Neue EU-Ver­brau­cher­kre­dit-Richt­li­nie

Der EU-Wett­be­werbs­fä­hig­keits­rat hat sich heu­te über eine neue Ver­brau­cher­kre­dit-Richt­li­nie geei­nigt.

Neue EU-Ver­brau­cher­kre­dit-Richt­li­nie

Ziel der Richt­li­nie ist es, den Ver­brau­cher­schutz euro­pa­weit durch mehr Trans­pa­renz zu ver­bes­sern. Die neue Richt­li­nie folgt in wesent­li­chen Tei­len dem Grund­satz der Voll­har­mo­ni­sie­rung; das heißt, sie ent­hält abschlie­ßen­de Vor­ga­ben für die Gesetz­ge­bung der Mit­glied­staa­ten. Künf­tig wer­den auch Über­zie­hungs­kre­di­te und so genann­te Reno­vie­rungs­kre­di­te (anders als Kre­di­te, die durch Grund­pfand­rech­te gesi­chert sind oder zum Kauf von Grund­stü­cken oder Gebäu­den die­nen) in die Richt­li­nie ein­be­zo­gen sein, um den Wett­be­werb zwi­schen den ver­schie­de­nen Kre­dit­for­men nicht zu ver­zer­ren.

Wesent­li­cher Inhalt der neu­en Richt­li­nie:

  • für die Wer­bung: Ein Kre­dit­ge­ber, der mit einem Zins­satz wirbt, muss ergän­zen­de Anga­ben zu den Kre­dit­be­din­gun­gen hin­zu­fü­gen (Höchst­be­trag, Gebüh­ren, effek­ti­ver Jah­res­zins);
  • über vor­ver­trag­li­che Infor­ma­tio­nen: Bevor der Ver­brau­cher einen Kre­dit­ver­trag schließt, muss er die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen zum Kre­dit in einem – EU-weit ein­heit­li­chen – For­mu­lar erhal­ten (Ein­heit­li­che Euro­päi­sche Ver­brau­cher­kre­dit-Infor­ma­ti­on);
  • über die Anga­ben, die in Kre­dit­ver­trä­gen ent­hal­ten sein müs­sen;
  • über das Wider­rufs­recht: Ein Recht des Ver­brau­chers, den Kre­dit­ver­trag inner­halb von 14 Tagen zu wider­ru­fen, gab es bis­lang nur in Deutsch­land und eini­gen ande­ren Mit­glied­staa­ten. Künf­tig gilt das Wider­rufs­recht euro­pa­weit;
  • über die vor­zei­ti­ge Rück­zah­lung: Der Ent­wurf begrenzt die Höhe der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung, die der Kre­dit­ge­ber im Fal­le der vor­zei­ti­gen Rück­zah­lung ver­lan­gen kann;
  • für die ein­heit­li­che Berech­nung des effek­ti­ven Jah­res­zin­ses.

Die neue Ver­brau­cher­kre­dit-Richt­li­nie soll gleich­zei­tig der Ver­tie­fung des euro­päi­schen Bin­nen­markts und der Stär­kung des Ver­brau­cher­schut­zes die­nen. So hilft die "Ein­heit­li­che Euro­päi­sche Ver­brau­cher­kre­dit­in­for­ma­ti­on" dem Bür­ger, EU-weit nach güns­ti­gen Ange­bo­ten zu suchen, auch wenn er die jewei­li­ge Spra­che nicht sicher beherrscht. Die Vor­ga­ben zu vor-ver­trag­li­chen und ver­trag­li­chen Infor­ma­tio­nen und zur Berech­nung des effek­ti­ven Jah­res­zin­ses sol­len frag­wür­di­ge Prak­ti­ken unter­bin­den, mit denen die tat­säch­li­chen Kre­dit­kos­ten ver­ne­belt wer­den. Bei­spiels­wei­se, indem ein schein­bar güns­ti­ger Kre­dit mit einer über­teu­er­ten Rest­schuld­ver­si­che­rung ver­bun­den wird. Nach der neu­en Fas­sung der Richt­li­nie sind näm­lich die Beträ­ge für die­se Ver­si­che­run­gen den Kre­dit­kos­ten hin­zu­zu­rech­nen.

Die Richt­li­nie bedarf jetzt noch der Zustim­mung des Euro­päi­schen Par­la­ments; nach der Ver­ab­schie­dung ist sie inner­halb von zwei Jah­ren in das inner­staat­li­che Recht der Mit­glied­staa­ten umzu­set­zen.