Maß­stä­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts am deut­schen Ver­fas­sungs­recht gemes­sen dem Ver­dikt der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit unter­fie­len. Dies wür­de zudem der Ver­ant­wor­tung zur gesam­ten Hand für die Erhal­tung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments nicht gerecht, die jeden Staat anhält, die Struk­tu­ren sei­nes Wahl­rechts so aus­zu­ge­stal­ten, dass sie zugleich Maxi­me für die Wahl des gesam­ten Euro­päi­schen Par­la­ments sein kön­nen 90.

Der Gesetz­ge­ber hat sei­ne Pro­gno­se­ent­schei­dung, dass ohne den Ein­satz von Sperr­klau­seln eine Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments zu erwar­ten ist, auf hin­rei­chend plau­si­ble tat­säch­li­che Umstän­de gestützt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts genügt sie nach mei­ner Über­zeu­gung den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen.

Dass der Ver­zicht auf Sperr­klau­seln und äqui­va­len­te Rege­lun­gen zu einer wei­te­ren Zer­split­te­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments füh­ren wird, ist evi­dent. Allein mit Blick auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wäre die Zahl der im Euro­päi­schen Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en bei der Euro­pa­wahl 2004 um neun und bei der Euro­pa­wahl 2009 um sie­ben gestie­gen. Die Tat­sa­che, dass das Wahl­ver­hal­ten ten­den­zi­ell durch zuneh­men­de Vola­ti­li­tät geprägt ist, lässt künf­tig zumin­dest kei­ne Abschwä­chung die­ses Befun­des erwar­ten. Zu Recht hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt daher in sei­nem Urteil vom 09.11.2011 fest­ge­stellt: "Es ist zu erwar­ten, dass ohne Sperr­klau­sel und äqui­va­len­te Rege­lun­gen die Zahl der Par­tei­en im Euro­päi­schen Par­la­ment zunimmt, die nur mit einem oder zwei Abge­ord­ne­ten ver­tre­ten sind. Auch ist davon aus­zu­ge­hen, dass es sich dabei um eine nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de Grö­ßen­ord­nung han­delt." 91.

Die Pro­gno­se des Gesetz­ge­bers, dass eine wei­te­re Zer­split­te­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments nicht nur zur Erschwe­rung, son­dern auch zur Ver­hin­de­rung der Bil­dung not­wen­di­ger Mehr­hei­ten füh­ren kann, ist nicht zu bean­stan­den.

Das Euro­päi­sche Par­la­ment und sei­ne Frak­tio­nen sind bereits gegen­wär­tig durch ein erheb­li­ches Maß an Hete­ro­ge­ni­tät geprägt. Ins­ge­samt sind in der lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode im Euro­päi­schen Par­la­ment über 160 Par­tei­en ver­tre­ten. Die zu Beginn der Wahl­pe­ri­ode 736 Abge­ord­ne­ten haben sich in sie­ben Frak­tio­nen zusam­men­ge­schlos­sen, deren inne­rer Zusam­men­halt gerin­ger ist als in natio­na­len Par­la­men­ten, aller­dings zwi­schen ein­zel­nen Frak­tio­nen dif­fe­riert 92. Hin­zu kom­men frak­ti­ons­lo­se Abge­ord­ne­te, deren Zahl sich im Lau­fe der Wahl­pe­ri­ode von 27 auf 32 erhöht hat.

Vor die­sem tat­säch­li­chen Hin­ter­grund ist die Annah­me des Gesetz­ge­bers, die mit einem Ver­zicht auf Sperr­klau­seln und äqui­va­len­te Rege­lun­gen ver­bun­de­ne Erhö­hung der Zahl der Par­tei­en mit einem oder zwei Abge­ord­ne­ten in einer nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Grö­ßen­ord­nung wer­de dazu füh­ren, dass not­wen­di­ge Mehr­hei­ten nicht mehr gebil­det wer­den kön­nen, ohne Wei­te­res nach­voll­zieh­bar. Es ist unver­meid­bar, dass die­se Pro­gno­se durch ein gewis­ses Maß an Unsi­cher­heit geprägt ist. Die Plau­si­bi­li­tät die­ser Pro­gno­se bleibt aber nicht hin­ter der Plau­si­bi­li­tät ver­gleich­ba­rer Pro­gno­sen, die auf natio­na­le Par­la­men­te bezo­gen sind, zurück, zumal die Hete­ro­ge­ni­tät natio­na­ler Par­la­men­te regel­mä­ßig die­je­ni­ge des Euro­päi­schen Par­la­ments nicht über­steigt. Dass eine wei­te­re Zer­split­te­rung des Par­la­ments nicht nur zu einer Erschwe­rung, son­dern auch zur Ver­hin­de­rung des Zustan­de­kom­mens not­wen­di­ger Mehr­hei­ten füh­ren kann, ist jeden­falls kei­ne rein theo­re­ti­sche, völ­lig abs­trak­te Mög­lich­keit. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt selbst ist vor die­sem Hin­ter­grund in sei­ner Ent­schei­dung vom 22.05.1979 93 zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass zur Ver­mei­dung einer Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit eine Sperr­klau­sel in Höhe von 5 % gerecht­fer­tigt ist, obwohl das Euro­päi­sche Par­la­ment zum dama­li­gen Zeit­punkt ledig­lich aus 410 Abge­ord­ne­ten aus neun Mit­glied­staa­ten bestand und über ein wesent­lich gerin­ge­res Maß an Kom­pe­ten­zen ver­füg­te.

Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber sei­ne Pro­gno­se nicht auf­grund von Umstän­den modi­fi­ziert hat, die im Fal­le eines Ver­zichts auf Sperr­klau­seln und äqui­va­len­te Rege­lun­gen geeig­net sein könn­ten, einer wei­te­ren Zer­split­te­rung des Par­la­ments ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Hin­sicht­lich der Mög­lich­keit der Auf­nah­me neu gewähl­ter Abge­ord­ne­ter klei­ner Par­tei­en in eine der eta­blier­ten Frak­tio­nen 94 haben die Abge­ord­ne­ten des Euro­päi­schen Par­la­ments Brok und Büti­ko­fer in der münd­li­chen Ver­hand­lung deut­lich gemacht, dass in den bestehen­den Frak­tio­nen eine Bereit­schaft zur Auf­nah­me natio­nal kon­kur­rie­ren­der Par­tei­en nicht vor­han­den ist. Der Sach­ver­stän­di­ge Pog­unt­ke hat aus­ge­führt, dass klei­ne­re Par­tei­en aus Deutsch­land vor­aus­sicht­lich nicht in die bestehen­den Frak­ti­ons­struk­tu­ren ein­ge­bun­den wer­den wür­den. Inwie­weit die Inte­gra­ti­ons­kraft der bestehen­den Frak­tio­nen einer wei­te­ren Zer­split­te­rung des Par­la­ments ent­ge­gen­wir­ken könn­te, ist daher eben­so wenig abseh­bar wie die nach Art. 30 der Geschäfts­ord­nung des Euro­päi­schen Par­la­ments von erheb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen (25 Abge­ord­ne­te aus min­des­tens einem Vier­tel der Mit­glied­staa­ten) abhän­gi­ge Bil­dung neu­er Frak­tio­nen.

Soweit auf die Prä­gung der par­la­men­ta­ri­schen Pra­xis durch die Zusam­men­ar­beit der gro­ßen Frak­tio­nen, die regel­mä­ßig eine abso­lu­te Mehr­heit der Man­da­te auf sich ver­ei­nen, ver­wie­sen wird 72, steht dem bereits ent­ge­gen, dass der Fort­be­stand die­ser abso­lu­ten Mehr­heit nicht gewähr­leis­tet ist. Gegen­wär­tig ver­fü­gen bei­de Frak­tio­nen über 61 % der Sit­ze. Der Sach­ver­stän­di­ge Mau­rer hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung eine Modell­rech­nung vor­ge­legt, wonach die­ser Anteil ohne eine Sperr­klau­sel in Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en und Groß­bri­tan­ni­en bei ansons­ten unver­än­der­tem Wahl­ver­hal­ten auf 56,7 % der Sit­ze sin­ken wür­de. Außer­dem weist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt selbst dar­auf hin, dass auf­grund der Benen­nung von kon­kur­rie­ren­den Spit­zen­kan­di­da­ten bei der Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass die Zusam­men­ar­beit der bei­den gro­ßen Frak­tio­nen im Euro­päi­schen Par­la­ment künf­tig nicht mehr oder nur noch in signi­fi­kant gerin­ge­rem Umfang statt­fin­det.

Im Hin­blick auf die bis­lang prak­ti­zier­te fle­xi­ble Mehr­heits­bil­dung 73 ist nicht abseh­bar, wel­che Aus­wir­kun­gen der Pro­zess der Per­so­na­li­sie­rung und Poli­ti­sie­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments, der auf­grund der Benen­nung von Spit­zen­kan­di­da­ten im Wahl­kampf und der Benen­nung des Kan­di­da­ten für das Amt des Prä­si­den­ten der Kom­mis­si­on unter Berück­sich­ti­gung des Ergeb­nis­ses der Wah­len zum Euro­päi­schen Par­la­ment gemäß Art. 17 Abs. 7 UAbs. 1 EUV zu erwar­ten ist, haben wird.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es Sache des Gesetz­ge­bers, im Rah­men sei­ner Pro­gno­se­ent­schei­dung die vor­ge­nann­ten Umstän­de und ihre Wir­kung hin­sicht­lich der bei einem Ver­zicht auf Sperr­klau­seln und äqui­va­len­te Rege­lun­gen ein­tre­ten­den Zer­split­te­rung des Par­la­ments zu bewer­ten. Berück­sich­tigt er die­se Umstän­de nicht, weil nicht kon­kret abseh­bar ist, in wel­chem Umfang sie der Zer­split­te­rung des Par­la­ments ent­ge­gen­wir­ken wür­den, ist ver­fas­sungs­recht­lich hier­ge­gen nichts ein­zu­wen­den.

Die Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments ist hin­rei­chend gewich­tig, um einen Ein­griff in die Grund­sät­ze der Wahl­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en zu recht­fer­ti­gen.

Zwar unter­schei­det sich das Euro­päi­sche Par­la­ment vom Deut­schen Bun­des­tag ins­be­son­de­re dadurch, dass die Bil­dung einer sta­bi­len Mehr­heit für die Wahl und die fort­lau­fen­de Unter­stüt­zung einer hand­lungs­fä­hi­gen Regie­rung nicht erfor­der­lich ist 95. Auch ist sein Han­deln bis­her nicht durch die ant­ago­nis­ti­sche Pro­fi­lie­rung von Regie­rung und Oppo­si­ti­on geprägt 73. Es ist nicht abseh­bar, inwie­weit sich dies im Rah­men des beab­sich­tig­ten Pro­zes­ses der Per­so­na­li­sie­rung und Poli­ti­sie­rung des Euro­päi­schen Par­la­ments ändern wird. Soweit dar­aus jedoch abge­lei­tet wird, dass der mit der Anord­nung des Ver­hält­nis­wahl­rechts auf euro­päi­scher Ebe­ne ver­folg­te Gedan­ke reprä­sen­ta­ti­ver Demo­kra­tie im Euro­päi­schen Par­la­ment unein­ge­schränkt zu ent­fal­ten ist 96, darf dies auch ange­sichts ihres for­ma­len Cha­rak­ters nicht zu einer Ver­ab­so­lu­tie­rung der Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en gegen­über der Siche­rung des Cha­rak­ters der Wahl als Inte­gra­ti­ons­vor­gang bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes füh­ren.

Das Euro­päi­sche Par­la­ment ist ein Par­la­ment eige­ner Art. Die Unter­schie­de in Auf­ga­ben­stel­lung und Funk­ti­on zum Deut­schen Bun­des­tag sind (noch) erheb­lich, recht­fer­ti­gen jedoch eine grund­le­gend ande­re Gewich­tung der Bedeu­tung der Siche­rung sei­ner Funk­ti­ons­fä­hig­keit nicht. Dem Euro­päi­schen Par­la­ment sind in erheb­li­chem Umfang Krea­ti­ons- und Legis­la­tiv­funk­tio­nen über­tra­gen (Art. 17 Abs. 7 UAbs. 1 Satz 2, UAbs. 3 EUV; Art. 289, Art. 294, Art. 314 AEUV). Auch wenn es zum Zustan­de­kom­men eines Rechts­akts im ordent­li­chen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren und bei der Erstel­lung des Jah­res­haus­halts­plans nicht zwin­gend einer mehr­heits­ge­tra­ge­nen Zustim­mung des Par­la­ments bedarf (Art. 294 Abs. 7 Buch­sta­be a Alter­na­ti­ve 2; Art. 314 Abs. 4 Buch­sta­be b AEUV), setzt die Wahr­neh­mung der durch den Ver­trag dem Par­la­ment über­tra­ge­nen Funk­tio­nen die Fähig­keit zur Bil­dung hand­lungs­fä­hi­ger Mehr­hei­ten vor­aus. Nur so kann das Euro­päi­sche Par­la­ment dem Wäh­ler­auf­trag Rech­nung tra­gen und die ihm im Insti­tu­tio­nen­ge­fü­ge zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben erfül­len. Soll der Cha­rak­ter der Wahl als Inte­gra­ti­ons­vor­gang bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes erhal­ten blei­ben, bedarf es eines funk­ti­ons­fä­hi­gen Par­la­ments. Daher kommt es für die Fra­ge der Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit vor allem auf das Euro­päi­sche Par­la­ment selbst und nicht auf die Euro­päi­sche Uni­on als Gan­zes an. Die Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit auch des Euro­päi­schen Par­la­ments stellt einen Grund dar, wel­cher der Beach­tung der Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en die Waa­ge hal­ten kann und unter den Vor­aus­set­zun­gen der Geeig­net­heit und Erfor­der­lich­keit deren Durch­bre­chung recht­fer­tigt.

Durch­grei­fen­de Zwei­fel, dass § 2 Abs. 7 EuWG den Grund­sät­zen der Geeig­net­heit und Erfor­der­lich­keit hin­rei­chend Rech­nung trägt, hat der Ver­fas­sungs­rich­ter Mül­ler nicht.

Aus­zu­ge­hen ist inso­weit von der Inten­si­tät des Ein­griffs in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en 97. Der Gesetz­ge­ber hat sich – nach Auf­he­bung der ursprüng­lich in § 2 Abs. 7 EuWG ent­hal­te­nen Sperr­klau­sel in Höhe von 5 % durch das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 09.11.2011 11 – für eine Sperr­klau­sel in Höhe von 3 % ent­schie­den. Dies gewähr­leis­tet die Abbil­dung der Brei­te des poli­ti­schen Mei­nungs­spek­trums in deut­lich stär­ke­rem Maße. Zwar hät­te die­se Klau­sel mit Blick auf die Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments 2009 die glei­che Sperr­wir­kung ent­fal­tet, da kei­ne der bei der Man­dats­zu­tei­lung unbe­rück­sich­tigt geblie­be­nen Par­tei­en ein Ergeb­nis von mehr als 3 % der abge­ge­be­nen Stim­men erreicht hat. Anders ver­hält es sich aber bereits, wenn man der Betrach­tung das Ergeb­nis der Bun­des­tags­wahl 2013 zugrun­de legt, bei der zwei Par­tei­en ein Ergeb­nis von mehr als 3 %, aber weni­ger als 5 % der abge­ge­be­nen Stim­men erreicht haben und eine wei­te­re Par­tei mit einem Ergeb­nis von 2,2 % der abge­ge­be­nen Stim­men von dem Errei­chen der 3 %-Gren­ze nicht weit ent­fernt war. Dies ver­deut­licht, dass die Inten­si­tät des Ein­griffs in die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en bei einer Sperr­klau­sel in Höhe von 3 % deut­lich gerin­ger ist als bei einer Sperr­klau­sel in Höhe von 5 %.

Mit der Fest­le­gung einer Sperr­klau­sel in Höhe von 3 % bewegt der Gesetz­ge­ber sich inner­halb des ihm grund­sätz­lich zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raums 98. Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist zuzu­stim­men, wenn er dar­auf ver­weist, dass die unter­schied­li­chen Vor­schrif­ten des Euro­pa­wahl­rechts Aus­druck der jewei­li­gen Tra­di­ti­on der Mit­glied­staa­ten sind. Dies ändert jedoch nichts dar­an, dass die­se unter­schied­li­chen Rege­lun­gen in kei­nem Fall in ihrer Wir­kung hin­ter § 2 Abs. 7 EuWG zurück­blei­ben. Unter Berück­sich­ti­gung fak­ti­scher Begren­zun­gen ergibt sich der Befund, dass mit Aus­nah­me Spa­ni­ens in allen Mit­glied­staa­ten das Errei­chen eines Anteils von min­des­tens 3 % der abge­ge­be­nen Stim­men Vor­aus­set­zung der Zutei­lung eines Man­dats bei der Wahl des Euro­päi­schen Par­la­ments ist. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es nicht zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber eine Sperr­klau­sel in Höhe von 3 % als zur Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments geeig­net ange­se­hen hat.

Der Erfor­der­lich­keit der Rege­lung des § 2 Abs. 7 EuWG kann die Mög­lich­keit einer Kor­rek­tur des Euro­pa­wahl­rechts durch den natio­na­len Gesetz­ge­ber nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Eine sol­che Kor­rek­tur kann ihre Wir­kung erst für die nach­fol­gen­de Wahl­pe­ri­ode ent­fal­ten, so dass eine Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments für die lau­fen­de Wahl­pe­ri­ode hin­zu­neh­men wäre. Mül­ler ist sich sicher, dass dies ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten sein kann. Statt­des­sen wäre der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, § 2 Abs. 7 EuWG zu über­prü­fen und gege­be­nen­falls zu ändern, wenn sich erwei­sen soll­te, dass die Pro­gno­se der Not­wen­dig­keit einer Sperr­klau­sel zur Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Euro­päi­schen Par­la­ments feh­ler­haft war 99.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – 2 BvE 2/​132 BvE 5/​132 BvE 6/​132 BvE 7/​132 BvE 8/​132 BvE 9/​132 BvE 10/​132 BvE 12/​132 BvR 2220/​132 BvR 2221/​132 BvR 2238/​13

  1. BVerfG, Urteil vom 09.11.2011 – 2 BvC 4/​10, 2 BvC 6/​10, 2 BvC 8/​10, BVerfGE 129, 300[]
  2. BGBl. I S. 3749[]
  3. BGBl. I S. 3749[]
  4. im Anschluss an BVerfGE 129, 300[]
  5. BGBl 1977 II S. 733[]
  6. BGBl I S. 709[]
  7. BGBl 2003 II S. 810; 2004 II S. 520[]
  8. vgl. dazu BVerfGE 123, 267, 284 f.; 129, 300, 303[]
  9. vgl. Art. 14 Abs. 2 EUV[]
  10. zu den Ver­hält­nis­sen zu Beginn der Wahl­pe­ri­ode vgl. BVerfGE 129, 300, 307[]
  11. BVerfGE 129, 300[][]
  12. BT-Drs. 17/​13705[]
  13. BT-Aus­schuss­drs. 17(4)761; vgl. BT-Drs. 17/​13935, S. 4 f.[]
  14. vgl. BT-Drs. 17/​13935, S. 4[]
  15. Pro­to­koll des Innen­aus­schus­ses Nr. 17/​110[]
  16. BT-Drs. 17/​13935[]
  17. BT-Plen­Prot 17/​246, S. 31430 ff.[]
  18. BGBl I S. 3749[]
  19. vgl. im Ein­zel­nen BVerfG, Beschluss des Zwei­ten Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 17.09.2013 – 2 BvR 2436/​10, 2 BvE 6/​08, NVwZ 2013, S. 1468, Rn. 160 ff.[]
  20. vgl. BVerfGE 120, 82, 102 ff. m.w.N.[]
  21. vgl. BVerfGE 129, 300, 317 ff.[]
  22. vgl. BVerfGE 131, 316, 336 ff.[]
  23. vgl. dazu einer­seits BVerfGE 1, 14, 37, ande­rer­seits BVerfGE 77, 84, 103 f.; 96, 260, 263[]
  24. vgl. hier­zu BVerfGE 90, 286, 337[]
  25. vgl. BVerfGE 129, 300, 317[][]
  26. vgl. ABl C 292 vom 21.09.1998, S. 66[]
  27. vgl. Schrei­ber, NVwZ 2004, S. 21, 25[]
  28. vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.1982 – C.I.L.F.I.T. – 283/​81, Slg. 1982, S. 3415, Rn. 16 ff.[]
  29. vgl. BVerfGE 51, 222, 234 f.[]
  30. vgl. BVerfGE 41, 399, 413; 51, 222, 234; 85, 148, 157 f.; 99, 1, 13[]
  31. vgl. BVerfGE 6, 84, 91; 11, 351, 360[]
  32. vgl. BVerfGE 51, 222, 234; 78, 350, 357 f.; 82, 322, 337; 85, 264, 315[]
  33. BVerfGE 129, 300, 317 f.[]
  34. vgl. BVerfGE 16, 130, 139; 95, 335, 353[]
  35. vgl. BVerfGE 120, 82, 103; 129, 300, 318[]
  36. BVerfGE 129, 300, 318; zur Erfolgs­wert­gleich­heit im natio­na­len Recht zuletzt BVerfGE 131, 316, 338[]
  37. vgl. BVerfGE 123, 267, 371 ff.; 129, 300, 318 f.[]
  38. BVerfGE 120, 82, 105; 129, 300, 319[]
  39. vgl. zu die­ser BVerfGE 129, 300, 319 f.[]
  40. vgl. BVerfGE 82, 322, 338; 95, 408, 417; 111, 54, 105; 124, 1, 20; 129, 300, 320[]
  41. vgl. BVerfGE 120, 82, 106; 129, 300, 320[]
  42. vgl. BVerfGE 6, 84, 92; 51, 222, 236; 95, 408, 418; 129, 300, 320[]
  43. vgl. BVerfGE 1, 208, 248; 6, 84, 92; 95, 408, 418; 129, 300, 320; 130, 212, 227 f.[][]
  44. BVerfGE 95, 408, 418[][]
  45. vgl. BVerfGE 1, 208, 247 f.; 4, 31, 40; 6, 84, 92 ff.; 51, 222, 236; 82, 322, 338; 95, 408, 418; 120, 82, 111; 129, 300, 320 f.[]
  46. vgl. BVerfGE 51, 222, 236; 129, 300, 321[]
  47. vgl. BVerfGE 120, 82, 111 f.; 129, 300, 321[]
  48. vgl. BVerfGE 120, 82, 112; 129, 300, 321[]
  49. vgl. BVerfGE 129, 300, 323, 326 ff.[]
  50. BVerfGE 1, 208, 249; 95, 408, 418; 120, 82, 107; 129, 300, 321[]
  51. vgl. BVerfGE 120, 82, 107; 129, 300, 321[][]
  52. vgl. BVerfGE 73, 40, 94; 82, 322, 338 f.; 107, 286, 294 f.; 120, 82, 108; 129, 300, 321 f.[]
  53. vgl. BVerfGE 1, 208, 259; 82, 322, 338; 120, 82, 108; 129, 300, 322[]
  54. vgl. BVerfGE 120, 82, 108; 129, 300, 322[]
  55. vgl. BVerfGE 129, 300, 324[]
  56. vgl. BVerfGE 95, 408, 417 f.; 129, 300, 322[]
  57. vgl. BVerfGE 120, 82, 113[]
  58. vgl. BVerfGE 51, 222, 238[]
  59. vgl. BVerfGE 120, 82, 105; 129, 300, 322 f.; 130, 212, 229[]
  60. vgl. BVerfGE 120, 82, 113 ff.; 129, 300, 323[]
  61. vgl. BVerfGE 129, 300, 323[][]
  62. vgl. BVerfGE 120, 82, 114; 129, 300, 323[][]
  63. BVerfGE 129, 300, 346 ff.[]
  64. vgl. bereits BVerfGE 129, 300, 322 f.[]
  65. vgl. BVerfGE 129, 300, 324 ff.[]
  66. zu deren Rele­vanz für die ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung natio­na­ler Sperr­klau­seln vgl. BVerfGE 129, 300, 325 f.[]
  67. vgl. BT-Drs. 17/​13705 S. 6 f.[]
  68. vgl. – auch zur bis­lang bestehen­den Inter­es­sen­la­ge im Insti­tu­tio­nen­ge­fü­ge der Uni­on, BVerfGE 129, 300, 327, 335 f.[]
  69. vgl. zu den Gren­zen einer Fort­ent­wick­lung des insti­tu­tio­nel­len Gefü­ges unter Gel­tung der Ver­trä­ge in der Fas­sung des Ver­trags von Lis­sa­bon BVerfGE 123, 267, 372; zu Ein­zel­hei­ten der gel­ten­den Zustän­dig­keits­ord­nung BVerfGE 129, 300, 336 ff.[]
  70. vgl. BVerfGE 129, 300, 340[]
  71. vgl. BVerfGE 129, 300, 330 f.[]
  72. vgl. BVerfGE 129, 300, 330[][]
  73. vgl. BVerfGE 129, 300, 331[][][]
  74. vgl. BVerfGE 129, 300, 332[]
  75. vgl. dazu bereits BVerfGE 129, 300, 327 ff.[]
  76. vgl. BVerfGE 120, 82, 103[]
  77. vgl. BVerfGE 123, 267, 373 f.; 129, 300, 318 f.[]
  78. vgl. BVerfGE 1, 208, 247 f.; 4, 31, 40; 6, 84, 92 ff.; 51, 222, 236 f.; 82, 322, 338; 95, 408, 418; 120, 82, 111; 129, 300, 320 f.[]
  79. vgl. BVerfGE 120, 82, 106 f.; 129, 300, 322 f.; 130, 212, 229[]
  80. vgl. BVerfGE 95, 408, 420; 121, 266, 303; 131, 316, 338[]
  81. vgl. BVerfGE 51, 222, 236; 71, 81, 97; 95, 408, 420[]
  82. vgl. BVerfGE 95, 408, 420[]
  83. vgl. BVerfGE 131, 316, 339 m.w.N.[]
  84. vgl. BVerfGE 120, 82, 113; 129, 300, 323[]
  85. vgl. BVerfGE 120, 82, 113 f.; 129, 300, 323[]
  86. vgl. auch BVerfGE 120, 82, 105; 129, 300, 322 f.; 130, 212, 229[]
  87. vgl. Streit, Ent­schei­dung in eige­ner Sache, 2006, S.20 ff.; Lang, Gesetz­ge­bung in eige­ner Sache, 2007, S. 16 ff.[]
  88. vgl. Streit, a.a.O., S.203 ff.[]
  89. vgl. auch BVerfGE 129, 300, 324[]
  90. so auch BVerfGE 129, 300, 352, abwei­chen­de Mei­nung[]
  91. BVerfGE 129, 300, 325[]
  92. vgl. BVerfGE 129, 300, 329[]
  93. BVerfGE 51, 222[]
  94. vgl. BVerfGE 129, 300, 328 f.[]
  95. vgl. BVerfGE 129, 300, 335 f.[]
  96. vgl. BVerfGE 129, 300, 336[]
  97. BVerfGE 121, 266, 298[]
  98. vgl. BVerfGE 51, 222, 249 ff.; 82, 322, 338[]
  99. vgl. BVerfGE 120, 82, 108; 129, 300, 321 f.; 131, 316, 339[]