Lis­sa­bon in Karls­ru­he II

Am 30. Juni 2009 hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Rati­fi­ka­ti­ons­ge­set­zen zum Lis­sa­bon-Ver­trag noch die Zustim­mung in essen­ti­el­len Punk­ten ver­sagt. Zwi­schen­zeit­lich hat der Gesetz­ge­ber nach­ge­bes­sert – doch auch die neu­en Begleit­ge­set­ze lan­de­ten mit­tels Ver­fas­sungs­be­schwer­de wie­der vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.

Lis­sa­bon in Karls­ru­he II

Doch dies­mal ohne Erfolg: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das Zustim­mungs­ge­setz zum Ver­trag von Lis­sa­bon und die am 8. Sep­tem­ber 2009 vom Bun­des­tag ver­ab­schie­de­ten Begleit­ge­set­ze nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, die gegen die neu­en Begleit­ge­set­ze am 17. Sep­tem­ber 2009 erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de sah das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – wenn auch über­wie­gend aus for­ma­len Grün­den – als unzu­läs­sig an.

Der Beschwer­de­füh­rer hat eine Ver­let­zung des von ihm gerüg­ten grund­rechts­glei­chen Rechts aus Art. 38 Abs. 1 und Abs. 2 GG nicht aus­rei­chend begrün­det. Die Fra­ge, ob die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bei der Rati­fi­ka­ti­on des Ver­trags von Lis­sa­bon nach Art. 19 Buch­sta­be c des Wie­ner Ver­trags­rechts­über­ein­kom­mens einen völ­ker­recht­li­chen Vor­be­halt anbrin­gen dürf­te, muss­te die Kam­mer nicht ent­schei­den. Nach dem Vor­trag des Beschwer­de­füh­rers war jeden­falls kein ver­fas­sungs­recht­li­cher Bedarf für einen sol­chen Vor­be­halt erkenn­bar, denn die euro­päi­sche Inte­gra­ti­on ist ver­fas­sungs­kon­form rea­li­sier­bar. Dies hat der Zwei­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bereits mit sei­nem ers­ten Urteil zu den ursprüng­li­chen Begleit­ge­set­zen des Lis­sa­bon-Ver­tra­ges ent­schie­den 1.

Soweit der Beschwer­de­füh­rer die (neu­en) Begleit­ge­set­ze angreift, war die Ver­fas­sungs­be­schwer­de auch des­halb nicht zuläs­sig, weil zum Zeit­punkt ihrer Ein­le­gung man­gels Zustim­mung des Bun­des­ra­tes noch kein ord­nungs­ge­mäß zustan­de­ge­kom­me­nes Gesetz vor­lag.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2009 – 2 BvR 2136/​09

  1. BVerfG, Urteil vom 30.06.2009 – 2 BvE 2/​08 u.a.[]